100 Millionen Dollar Investment

Die Future Cloud Infrastructure der Telekom baut auf Lenovo auf

| Autor: Ulrike Ostler

Wilfredo Sotolongo, Chief Customer Officer Lenovo Data Center Group, kündigt auf der „Accelarate 2019“ in der „BWW Welt“ Jörn Kellermann von T-Systems an, der die Kooperation bezüglich „Future Cloud Infrastructure“ vorstellt.
Wilfredo Sotolongo, Chief Customer Officer Lenovo Data Center Group, kündigt auf der „Accelarate 2019“ in der „BWW Welt“ Jörn Kellermann von T-Systems an, der die Kooperation bezüglich „Future Cloud Infrastructure“ vorstellt. (Bild: Lenovo)

Volles Haus! Am vergangenen Dienstag machte die weltweite Veranstaltungsreihe „Lenovo Accelerate“ Station in München. Wer die Keynotes in der „BMW Welt“ noch mit Verspätung besuchen wollte, musste stehen. Der Hersteller nahm die Veranstaltung zum Anlass eine Kooperation mit T-Systems bekannt zu geben: Das geplante Hybrid-Cloud-Angebot der Deutschen Telekom, das jetzt noch intern die Bezeichnung „Future Cloud Infrastructure“ (FCI) trägt, wird aus Lenovo- und VMware-Komponenten gebaut.

Eingeleitet hat die Ankündigung Wilfredo Sotolongo, Chief Customer Officer Lenovo Data Center Group; denn in seine Verantwortung fällt die Vereinbarung und ein solches Abkommen fällt nicht vom Himmel, obwohl die Geschichte der Enterprise-IT bei Lenovo noch gar nicht allzu lang ist. Sie beginnt eigentlich erst mit der Übernahme des x86-Geschäfts von IBM im Jahr 2014.

Volles Haus bei der Veranstaltung "Lenovo Accelerate 2019" in Deutschland, die am vergangenen Dienstag in der „BMW-Welt“, München stattfand.
Volles Haus bei der Veranstaltung "Lenovo Accelerate 2019" in Deutschland, die am vergangenen Dienstag in der „BMW-Welt“, München stattfand. (Bild: Lenovo)

Die Verlautbarungen 2017 auf der ersten hauseigenen internationalen Veranstaltung „Lenovo Transform“ stuft der Manager als den bis dahin größten Server-Launch seines Unternehmens ein. Seither gibt es die Reihen „Think Agile“ und „Think System“. Während unter der ersten Bezeichnung das Portfolio für konvergente Systeme gefasst wird, es gibt etwa „Think Agile SX für Microsoft Azure Stack“ und die „Think Agile HX Serie“, die Nutanix-Software mit Lenovo-Systemen kombiniert, sowie die „Think Agile VX Serie“, ein hyperkonvergentes System aus „VMware vSAN“, Server und softwaredefinierten Speicher, bieten die Think-Systems einen frei kombinierbaren Ansatz. Derzeit läuft laut Sotolongo fast zweimal so viel Workload auf den x86-Servern von Lenovo als auf denen der führenden Wettbewerber.

Nach Untersuchungen der Berater von ITIC (Information Technology Intelligence Consulting) sind die X86-Rechner von Lenovo am wenigsten ausfallgefährdet, verglichen mit „Fujitsu Primergy“, „Dell Poweredge“, „HPE Proliant“ und „Oracle x86“ (siehe: Abbildung). Lenovo kommt mit seinen Think Systems auf den niedrigsten Prozentwert, wenn es um ungeplante Downtimes von mehr als vier Stunden geht. Darüber hinaus läuft ein von drei Supercomputing-Systemen auf Lenovo-Technik (siehe: Abbildung 3).

Im vergangenen Jahr auf der „Transform 2.0“ kündigte Lenovo die Zusammenarbeit mit Netapp an, in China gibt es seither ein Joint Venture, im Rest der Welt eine Partnerschaft, durch die die Lenovo-eigenen Storage-Systeme durch die von Netapp quasi aufgefüllt werden. Eigentlich erschließt sich damit Lenovo den Markt der Enterprise-Kunden erst. Die „DM“-Serie ist mit dem „Ontap“-Daten-Management von Netapp ausgestattet, erlaubt ein Cloud-Tiering und kommt mit dem Management „x Clarity“ beziehungsweise dem entsprechenden Support. Die „DE“-Serie ist bietet vom Einstieg bis zum High-Performance-Level zusätzlich Möglichkeiten einer Hybrid-Umgebung sowie synchrone und asynchrone Replikation.

Die Kooperation mit T-Systems

Thema der diesjährigen Transform-Veranstaltung ist die Abdeckung der Nachfrage von Edge bis Cloud mit einem eigenen Portfolio gewesen, gemeint ist „Truscale“. Die Bezeichnung steht bei Lenovo für das Angebot „Infrastructure as a Service“ (IaaS).

Die Eckdaten der Lenovo-T-Systems-Kooperation für die „Future Cloud Infrastructure“ (FCI). VMware spielt eine bedeutsame Rolle.
Die Eckdaten der Lenovo-T-Systems-Kooperation für die „Future Cloud Infrastructure“ (FCI). VMware spielt eine bedeutsame Rolle. (Bild: T-Systems)

Das mag letztlich auch T-Systems überzeugt haben. Auf der Accelerate-Veranstaltung skizzierte Jörn Kellermann, SVP Private Cloud & Managed Infrastructure Services, bei T-Systems die Eckpunkte der Kooperation beziehungsweise, warum Lenovo überzeugte:

Zunächst verfügt der Hersteller über von VMware zertifizierte HCI-Nodes (HCI = Hyperconverged Infrastructure). Sodann ist Lenovo willens mit T-Systems an einer stabilen und flexiblen Plattform zu arbeiten, so dass die Telekom das FCI-Angebot noch in diesem Jahr ihren Kunden offerieren kann.

Dazu trage zudem bei, dass Lenovo über eine erfahrenes und weltweit tätiges Team verfüge und bereits in der Produktion getestete, validierte Bausteine in die Rechenzentren liefern könne. Schließlich hat sich Kellermann davon überzeugt gezeigt, dass Lenovo einerseits seine Hardware kontinuierlich weiterentwickle und andererseits ein Hardware-Lifecycle-Management anbieten könne, mitsamt des „besten Automatisierungs-Framework“.

„Die Telekom will mit diesem FCI seinen Kunden Multi-Cloud-Flexibilität anbieten, inklusive Hybrid Cloud“, interpretiert Sotolongo. „Das ist quasi ein dritter Weg – der erste ist ´Do-it-Yourself` - gut, aber nur ganz schwer und ohne Eigenentwicklung nicht umsetzbar, der zweite wäre, Cloud-Angebote zu nutzen. Doch das geht wiederum mit technischen, funktionellen, rechtlichen Limitierungen einher.

Wilfredo Sotolongo, Chief Customer Officer Lenovo Data Center Group im Interview.
Wilfredo Sotolongo, Chief Customer Officer Lenovo Data Center Group im Interview. (Bild: JHEUSER)

„Die Kunden wollen häufig, dass das, was sie im eigenen Rechenzentrum haben in die Cloud transferiern, das geht aber ohne Abstriche nicht. Umgekehrt soll das, was in der Cloud möglich ist, auch auf der eigenen Infrastruktur funktionieren“, führt Sotolongo aus. „Da reden wir von einem Downsizing, nicht von Hybrid Cloud. Wie aber soll das gehen – dieselben Dinge, aber in unterschiedlichen Größen?“ T-Systems beziehungsweise die Telekom kombiniert für seine Kunden die Flexibilität und die Cloud-Ökonomie, beziehungsweise das Liefermodell.

Tatsächlich liefere Lenovo fast die komplette Infrastruktur für Compute, Storage und Teile des Datacenter-Networking, Hardware-nahe Deployment-Services sowie die Management-Software, quasi Hyperkonvergenz für Provider. Der Deal sei, so Sotolongo und Kellermann, ein 100 Millionen Dollar-Invest wert, über drei Jahre verteilt.

Und wie exklusiv ist das T-Systems-Lenovo-Abkommen? Darauf antwortet Sotolongo: „Nicht ist jemals für immer exklusiv“ und ja, es könne ein Blue Print für andere Business Partner sein. Allerdings mache die Kooperation außergewöhnlich, dass die Partner die FCI-Plattform zusammen weiterentwickeln wollten. Das sei selbstverständlich nicht so ohne Weiteres übertragbar.

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