Andy Jassy, der CEO von Amazon Web Services hat auf der Online-Kundenkonferenz „AWS re:Invent 2020“ fünf neue „EC2“-Instanzen sowie zwei neue „Outpost“-Appliances und weitere „Local Zones“ in den USA angekündigt. Auffällig ist die engere Partnerschaft mit Apple.
Peter de Santis, Vice President bei AWS für die globale Infrastruktur zuständig, erklärt auf seiner Keynote, welche Leistungssteigerung die neue „c6.large“-Instanz gegenüber der bisherigen „c5.large“-Instanz – beide sind mit „Graviton2“ ausgestattet - bedeutet.
(Bild: AWS)
Am Vorabend der re:invent hat AWS neue EC2-Instanzen aufMac Mini-Hardware angekündigt. Das Angebot richtet sich an Entwickler, die Apps für Mac wie auch die anderen Plattformen (iPhone, iPad, AppleTV, Safari, Apple Watch) entwickeln, bauen und testen wollen, Diese arbeiten in der Regel auf dem Mac und erstellen die Software dort, kompilieren sie dann für die jeweiligen Betriebssystems (iPadOS, iOS). Die Mac-Instanzen, die auf Mac-Mini-Computern laufen, sollen vor allem Apple-Entwickler in die Lage versetzen, erstmals MacOS-Workloads in der AWS-Cloud auszuführen und von deren Vorteilen zu profitieren. Sie können MacOS-Umgebungen binnen Sekunden provisionieren, nutzen und beliebig skalieren.
Die EC2-Instanzen basieren auf Mac Minis „Intel Core7“-CPUs (12 logische Kerne, 32 GB RAM, 4,6Gigahertz im Turbomodus) sowie auf dem „AWS Nitro“-System. Dieses System, das zwischen Hardware und dem Hypervisor „KVM“ operiert, stellt durch Hochgeschwindigkeitsverbindungen bis zu 10 Gigabit pro Sekunde (Gbps) Netzwerkbandbreite und 8 Gbps EBS-Speicherbandbreite bereit.
„Die Entwickler in Unternehmen sind die Gewinner in dieser Partnerschaft", kommentiert Nick McQuire, SVP and Head of Enterprise and AI Research bei CCS Insight. „Entwickler verwenden häufig Macs als bevorzugte Plattform, um Anwendungen zu erstellen, und nun können sie das Entwickeln und Testen in der AWS-Cloud erledigen.“
Diese verbessere einerseits die Produktions- und Kosteneffizienz sowie die Datensicherheit, aber auch die Ausschöpfung des Potentials von 5G-Fähigkeiten, denn sowohl AWS als auch Apple seien Pioniere in diesem Markt. Mobile Applikationen wie VR, Augmented Reality, Edge Computing und Streaming-Dienste könnten nach MCQuires Ansicht sehr von dieser Partnerschaft profitieren.
Das Gehäuse eines „Graviton2“-SoC-Chips.
(Bild: Amazon)
C6gn-Instanzen
Die neuen „C6gn“-Instanzen basieren auf „Graviton2“-ARM-Prozessoren mit 64 vCPUs und Nitro, die über 100 Gbps-Netzwerkbandbreite liefern und ein um rund 40 Prozent besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten sollen als die „C5“-Vorgängerversion, die auf x86-Chips basierte. Diese Instanzen sind für Netzwerkleistung optimiert: vier Mal mehr als c6g bei einer doppelt so großen Storage-Bandbreite (38 Gbps für EBS). Das bietet Potential für die Konsolidierung bisheriger Instanzen und von Workloads, aber auch für HPC-Anwendungen. C6gn-Instanzen sollen in acht Größen noch im Dezember verfügbar werden.
G4ad-GPU-Instanzen
Die „G4ad“-Instanzen nutzen „AMD-Radeon“-GPUs und -„Epyc“-CPUs, um den Kunden das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für grafikintensive Anwendungen in der Cloud zu bieten. Es soll 45 Prozent günstiger sein die G4dn-Instanzen, die die Kunden derzeit nutzen.
G4dn-Instanzen, die mit Nvidia-GPUs und Intel-CPUs arbeiten, werden für Anwendungen wie VDI oder Game-Streaming genutzt. G4ad bieten bis zu 2,4 Terabyte an lokalem NVMe-Speicher. Damit sollen Kunden photorealistische und hochauflösende 3D-Inhalte für Filme, Spiele und AR/VR-Erlebnisse erstellen können. G4ad-Instanzen gibt es im Dezember in drei Größen mit jeweils 1, 2 oder 4 GPUs geben.
M5zn-Instanzen
Die neuen „M5zn“-Instanzen stellen die Rechenleistung der noch aktuellen „Cascade-Lake“-Generation der „Intel-Xeon“-CPUs zur Verfügung. Gegenüber den bisherigen M5-Instanzen für EC2 sollen sie bis zu 45 Prozent bessere Performance pro Kern bieten. Das erlaubt Potential zur Konsolidierung bisherigen Instanzen und Workloads.
Gegenüber den „z1d-EC2“-Instanzen sollen sie nach dem Wunsch der Kunden eine Balance aus höherer Rechenleistung, weniger RAM und höherer Netzwerkbandbreite liefern. Die Turbofrequenz der Xeon-CPUs liegt bei 4,5 GHz, es stehen 4 Gibibyte Speicher pro vCPU zur Verfügung, die Netzwerkbandbreite liegt bei 100 Gbps – verpackt in sieben T-Shirt-Größen, wobei die maximale Größe 48 vCPUs und 192 GiB Speicher bietet.
D3-Instanzen
AWS stellte auch zwei neue EC2-Instanzen für Storage-Zwecke vor. Hintergrund ist, dass Storage und Compute vielfach Hand in Hand gehen, um Workloads zu verarbeiten.
Die D3/D3en-Instanzen basieren nicht auf SSDs, sondern auf Festplatten, was hohe sequenzielle Lese- und Schreibperformance bei geringen Kosten ermöglichen. Einsatzbereiche für D3/D3en sind Data Warehouses, verteilte File-Systeme, Netzwerk-Files-Ssteme sowie Streaming- und Logfile-Daten verarbeitende Applikationen.
Stand: 08.12.2025
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Die Kunden haben höhere Leistung verlangt. D3-Instanzen liefern bis zu 30 Prozent höhere Verarbeitungsleistung und eine bis zu 2,5 Mal höhere Netzwerkleistung als „D2“-Instanzen. D3 basiert auf Intels Cascade-Lake-Xeon-CPUs und bieten bis zu 48 Terabyte Speicherkapazität, 32vCPU, 256 GiB RAM und 25 Gbps Netzwerkbandbreite.
Die D3en-Instanzen sind noch leistungsfähiger. Sie bieten bis zu 336 Terabyte Gesamtspeicher (7 Mal mehr als D2), 75 Gbps Netzwerkbandbreite (7,5 Mal mehr als D2) und bis zu 6,2 GiB/s Datendurchsatz pro Disk, doppelt so viel wie D2. D3en sollen eine Senkung der Kosten-pro-TByte um bis zu 80 Prozent gegenüber D2-Instanzen erlauben. Damit könnten Kunden File Storage Cluster im Petabyte-Bereich aufbauen, um auf diese Weise ihre analytischen Big Data Workloads zu konsolidieren.
Neue R5b-Instanzen
AWS stellte die neuen „R5b“-Instanzen vor, die für Anwendungen mit hohem Hauptspeicherbedarf optimiert und für hohe EBS-Leistung erweitert worden sind. Sie sollen die höchste EBS-Leistung liefern, die auf EC2 erhältlich ist.
Die neue EC2 R5b Instanz soll Höchstleistungen ermöglichen.
(Bild: AWS)
Bis zu 60 Gbps dedizierte Bandbreite für EBS-Laufwerke und bis zu 260.000 IOPS soll diese Instanzen anspruchsvolle Datenbank-Workloads prädestinieren. Bislang haben R5-Instanzen und EBS in vielen Anwendungsfällen kooperiert, etwa bei Datenbanken-Workloads wie E-Commerce-Plattformen, ERP-Applikationen und Gesundheitsakten. Relationale Datenbanken wie Oracle, SQL Server oder SAP HANA sind jedoch mitunter anspruchsvoller, was Storage angeht.
Die Nutzer müssen dafür ihre Lizenzrechte hinsichtlich Datenbanken und Infrastruktur in die Höhe schrauben, und das ist teuer. Gleichzeitig müssen sie die Auslastung von Rechenleistung und Memory-Nutzung senken, was nicht gerade optimal ist. R5b biete ihnen die dreifache Leistung (s.o.) einer gleich großen R5-Instanz.
R5b-Instanzen unterstützen zudem die neuen io2 Block Express-Laufwerke von EBS (siehe oben), mit denen sie Storage-intensive Workloads konsolidieren können. Genau dann spielen die Volumes ihre Stärken richtig aus, so Michael Hanisch, Head of Technology bei AWS in Deutschland. Und weiter: „Unser 'SAN für die Cloud' bietet Kunden mit bis zu 60 Gbps dedizierter Storage-Bandbreite eine hohe Leistung und gleichzeitig die gewohnte Flexibilität von EBS.“
Peter de Santis erklärte auf seiner Keynote, wie sich das Preis-Leistungs-Verhältnis zwischen einer „M5“-Instanz und einer „M6g“-Instanz verbessert. G steht für „Graviton2“-Chip. Dieser SoC-Chip verhilft den Instanzen zu deutlich besserer Leistung, bei geringerem Stromverbrauch.
(Bild: AWS/Matzer)
Natürlich können auch bestehende EC2-Kunden mit Workloads, die stark von Storage-Performance abhängig sind, auf R5b umsteigen: auf weniger oder auf kleinere Instanzen. Das erlaubt ihnen Lizenz- und Infrastrukturkosten zu senken. R5b-Instanzen werden von Amazon RDS for Oracle und RDS for SQL Server unterstützt.
SAP HANA fehlt in dieser Liste. Auch für SAP HANA sind die neuen Instanztypen bereits zertifiziert. Diese Instanzen sind mittlerweile in Frankfurt am Main verfügbar.
Outposts
Zwei neue Größen für AWS Outposts Appliances richten sich an Kunden mit begrenztem Platz in ihrem Rechenzentrum, ihrem Serverraum, sei es in einer Filiale, Kliniken, Funktürme oder Läden. Denn sie sind nur 1U bezeihungsweise 2U im Server-Rack hoch.
Im Vergleich zum 42U-Rack-Outposts verbrauchen diese "Pizza-Boxen" weniger Strom und Netzwerkbandbreite. Sie bieten 64 vCPUs, 128 GiB Speicher und 4 Tbyte lokalen NVMe-Speicherplatz beziehungsweise das jeweils Doppelte in der 2U-Einheit, mit Platz für den Inferentia-Chip und für GPUs.
Der hauptsächliche Vorteil liegt in der Bereitstellung von AWS-Diensten wie EC2, „ECS/EKS“ und „VPC“ vor Ort. AWS patcht und überwacht diese Appliances automatisch, was dem Kunden Geld, Zeit und geschultes Personal spart. AWS verwaltet Outposts wie eine AWS Region, was eine Hybrid Cloud bildet. Die zwei neuen Outpost-Einheiten sollen nächstes Jahr verfügbar werden.
„Mit den zwei kleineren Outpost-Einheiten erweitert AWS seine breit angelegte Erweiterung seines Compute-Portfolios“, sagt Rick Villars, Group Vice President Worldwide Research beim Marktforschungsunternehmen IDC." Die neuen ECS/EKS Anywhere-Angebote erleichtern es, den Container Management Service auf entfernte Hardware auszudehnen, ebenso wie AWS Wavelength und AWS Local Zones."
Durch den kleineren Formfaktor ließen sich diese gemeinsamen Infrastrukturkomponenten jenseits von Cloud- und Unternehmens-Rechenzentren nutzen, etwa in Local Zones. AWS und seine ISV-Partner können so ihre Services bis in Lebens-, Arbeits- und Wohnbereiche ausweiten. "Die primären Käufer werden indes DevOps-Teams sein, die diese Plattformen nutzen wollen, um digital aufgewertete Kundenerlebnisse und Geschäftstätigkeiten als Dienste am eigenen Edge wie auch am Edge ihrer Kundschaft anzubieten."
Local Zones
Für Niederlassungen deutscher Unternehmen in den USA dürfte interessant sein, dass AWS drei neue AWS Local Zone-Standorte (Houston, Boston und Miami ) anbietet und darüber hinaus Pläne für zusätzliche US-Standorte im Jahr 2021 (Atlanta, Chicago, Dallas, Denver, Kansas City, Las Vegas, Minneapolis, New York, Philadelphia, Phoenix, Portland/OR und Seattle) bekanntgegeben hat. Local Zones ermöglichen sehr niedrige Latenzzeiten.