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Kommandos for ever?
Laut Strotmann gibt es auch dort Neuerungen, „auch wenn man einräumen muss, dass die Hersteller sich da in der Vergangenheit nur gemächlich um eine Modernisierung bemühten.“ Die Administratoren seien es eben gewöhnt, damit schnell und effizient ihre command-lines abzusetzen, und da Mainframes an sich sehr pflegeleicht sind, erfreuen sie sich bei den Administratoren einer großen Beliebtheit.

Neueinsteiger erwarten heute aber grafisch gestützte Oberflächen mit Drag&Drop-Techniken. Sie wünschen sich eine Art Cockpit für das Rechenzentrum, mit dem man sich einen Überblick verschaffen kann, und das intuitiv zu benutzen ist.
Fujitsu selbst bietet heute noch einen Mix aus neuer und alter Technik, will aber noch in diesem Jahr moderne Bedienoberflächen für neue Mainframes fertig entwickelt haben. Insbesondere sollen 2014 die beiden Mainframe-Linien – die klassische 390-Plattform und die Intel-basierenden Systeme – zusammengeführt werden. „Dann wird es auch ein einheitliches Management geben: 390- und Intel-Welt werden aus einer effizienten grafischen Oberfläche heraus zu verwalten sein“, sagt der Manager.
Eclipse für die Entwicklung
Was nun die Erfahrungswelt von Herrn E. und seinen Entwicklerkollegen angeht – sowohl die beim Hersteller als auch bei den Anwenderunternehmen – ergibt sich ein Mix: Auf modernen großen Entwicklerbildschirmen sind kleine schwarze Fenster platziert, in denen grüne Buchstaben leuchten. In und auf und mit diesen Fenstern agieren die Programmierer unter dem Begriff „integrierte Entwicklungsumgebung“ (IDE).
Derzeit arbeitet Fujitsu an einer entsprechenden Eclipse-Lösung. Sie soll Werkzeuge enthalten wie einen „Remote-System-Explorer“ (RSE), Syntax-bewusste Editoren sowie Mechanismen zum Kompilieren und Binden auf BS2000. „Da sind viele Dinge integriert. Etwa ein automatisches Eincheck- und Auscheck-Verfahren, Versionsabgleich und dergleichen mehr. Das kann man heute ganz elegant darstellen“, freut sich Strotmann auf die nahe Zukunft.
Einzige Mangelerscheinung: Der Nachwuchs fehlt
Dem IT-Urgestein ist, so scheint es, nicht beizukommen. Was ihm aber fehlt, ist eine nächste Generation von auf ihn spezialisierter IT-Fachkräfte und insbesondere der Entwicklernachwuchs. „Die Anzahl an qualifizierten Universitätsabsolventen und Entwicklern erscheint zu gering, um die Nachfrage der kommenden Jahre zu bedienen“, klagt der Fujitsu-Manager.

Insbesondere Frauen haben sich offenbar aus der Informatik wieder etwas zurückgezogen: Früher war die Programmentwicklung durchaus ein Betätigungsfeld auch für Frauen, heute liegt laut Strotmann der Anteil an weiblichen der Informatikstudenten eher im einstelligen Bereich.
Der Mainframe hat ein Image-Problem
Gründe für den fehlenden Nachwuchs sind einmal das Image-Problem mit dem die Mainframes seit dem Abgesang in den 90er Jahren kämpfen und andererseits die Tatsache, dass sich viele Unternehmen wegen fehlender potenzieller Programmierer parallel auch im Ausland nach Talenten umschauen. Das Offshoring der Entwicklungsaufträge hat also oft nicht nur Kostengründe.
Allerdings: Die Reputation hat sich zugunsten des Mainframes gewandelt, sowohl bei den Herstellern als auch den Anwendern. „IBM feiert heuer den 50. Geburtstag der ‚S390‘-Plattform und Fujitsu den 40. des Betriebssystems ‚BS2000‘“ freut sich Strotmann. Das Licht leuchtet weiter.
Die Autorin:
Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin und Coach in München.
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