Wo gibt es denn so etwas - ein Bastelraum auf der Büro-Etage eines Hightech-Unternehmens? Nein, gemeint ist nicht das als bekannt ungewöhnliche Ambiente von Google, sondern die Arbeitsumgebung von Pure Storage in Prag. Das Unternehmen betreibt hier Testbeds, beschäftigt an vier Standorten 600 Leute und lässt in der Nähe, von Foxconn, die Devices fertigen.
Im Eingangsbereich von Pure- Storage, der sich in einem der vier Prager Gebäude, die das Unternehmen beherbergen, dem „Mississippi House“, befindet.
(Bild: Pure Storage)
Pure Storage bietet nach Einschätzungen der Analysten eine der Top-Primärspeicherplattformen (PSP). Im „Magic Quadrant for Primary Storage Platforms“ vom September 2024 definieren sie, dass PSP-Produkte wie Primärspeicher-Arrays für Unternehmen obligatorische und gängige Storage-Funktionen und -fähigkeiten der Unternehmensklasse bieten und um plattformspezifische Dienste wie Storage as a Service (STaaS) und Ransomware-Schutz ergänzt werde,-
Der PSP-Markt sei aus der Konvergenz zweier wichtiger Entwicklungen auf dem Speichermarkt für Unternehmen entstanden: die Entwicklung des PSP-Produktmarkts in Verbindung mit der Nachfrage nach hybriden, plattformspezifischen Speicherdiensten mit mehreren Domänen, die die Dienste vor Ort auf öffentliche Cloud-, Edge- und Co-Location-Umgebungen ausweiten.
Aus dem „Magic Quadrant for Primary Storage Platforms.
(Bild: Gartner September 2025)
Der Hauptzweck von PSP-Produkten bestehe jedoch darin, plattformspezifische Servicefunktionen und Workloads mit strukturierten Daten zu unterstützen, die auf Antwortzeiten und Eingabe-/Ausgabeoperationen pro Sekunde (IOPS) angewiesen sind. Das Speicherbetriebssystem bilde die Grundlage für Innovationen und einen Weg zu einer Software-definierten Speicherarchitektur (SDS), die hybride Plattformdienste ermöglicht.
SDS-Software abstrahiere das herstellereigene Speicherbetriebssystem, die Speicherverwaltungs-Tools und die AIOps-Funktionen von der herstellereigenen Hardwareplattform und mache sie wieder nutzbar. Dies ermögliche eine höhere Flexibilität bei der Nutzung von Infrastrukturen von Drittanbietern in einer oder mehreren Infrastrukturdomänen, zum Beispiel Public Cloud und Edge-Domain-Standorte.
Die Pure-Storage-Produkte
Zu den Arrays von Pure Storage gehört
die „Flasharray“-Familie (//X, //XL, //C und //E), die eine Reihe von Preis/Leistungs-Workloads abdeckt,
Der 'Multicloud-SDS-Cloud-Block-Store' ist unter anderem auch auf AWS und Azure verfügbar.
Die „Evergreen//One“-Plattform bietet STaaS-Abonnements (Storage as a Service), einschließlich eines neuen AI-Assistenten, „Evergreen//One for AI“ und DRaaS.
Pure Storage richtet sich somit an kleine bis sehr große Unternehmenskunden, hauptsächlich in Nordamerika, Europa und ausgewählten Ländern im asiatisch-pazifischen Raum und in Lateinamerika. In den zwölf Monaten bis zum Erscheinen des Gartner-Reports hat der Anbieter ein 75 TB QLC-Direkt-Flash-Modul (DFM) und 36,6 TB TLC-DFMs eingeführt, um die Energie-Effizienz des Speichers und den Platzbedarf im Rack weiter zu verbessern. Zu den neuen AIOps-fähigen Pure1-SLAs gehören nun Stromverbrauch, Energie-Effizienz und Platzbedarf, Cyber-Recovery und Ausfallsicherheit sowie Null-Datenverlust-Garantien.
Zu den Stärken des Herstellers zählen die Gartner-Analysten Folgendes:
Durch das Angebot des Services „Pure1“ verfolgt Pure Storage einen proaktiven SLA-Ansatz für seine verwalteten STaaS-Evergreen//One-Abonnements, indem es seinen Kunden aussagekräftige Plattformgarantien bietet, die dem IT-Betrieb zugute kommen.
Die Steuerungsebene von „Pure Fusion“ ist in das „Purity“-Betriebssystem eingebettet, wodurch externe Cloud-Kommunikation und AIOps-Abhängigkeiten für Flotten-Management und proaktiven Support entfallen.
Das firmeneigene NVMe SSD DFM des Anbieters ermöglicht es Evergreen//One, häufigere Flash-Hardware-Innovationen, neue SLAs und Verbesserungen im Daten-Management voranzutreiben.
Es gibt von Gartner auch den Report: „Magic Quadrant for File and Object Storage Platforms“ und stammt aus dem Oktober 2024.
(Bild: Gartner 2024)
Auch in dem Report: „Magic Quadrant for File and Object Storage Platforms“ von Gartner-Analysten aus dem Oktober 2024 schneidet Pure Storage gut ab, unter anderem, weil der Hersteller wesentliche Trends bedient. Dazu gehören:
Bis 2029 werden über 80 Prozent der unstrukturierten Daten auf einer konsolidierten Speicherplattform anstelle von separaten Datei- und Objektprodukten bereitgestellt, gegenüber 40 Prozent Anfang 2024.
Zugleich werden 60 Prozent der I&O-Führungskräfte Edge-Caching-Appliances implementieren, die den globalen Zugriff auf unstrukturierte Daten aus einem einzigen Repository vor Ort oder in der Cloud unterstützen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es 15 Prozent.
Und bis 2029 werden 100 Prozent der Speicherprodukte Cyberstorage-Funktionen enthalten, die sich auf die aktive Verteidigung über die Wiederherstellung nach Cyber-Ereignissen hinaus konzentrieren, gegenüber 20 Prozent Anfang 2024 (s.o.).
Pure Flashblade ist eine vereinheitlichte Datei- und Objektspeicher-Appliance und bietet einen einzigen Key-Value-Speicher, der für großen Datei- und Objektdurchsatz und Parallelität ausgelegt ist, indem Blades zur Skalierung der Kapazität und/oder Leistung hinzugefügt werden. Alle Flash-Blade-Appliances sind mit Pure Storage Evergreen//One für Storage-as-a-Service verfügbar.
Darüber hinaus bietet Flashblade laut Gartner die branchenweit höchste Dichte und die niedrigsten Energie- und Kohlenstoffemissionen pro Terabyte unter Verwendung von NVMe QLC SSD zu einem Preis, der eine Abkehr von HDD-Hybrid-Arrays ermöglicht. Die AIOps-Funktionen von Evergreen//One und Pure1 sowie die Telemetrie-Überwachung bieten Kunden fortschrittliche SLA-Funktionen, die zu günstigen IT-Betriebsergebnissen führen.
Die jüngste Ankündigung betrifft Nvidia-AI
Zu den jüngsten Ankündigungen des Herstellers gehört die Integration der„Nvidia AI Data Platform“ in sein Produkt Flash-Blade. Bei der Nvidia AI Data Platform handelt es sich um ein anpassbares Referenzdesign, das Storage-Anbieter nutzen, um eine neue Klasse von KI-Infrastrukturen für anspruchsvolle KI-Inferenz-Workloads aufzubauen: Enterprise-Speicherplattformen mit KI-Abfrage-Agenten, die auf dem 'Nvidia Accelarated Computing', -Netzwerken und -Software basieren.
Stand: 08.12.2025
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Pure Storage integriert die „Nvidia AI Data Platform“ in sein „Flashblade“-System.
(Bild: Pure Storage)
Diese Agenten sollen Unternehmen befähigen, mithilfe von Nvidia AI Enterprise-Software – einschließlich Nvidia NIM-Mikroservices für die neuen „Llama Nemotron“-Modelle mit Reasoning-Funktionen – sowie dem neuen „Nvidia AI-Q Blueprint“ nahezu in Echtzeit Erkenntnisse aus Daten zu gewinnen. Speicheranbieter können ihre Infrastruktur optimieren, um diese Agenten mit den „Blackwell“-Grafikprozessoren, „Bluefield“-DPUs, „Spectrum-X“-Netzwerken von Nvidia und der Open-Source-Inferenzbibliothek „Nvidia Dynamo“ zu betreiben.
Diese Meldung folgt auf die Pure-Storage-Markteinführung von „Flashblade//EXA“, einer der leistungsstärksten Datenspeicherplattformen, die für die Anforderungen von KI und High-Performance-Computing entwickelt wurde. Außerdem hat der Hersteller erst kürzlich „Flashblade//S500“ mit „Nvidia DGX Superpod“ zertifiziert:
Zertifizierung als High-Performance-Storage-Plattform (HPS) für Cloud-Partner des Nvidia-Partner Network: Pure Storage ist jetzt offiziell HPS-zertifiziert für Nvidia Cloud Partner-Referenzarchitekturen mit „HGX“-Systemen, die „Nvidia B200“- oder „H200“-Grafikprozessoren verwenden.
Pure Storage in Prag
In Prag befindet sich ein Forschungs- und Entwicklungszentrum von Pure Storage. Das wurde im Jahr 2020 gegründet und feierte somit im Januar dieses Jahres sein fünfjähriges Bestehen. Es ist eines von drei solcher Zentren, das zweitgrößte, wie Paul Melmon (siehe: Abbildung 5), Leiter der Prager Niederlassung erläutert. Denn mittlerweile arbeiten hier mehr als 600 Personen für das Unternehmen - Durchschnittsalter 35, aus 50 Nationen, etwa die Hälfte spricht Tschechisch. Damit hat sich die Anzahl der Ingenieure seit 2020 versiebenfacht.
Attraktiv ist Prag durch die Nähe der Universitäten und die etwa im Vergleich zu Berlin, das auch einmal als Standort im Gespräch war, geringen Lebenshaltungskosten. Dass das auch für andere Ansiedlungen interessant ist, zeigt sich auch in der Menge an Bürogebäuden, die in Prag entstehen, viele davon haben Design- und Architekturpreise erhalten.
Nach Angaben des Standortleiters bewertet Pure Storage die Städte anhand von über 20 verschiedenen Kriterien, darunter die Größe des Talentpools und der Hochschulbildung, die Fähigkeit, Ingenieure von außerhalb der Stadt oder des Landes anzuziehen, die Kosten und das Potenzial auf dem lokalen Markt. „ Die Wahl fiel auf Prag, weil hier eine Fülle von Talenten zu finden ist, das Hochschulsystem gut ausgebaut ist und Fachkräfte aus ganz Europa in der Stadt arbeiten wollen.“
Die anderen Forschungs- und Entwicklungszentren befinden sich in Santa Clara, Kalifornien, und seit drei Jahren gibt es eines im indischen Bangalore. Wie Melmon betont, gibt es Know-how zu allen Pure-Storage-Produkten in allen Zentren, dennoch zeichnen sich die unterschiedlichen Standorte durch verschiedene Schwerpunkte aus. So liegt die Hardware-Entwicklung hauptsächlich im Aufgabenbereich der kalifornischen Kollegen, wenngleich es in Prag auch das so genannte Torture Testing gibt. Dabei geht es darum zu versuchen, das System kaputt zu bekommen.
Im Prager F&E-Zentrum entwickelte Innovationen
Melon sagt: „Das F&E-Zentrum trägt aber auch maßgeblich zur Wertschöpfung in allen Produktlinien von Pure Storage bei, insbesondere in den Bereichen Cloud Business und File Storage.“
Teilweise hier entwickelt und getestet wurde das System „Flashblade//S“, eine Plattform, die den Anforderungen unstrukturierter Daten und dem Wachstum moderner Anwendungen gerecht werden kann.
Ein Drittel der Entwicklungsarbeit für „Flasharray“ stammt ebenfalls aus Prag.
„Pure Protect//DRaaS“, ein Disaster Recovery as a Service (DRaaS)-System, wurde vollständig von dem Team in Prag entwickelt.
Außerdem war der Standort Prag direkt für die Entwicklung von Portworx Data Services verantwortlich, der branchenweit ersten Database-as-a-Service-Plattform für alle Kubernetes-Dienste. Ursprünglich war die Entwicklung von „Portworx“, ein hochverfügbarer softwaredefinierter Speicher, mit dem sich lokale persistente Speicher für containerisierte Datenbanken und andere zustandsabhängige Anwendungen verwalten lassen, zu 100 Prozent in Prag angesiedelt, wird aber mittlerweile in Bangalore weiterentwickelt. Anwender können mit dem Kubernetes-basierten System Daten zwischen Pods und über mehrere Zonen hinweg gemeinsam nutzen.
Rob Lee, CTO von Portworxs und laut Pau Melmon, die „klügste Person auf der Welt“ (siehe: Abbildung 11), ordnet die jüngsten Trends den Pure-Storage-Produkten zu: Künstliche Intelligenz, Hyperscale Storage und eine Enterprise-IT, die ihren Platz dazwischen findet.
Den größten Wandel derzeit macht die Adaption der Pure-Storage-Produkte an die Hyperscale-Welt (siehe: Abbildung 13) aus. Nach Angaben des CTO haben die vier Top-Hyperscaler die Flash-Technik im Einsatz. „Das erste Mal in der Storage-Geschichte“ haben sich vier Hyperscaler dafür entschieden, ihre Legacy Disk-Hardware durch ein einheitliches All-Flash-System zu ersetzen", so Lee. Zuletzt hatte sich Meta für Pure Storage entschieden, für die „Direct Flash Module“ (DFM) und die „Direct Flash Software“.
Gebaut wird damit Quad-Level-Cell-Flash. Das ist eine Speichertechnologie, die in modernen SSDs (Solid State Drives) zum Einsatz kommt. Entscheidend seien vor allem die Schreib- und Lesegeschwindigkeiten gewesen neben dem Fakt, dass es zu erheblichen Energie-Einsparungen kommen kann.
Pure Storage All-Flash-Systeme verbrauchen nach Lees Angaben bis zu 5 mal weniger Strom und bis zu 5 mal weniger Platz im Rack als SSD-basierte Systeme der Konkurrenz.
FlashArray//E und FlashBlade//E verbrauchten bis zu 86 Prozent weniger Energie als vergleichbare Produkte.
Auch die Pure Storage-Plattform sei extrem Energie-effizient, einfach zu verwalten, zuverlässig und leistungsfähig und ermögliche nachhaltige Ergebnisse für die Kunden.
Aus dem Enterprise-Business kommend, benötigten die Hyperscaler aber ein „Re-Packaging“, so Lee.
Foxconn Tschechien fertigt Pure Storage-Devices
Insbesondere für das Testen der Devices ist es laut Lee und Melmon ein Vorteil, dass sich die Produktion nicht weit weg befindet, etwa ein, bis eineinhalb Autostunden vom F&E-Zentrum entfernt. Die Produktion für Pure Storage bei Foxconn in Pardubice begann Anfang 2016. Seitdem wurde das Produktionsprogramm um die Standardproduktion von Pure Storage Flasharray, Pure Storage Flashblade und Elemente des Evergreen-Programms erweitert.
Die Produktion erfolgt nach ergangenem Auftrag und die Bestellungen werden vom Werk in Pardubice an Endkunden in der ganzen Welt ausgeliefert - rund 1 Drittel der Pure-Storage-Geräte. Das Werk beschäftigt insgesamt rund 4.500 Mitarbeiter, die auf rund 1 Million Quadratfuß, Devices zusammensetzen - in zwei Schichten an fünf Tagen pro Woche. Wenn das Material, das zu rund 99 Prozent nicht aus China stammt, per Flugzeug geliefert und in der Montage angekommen ist, etwa in zehn Tagen, bekommt ein Kunde seine Devices binnen sieben Tage. Produktion plus fünf Tage für Verpackung und Logistik. Sollte ein Auftrag die Kapazität überschreiten, würde ausgelagert. Die Fehlerquote in der Produktion liege in jedem Fall unter der Quote einer Anekdote, versichern Mitarbeiter vor Ort.
Bei Pure Storage und damit auch für Foxconn heißt es: Der wichtigste Beitrag und Einfluss im Bereich ESG besteht darin, dass den Kunden geholfen wird, ihre Ziele in Bezug auf die ökologische Nachhaltigkeit zu erreichen, indem Produkte entwickelt werden, die weniger Strom verbrauchen, weniger Platz einnehmen und den Elektroschrott reduzieren. Nach Pure-Storage-Angaben haben unabhängige Branchenuntersuchungen gezeigt, dass die Produkte mindestens dreimal weniger Elektroschrott erzeugen als die Technik von Mitbewerbern.
Aber auch Recycling ist für Foxconn sowie für Pure Storage ein wichtiger Bestandteil der Lieferkette. So gibt es spezielle Partnerfirmen auch in Tschechien, die das übernehmen. Laut Foxconn arbeitet die Fabrik in Pardubice mit 'zero emission'.