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Eine Programmiersprache entwickelt sich weiter COBOL lebt im 21. Jahrhundert weiter

| Autor / Redakteur: Mathias Mezger * / Ulrich Roderer

COBOL hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Die Programmiersprache lässt sich in modernen Entwicklungsumgebungen wie Eclipse oder Visual Studio einsetzen, und verfügt über alle Sprachelemente, die für die Integration in aktuelle Plattformen nötig sind. Unternehmen können COBOL damit sowohl in der Entwicklung als auch im produktiven Betrieb flexibel in offenen Systemen nutzen.

Sprachen, die zu nativem Code – Objekt-Code auf dem jeweiligen Betriebssystem – übersetzt werden, wie zum Beispiel C, können relativ einfach von COBOL aufgerufen werden oder selbst COBOL-Programme aufrufen.
Sprachen, die zu nativem Code – Objekt-Code auf dem jeweiligen Betriebssystem – übersetzt werden, wie zum Beispiel C, können relativ einfach von COBOL aufgerufen werden oder selbst COBOL-Programme aufrufen.
(Bild: Micro Fokus)

In der Softwareentwicklung stehen derzeit Themen wie Apps und Mashups oder Frameworks für mobile Systeme wie Titanium oder Rhodes im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Demgegenüber führt COBOL fast ein Schattendasein. Doch öffentliche Wahrnehmung und tatsächliche Bedeutung klaffen bei COBOL schon seit langem weit auseinander, denn nach wie vor ist COBOL eine der wichtigsten Programmiersprachen.

Transaktionsintensive Anwendungen mit vielen parallel arbeitenden Nutzern, wie sie in Banken, Versicherungen, in Industrie und Handel oder bei Buchungssystemen in der Touristik zum Einsatz kommen, sind heute wie vor dreißig Jahren in COBOL programmiert.

Dementsprechend ist der Bestand an COBOL-Applikationen weiterhin immens; er wird auf weltweit mehr als 220 Milliarden Code-Zeilen geschätzt. Diese Basis sichert COBOL eine langfristige Zukunft, große Unternehmen sehen in COBOL weiterhin eine wichtige Säule für Geschäftsanwendungen, die sie in ihren langfristigen Planungen berücksichtigen. Ein Abkehr von COBOL würde jedenfalls einen enormen Aufwand bedeuten und die Risiken, die mit zwangsläufig jedem neuen Softwareprojekt verbunden sind, wären unüberschaubar. Zudem sind die mit COBOL erstellten Anwendungen ausgetestet und langjährig bewährt, und sie sind hinsichtlich Stabilität, Performance und Verfügbarkeit nicht so leicht zu übertreffen.

COBOL im Generationswechsel

Natürlich entwickelt sich auch COBOL weiter. Dass diese Sprache über einen so langen Zeitraum eine führende Position in der Softwareentwicklung halten konnte, liegt nicht zuletzt daran, dass sie sich stets als außerordentlich flexibel gegenüber aktuellen Entwicklungen erwiesen hat und dass sie ständig an aktuelle Technologien angepasst wurde.

Bei dieser ständigen Weiterentwicklung macht sich seit einigen Jahren ein Faktor verstärkt geltend: In der Softwareentwicklung für die "großen" Systeme hat ein umfassender personeller Generationswechsel begonnen. Viele erfahrene COBOL-Entwickler, die in den 70er- und 80er-Jahren auf den damals üblichen Hostsystemen ihr Handwerk gelernt haben, sind bereits aus dem Berufsleben ausgeschieden und die verbliebenen werden in absehbarer Zeit folgen. Die nachrückende Generation von Softwareentwicklern kommt aus einer ganz anderen Welt, sie ist an andere Prozesse, Methoden und Werkzeuge gewöhnt.

Diese neue Entwicklergeneration auf eine klassische Entwicklungsumgebung für Mainframes mit Green-Screen und ohne Maus zu zwingen, kann keine Perspektive sein; gerade die kreativen Köpfe ließen sich so nur schwer an ein Unternehmen binden. Diese Entwickler wollen, ob Host oder nicht, mit modernen IDEs wie Eclipse oder Visual Studio arbeiten. Dabei geht es nicht einfach um persönliche Vorlieben oder Aversionen: Diese Entwickler arbeiten mit ihren vertrauten Tools und Methoden deutlich produktiver.

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