Cargo Cult Programming ist ein problematischer Programmierstil, bei dem Code nur benutzt wird, weil er an anderen Stellen funktioniert hat. Ein Verständnis für das, was intern vor sich geht, ist dabei nicht vorhanden.
Zeremonielles Kreuz des „John Frum Cargo Cult“, auf der Insel Tanna im heutigen Vanuatu.
Cargo Cult Programming ist ein Phänomen, bei dem Developer Code oder Praktiken verwenden, ohne diese zu verstehen. Sie wissen nur, dass die Vorgehensweise auch an einer anderen Stelle erfolgreich war, und wenden sie deshalb ritualisiert wieder und wieder an.
Das Verständnis der zugrunde liegenden Prinzipien, technischen Details und internen Vorgänge geht den Anwendenden ab. Cargo Cult Programming wird oft als Anti-Pattern bezeichnet, also als ein wiederkehrendes Verhaltensmuster, welches oberflächlich betrachtet sinnvoll erscheinen könnte, aber in Wahrheit ineffizient, fehleranfällig oder unangebracht ist.
Was ist ein Cargo Cult?
Der Begriff „Cargo Cult“ stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Verschiedene Nationen bauten im Pazifikraum strategische Stützpunkte auf und belieferten diese per Flugzeug mit wertvollen Gütern. Die Ureinwohner melanesischer Inseln hatten bis dahin kaum Kontakt mit Technologie. Ihnen fehlte das Verständnis dafür, was ein Flugzeug ist, wie es funktioniert und warum es Güter abwirft oder mit Fracht beladen landet.
Infolgedessen entstand ein Kult um westliche Frachtgüter – der sogenannte Cargo Cult. Nachdem die Stützpunkte aufgegeben wurden und keine neuen Lieferungen mehr eintrafen, begannen die Indigenen damit, rituell Dinge wie Landebahnen, Tower oder Flugzeuge nachzubauen, um das Eintreffen neuer Güter zu beschwören.
Cargo Cult Programming beschreibt demnach eine Verhaltensweise unter Entwicklerinnen und Entwickler, die ähnlich unbewandert an ein Problem herangehen. Sie übernehmen andere Code-Stellen aus einem Projekt, kopieren Beispiele oder nutzen Programmstrukturen, ohne zu verstehen, was passiert.
Beispiele für Cargo Cult Programming
Kopieren, ohne zu verstehen: Entwickler übernehmen Beispiele 1:1, ohne zu wissen, warum der Lösungsweg gewählt wurde und weshalb er funktioniert, z. B. Vorschläge aus Foren.
Kopieren, ohne anzupassen: Entwickler übernehmen Standardlösungen aus Dokumentationen oder Fachliteratur, ohne diese für den aktuellen Fall anzupassen.
Blinder Einsatz von immer gleichen Mitteln: Entwickler nutzen immer die gleichen Muster oder Frameworks mit der Vorstellung, dass diese notwendig sind, weil sie auch in anderen Situationen erfolgreich waren.
Überflüssiger Code: Entwickler fügen Code ein, der zum Lösen des Problems nicht notwendig ist. Weil der Code auf exakt diese Art in einem anderen Projekt mit zusätzlichen Anforderungen erfolgreich benutzt wurde, wird er als Teil der Lösung wahrgenommen, z. B. Optimierungsmaßnahmen oder Zusatzfunktionen.
Cargo Culting entsteht aus der Hoffnung heraus, dass das Kopieren oder Imitieren zu einem ebenso erfolgreichen Ergebnis führt wie in der Vorlage. Auch wenn das hin und wieder durch Zufall funktionieren kann, entstehen durch Cargo Cult Programming in der Regel eher Probleme statt Lösungen.
Welche Probleme können durch Cargo Cult Programming entstehen?
Cargo Cult Programming kann also zu ineffizientem oder fehlerhaftem Code führen. Mögliche Folgen sind:
schlechte Qualität durch ineffizienten, falschen, unsicheren oder schlecht wartbaren Code
schwere Fehler durch unerkannte Wechselwirkungen des falschen Codes
mangelhafte Ergebnisse durch bloßes Übernehmen ohne Anpassung an die aktuellen Erfordernisse
schwere Kommunikation mit anderen Entwicklern oder Teams durch fehlendes Verständnis des Codes
hohe Komplexität durch unnötigen Code
Diese Probleme führen in der Regel zum Aufbau technischer Schulden. Es entsteht Code, der später kaum noch nachvollziehbar ist, weil die angewandten Strukturen keinen Sinn ergeben. Gleichzeitig können ernste Probleme wie Sicherheitslücken, schlechte Performance oder fachlich falsche Funktionen entstehen, die unter erheblichem zeitlichen Aufwand behoben werden müssen.
Warum passiert Cargo Cult Programming?
Mangelndes Verständnis wurde bereits erwähnt. Das kann an mangelhaftem Wissen über einzelne Technologien liegen, aber auch eine Frage von fehlender Erfahrung im Allgemeinen sein, z. B. bei Berufsanfängern. Ein ähnlicher Grund liegt in Technologien, die gerade einen großen Hype erfahren. Großer Zeitdruck führt allgemein dazu, dass Abkürzungen wie das blinde Kopieren vorhandenen Codes gesucht werden. Wenn dann noch eine neue angesagte Technologie schneller als bei der Konkurrenz integriert werden soll, bleibt wenig Zeit dafür, die Grundlagen vollständig zu erlernen.
Wie kann man Entwicklern helfen, Cargo Cult Programming zu vermieden?
Cargo Cult Programming ist fast immer ein Resultat von fehlender Erfahrung oder fehlendem Wissen. Das sind Lücken, die durch Weiterbildung und Übung geschlossen werden können. In Teams kann hin und wieder gemeinsam über Probleme diskutiert werden, damit alle beteiligten die Chance haben, Lösungen zu verstehen und Fragen zum richtigen Zeitpunkt anzubringen. Auch kann untersucht werden, ob aktuell zu großer Zeitdruck herrscht, der zu unsauberen Lösungen ermutigt. Code-Reviews durch andere Teammitglieder helfen dabei, fragwürdigen Code schneller aufzudecken und zu verbessern.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Fazit
Cargo Cult Programming zeigt, wie problematisch es werden kann, wenn Entwicklern belastbares Grundwissen über Technologien und Programmierung fehlt. Lösungsansätze nur deshalb anzuwenden, weil die exakt gleiche Vorgehensweise an anderer Stelle funktioniert hat, kann ein deutlicher Hinweis darauf sein, dass der Entwickler nicht versteht, was passiert.
Treten solche Fälle auf, können Maßnahmen wie Weiterbildung oder Teamarbeit helfen, das Problem in den Griff zu bekommen. Wird das Problem nicht behandelt, kommt es immer wieder dazu, dass durch Cargo Cult Programming technische Schulden und Fehler entstehen, die von anderen Entwicklern ausgeglichen werden müssen.