Eine Programmiersprache entwickelt sich weiter

COBOL lebt im 21. Jahrhundert weiter

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Verbunden mit Frameworks

Das heutige COBOL spiegelt diese Entwicklung schon in seiner eigenen Ausgestaltung wider. So hat Visual COBOL von Micro Focus die Einbindung von Code in die Manged-Welt sehr stark vereinfacht, indem es dem Entwickler bereits eine passende Syntax dafür zur Verfügung stellt (vgl. Code-Beispiel). Modernes COBOL verzichtet auf unnötigen Ballast und implementiert die Syntax-Notationen der modernen Programmiersprache. Formal steht COBOL daher heute mit C# und Java auf einer Stufe.

Durch solche Erweiterungen der COBOL-Sprache können nun Anwendungen gebaut werden, die aus vorhandenen COBOL-Geschäftsprozessen und einer C#- oder Java-Oberfläche bestehen und in einer gemeinsamen Laufzeitumgebung wie JVM oder .NET genutzt werden können. Damit lassen sich Altsysteme, nach einer Migration, mit ihrem hohen COBOL-Anteil in den Geschäftsprozessen in die Zukunft übernehmen und gleichzeitig modernisieren. Auf dieser Basis ist es dann auch problemlos möglich neue Plattformen etwa der mobilen Systeme oder des Cloud Computing mit in COBOL geschriebener Geschäftslogik zu versorgen.

Angesichts umfassender Integration in andere Technologien stellt sich natürlich die Frage, weshalb Unternehmen überhaupt noch an COBOL festhalten sollten, beziehungsweise ob dann nicht gleich ein kompletter Wechsel auf diese neuen Technologien erfolgen sollte – also der mitunter geforderte "saubere" Schnitt.

Effizienz der Tools

Aus Sicht des Entwicklers ist es, wie ausgeführt, tatsächlich weitgehend egal, ob er Anwendungen erstellt, die am Ende als COBOL- oder etwa als Java-Programme ausgeführt werden. Für Entwickler unterscheiden sich die Arbeitsweisen und Werkzeuge nur wenig, so dass der Umstellungsaufwand überschaubar bleiben würde. Hier ist jedoch an den vorhandenen Bestand an Anwendungscode und die darin enthaltenen Werte zu erinnern. Durch die Verwendung von COBOL innerhalb einer Entwicklungsumgebung wie Eclipse oder Visual Studio ersparen sich Unternehmen nicht weniger als das komplette Re-Write ihrer geschäftskritischen Anwendungen mit all seinen Risiken und Kosten. Sie können stattdessen eine evolutionäre Modernisierung einleiten, die den Modernisierungsbedarf des Business stärker in den Vordergrund stellt ohne gleichzeitige risiko-reiche Projekte zur Neuentwicklung zu starten. Wenn Anwendungen in kritischen Teilen auf einer erprobten COBOL-Logik basieren, wird das Gesamtrisiko der Bereitstellung neuer Anwendungen geringer. Software-Projekte können dann nicht nur mit weniger Aufwand durchgeführt, sondern insbesondere schneller abgeschlossen werden. Diesen Mehrwert bietet COBOL seinen Anwendern exklusiv.

* Mathias Mezger ist Senior Solution Architect bei Micro Focus in München

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