Suchen

Homeoffice, Kurzarbeit und Betriebsschließungen Alles paletti? Wie trifft die Pandemie die deutsche ITK-Branche?

Redakteur: Ulrike Ostler

Der Bitkom-IFO-Digitalindex gibt Auskunft über das aktuelle Geschäftsklima der ITK-Branche. Hier steht doch alles zum Besten, pusht die Corona-Pandemie weltweit doch die Digitalisierung, oder? Wie die Unternehmen tatsächlich reagieren und welche Erwartungen sie haben, zeigen die Befragung, die vom Branchenverband Bitkom zwischen dem 17. und 22. März initiiert wurde, und der Digital-Index.

Firmen zum Thema

Absturz: Der Bitkom-IFO-Digital-Index für März 2020 verrät nichts Gutes.
Absturz: Der Bitkom-IFO-Digital-Index für März 2020 verrät nichts Gutes.
(Bild: Bitkom/IFO)

Bei der Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverband Bitkom durchgeführt hat, wurden 235 Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche sowie Unternehmen in sich digitalisierenden Branchen online befragt, darunter jeweils Mitglieder sowie Nicht-Mitglieder des Bitkom e. V.

Demnach bestätigt sich, dass unter dem Eindruck der Corona-Krise flexibles Arbeiten zum Standard wird. Neun von zehn Unternehmen (89 Prozent) der Digitalwirtschaft empfehlen ihren Mitarbeitern, im Homeoffice zu arbeiten. Zwei Drittel (64 Prozent) haben das sogar angeordnet.

Demnach ist es nach Einschätzung der befragten Unternehmen für durchschnittlich 86 Prozent der Mitarbeiter möglich, ihre Tätigkeit im Homeoffice auszuüben. Für den unternehmensinternen Austausch greift man auf digitale Technologien zurück. Bei 95 Prozent der Unternehmen werden Präsenztreffen durch Video-Konferenzen ersetzt.

Doch für einen Teil stellt sich mit der Corona-Krise die Existenzfrage. 5 Prozent der evaluierten Unternehmen haben Betriebsschließungen beschlossen, weitere 10 Prozent diskutieren darüber. 7 Prozent haben die Arbeitszeit verkürzt beziehungsweise Kurzarbeit eingeführt, weitere 34 Prozent erwägen dies.

Aktuelle Herausforderungen laut Umfrage

Jeweils sechs von zehn der befragten Unternehmen berichten von einer großen Verunsicherung ihrer Kunden (61 Prozent) und von zurückgestellten Aufträgen (60 Prozent). Jede vierte Firma (23 Prozent) hat heute mit Auftragsstornierungen zu kämpfen. Jedes zweite befragte Unternehmen (49 Prozent) hat angesichts der Krise seinerseits Investitionsentscheidungen zurückgestellt, bei jedem Fünften (20 Prozent) wurde die Produktion eingeschränkt.

Das liegt auch an unterbrochenen Lieferketten. Betroffen sind insbesondere Unternehmen, die Geschäftskontakte nach China unterhalten. 8 von 10 dieser Unternehmen berichten von eingestellten oder beeinträchtigten Zulieferungen aus China. Doch auch innerhalb Europas (48 Prozent) und Deutschlands (40 Prozent) kommt es infolge von Grenzschließungen und anderen Beschränkungen zu Lieferproblemen und Lieferstopps für die darauf angewiesenen Unternehmen.

Bitkom Research fragte im März nach den Auswirkungen für das eigene Unternehmen: „Welche der folgenden Aussagen treffen mit Blick auf die Ausbreitung und die Auswirkungen des Corona-Virus auf Ihr Unternehmen zu?“ (Basis: alle Befragten/rundungsbedingte Abweichungen von 100 Prozent möglich)
Bitkom Research fragte im März nach den Auswirkungen für das eigene Unternehmen: „Welche der folgenden Aussagen treffen mit Blick auf die Ausbreitung und die Auswirkungen des Corona-Virus auf Ihr Unternehmen zu?“ (Basis: alle Befragten/rundungsbedingte Abweichungen von 100 Prozent möglich)
(Bild: Bitkom Research)

Der Blick in die nähere Zukunft ist wenig optimistisch. Nahezu alle befragten Unternehmen (94 Prozent) erwarten eine weitere Zuspitzung der Wirtschaftskrise. 92 Prozent rechnen mit einer weltweiten Rezession.

Die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung im Jahr 2020 sind entsprechend stark getrübt. Für die Gesamtwirtschaft erwarten die befragten Unternehmen zu 97 Prozent negative Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt und zu 92 Prozent einen Rückschlag für den Arbeitsmarkt.

Auch für die Branche selbst wird mehrheitlich von negativen Auswirkungen auf Umsatz (65 Prozent) und Beschäftigung (47 Prozent) ausgegangen. Acht von zehn der befragten Unternehmen (79 Prozent) rechnen mit negativen Auswirkungen auf ihr eigenes Geschäftsergebnis im Jahr 2020. Vier von zehn (37 Prozent) befürchten negative Auswirkungen auf die Beschäftigung im eigenen Unternehmen, 55 Prozent erwarten keinen Einfluss darauf.

Das Geschäftsklima in der Digitalbranche

Der Digitalindex basiert auf der monatlichen IFO- Konjunkturumfrage und bildet sich aus dem geometrischen Mittel des Index der Geschäftslage und des Index der Geschäftserwartungen. Berücksichtigt werden Daten der Digitalbranche, die sich aus Unternehmen der Sektoren Verarbeitendes Gewerbe, Handel und Dienstleistungssektor zusammensetzt. Dazu zählen Hersteller von IT und Kommunikationstechnik, Unterhaltungselektronik, Anbieter von Software und IT-Dienstleistungen, Telekommunikationsdiensten sowie der Groß- und Einzelhandel mit ITK.

Der Index wird als Saldo dargestellt. Gewichtet wird nach Anzahl der Beschäftigten. Die Angaben für die Tourismusbranche und das Gastgewerbe stammen aus einer Zwischenauswertung der Konjunkturumfrage von Mitte März.

Wie auch der Index bestätigt hat sich das Geschäftsklima in der Digitalbranche hat sich das Geschäftsklima unter dem Eindruck der Corona-Krise im März stark eingetrübt. Von den negativen Folgen sind in der Digitalbranche vor allem Industrie und Handel betroffen. Jedes dritte Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche (31 Prozent) verzeichnete im März einen Nachfragerückgang.

Doch es trifft nicht alle gleichermaßen. Während 55 Prozent der Unternehmen negative Folgen der Corona-Krise feststellten, berichteten 43 Prozent davon, dass die Pandemie keine Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit habe. 3 Prozent bemerkten gar einen positiven Effekt.

So notiert der Bitkom-IFO-Digitalindex, der sich aus der Einschätzung von Geschäftslage und Geschäftserwartung berechnet, aktuell noch bei 0,6 Punkten – nach 24,6 Punkten im Februar. Das ist der niedrigste Wert seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2009.

Eine Mehrheit der Unternehmen rechnet für die kommenden sechs Monate mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage, der Saldo der Erwartungen ging um 30,9 auf -18,4 Punkte zurück. Das ist der stärkste Rückgang innerhalb eines Monats seit der erstmaligen Erhebung im Jahr 2006. Die aktuelle Geschäftslage wird dagegen immer noch mehrheitlich positiv eingeschätzt, auch wenn sie mit 21,6 Punkten um 15,7 Punkte unter dem Februar-Wert liegt.

Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft erlebte die Stimmung im März einen außerordentlichen Einbruch. Das ifo Geschäftsklima drehte ins Minus und stürzte auf -11,8 Punkte ab. Bekanntermaßen sind die Tourismusbranche (96 Prozent), Gastgewerbe (79 Prozent) und Industrie (68 Prozent) besonders stark von negativen Auswirkungen der Corona-Krise betroffen.

(ID:46499437)