Mission Quantencomputer Deutschland spendiert zwei Milliarden Euro für das Quantencomputing

Redakteur: Ulrike Ostler

Im internationalen Wettlauf um die Technik der Zukunft hat die Bundesregierung insgesamt zwei Milliarden Euro für die Entwicklung von Quantencomputern freigegeben. Damit soll innerhalb von fünf Jahren ein konkurrenzfähiger Quantencomputer gebaut werden.

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Im Rahmen einer Pressekonferenz gibt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek konkrete Fördermaßnahmen für das Quantencomputing bekannt.
Im Rahmen einer Pressekonferenz gibt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek konkrete Fördermaßnahmen für das Quantencomputing bekannt.
(Bild: BMBF/Hans-Joachim Rickel)

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erhält rund 1,1 Milliarden Euro aus dem Konjunkturpaket zur Förderung der Quantentechnologien. Zwei Milliarden Euro stehen im Konjunktur- und Zukunftspaket der Bundesregierung insgesamt bereit für die Entwicklung von Quantentechnologien und insbesondere für die Entwicklung eines einsatzfähigen Quantencomputers. Das BMBF startet nun mit der Umsetzung und gibt konkrete Fördermaßnahmen bekannt.

Hierzu liefert Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am heutigen Dienstag folgende Begründung:„Die Quantentechnologien sind eine der entscheidenden Schlüsseltechnologien der Zukunft. Sie werden es uns erlauben, unsere Kommunikation absolut sicher zu gestalten, durch hochsensible Sensoren Sprünge in der Medizintechnik zu machen oder mittels Quantencomputing bisher nicht lösbare Probleme in Logistik oder Materialforschung zu bewältigen.“

Sie setzt hinzu: „Ich will, dass die Entwicklung und Anwendung von Quantentechnologien in Deutschland und Europa unseren Wohlstand mehrt, unsere technologische Souveränität stärkt und der Hochtechnologie 'Made in Germany' zu einem echten Sprung verhilft. [...] Heute starten wir die Mission Quantencomputer 'Made in Germany'. And now: We are ready for takeoff. Unsere Reise beginnt. “

Um den Anschluss in der Quantentechnologie nicht zu verpassen, investiert die Bundesregierung zwei Milliarden Euro.
Um den Anschluss in der Quantentechnologie nicht zu verpassen, investiert die Bundesregierung zwei Milliarden Euro.
(Bild: DP - stock.adobe.com)

In den vergangenen Montaen haben 16 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft eine 'Roadmap Quantencomputing' erarbeitet. Auf dieser Basis wurde ein Gesamtkonzept für die Umsetzung entwickelt und die Fördermaßnahmen darauf angepasst.An diesem sind neben dem BMBF auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), das Bundesministerium der Finanzen (BMF) und das Bundeskanzleramt (BKAmt) beteiligt. Die Ressorts sollen ihre Kräfte und Kompetenzen bündeln, um „das wichtige Zukunftsthema Quantencomputing“ gemeinsam voranzutreiben und Synergien zu nutzen.

Die ersten Maßnahmen

Als ersten konkreten Umsetzungsschritt hat das BMBF nun zwei umfangreiche Förderrichtlinien veröffentlicht:

  • Die Maßnahme „Quantencomputer-Demonstrationsaufbauten“ fördert den Aufbau von Demonstrations-Quantencomputern in Deutschland. Solche Demonstratoren seien wichtig, teilt das BMBF mit, um frühzeitig mit umfangreichen Tests Vor- und Nachteile, systemspezifische Fehlerquellen und technische Besonderheiten unterschiedlicher technologischer Ansätze für das Quantencomputing zu identifizieren. Strukturell legt die Maßnahme den Grundstein für den Aufbau von Hubs, in den sich die wichtigsten Kompetenzen vermengen und ergänzen sollen.
  • Die Fördermaßnahme „Anwendungsnetzwerk für das Quantencomputing“ zielt darauf ab, Industrie und Grundlagenforschung in die Lage zu versetzen, die Potenziale des Quantencomputers für den Einsatz in unterschiedlichen Themenfeldern zu beurteilen. Hintergrund ist, dass der enorme Vorteil von Quantencomputern gegenüber klassischen Rechnern zwar für einzelne Fragestellungen in der Theorie nachgewiesen ist, jedoch noch offen ist, für welche konkreten Probleme insbesondere die kurz- und mittelfristig verfügbaren Quantencomputer praxisrelevante Vorteile liefern werden.

Für beide Förderrichtlinien können Verbünde ab sofort bis Mitte Juni Projektskizzen einreichen.

Weitere Aufgabengebiete

Weitere aktuelle Maßnahmen, die mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket gefördert werden sollen und nun starten. Dazu zählt:

  • Die Fördermaßnahme „Quantum Futur Education“ treibt die Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte voran, die Quantentechnologien in Deutschland voranbringen können. Ein Koordinierungsprojekt sorgt für Vernetzungsaktivitäten und die Öffentlichkeitsarbeit.
  • Die Fördermaßnahme „Quantum Futur Nachwuchsgruppen“ richtet sich an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die dabei unterstützt werden, ihre erste Nachwuchsforschergruppe im Bereich der Quantentechnologien aufzubauen.
  • Die Fördermaßnahme „Quantentechnologien - Förderung von Forschungsarbeiten an Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf der Basis innovativer Laboraufbauten“ soll in der Breite Forschungseinrichtungen und Hochschulen unterstützen, ihr Forschungsprofil im Bereich der Quantentechnologien im nationalen und internationalen Vergleich zu stärken. Durch strategische Investitionen soll die Attraktivität für nachhaltige Kooperationen - insbesondere mit der Industrie - erhöht werden.
  • Die Fördermaßnahme „Leuchttürme der Quantensensorik“ behandelt Anwendungen der Quantensensorik, die ein enormes gesellschaftliches Potential und eine breitenwirksame Sichtbarkeit haben. Sie sollen den Transfer der Quantentechnologien und ihres Potentials für positiven gesellschaftlichen Wandel sichtbar machen und decken von der Medizintechnik bis zu Prospektionsmethoden und moderner Prozesstechnik ein riesiges Anwendungsspektrum ab.
  • Mit der Fördermaßnahme „QuNet“ wird bereits die Integration von Quantenkommunikation in die allgemeine IT-Sicherheits- und Netzwerkarchitektur für ein durch Quantenkommunikation gesichertes Behördennetzwerk erprobt. Weitere Maßnahmen beinhalten die Entwicklung von Quantenspeichern zur Ermöglichung von sicherer Authentifizierung in Quantennetzwerken und Maßnahmen zur Entwicklung der Vernetzung von Quantenelementen in lokalen Netzwerken.
  • Im Sinne eines ganzheitlichen Ökosystems mit breiter Basis soll zudem mit dem Aufbau einer Forschungsfabrik die technologische Infrastruktur für die Systemintegration gestärkt werden, um industrielle Anschlussfähigkeit zu leisten und einfachen Zugang für Wissenschaft und Wirtschaft zu Hochtechnologieforschung zu ermöglichen.

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