Christoph Streit erläutert, wie Scale-Up sein erstes eigenes Datacenter in Fürth mit PUE-Werten von 1,2 betreibt. Zentral dafür: Cool Walls, konsequente Kaltgangeinhausung und nahezu alljährig freie Kühlung. Nicht minder entscheidend: eine deutlich effizientere Hardware nach Blaupausen des Open Compute Project.
Das erste eigene Datacenter von Scale-Up Technologies in Fürth operiert mit einem PUE-Wert von 1,2.
(Bild: Scale-Up Technologies)
Der Cloud-Hosting- und Co-Location-Anbieter Scale-Up Technologies kann auf Datacenter-Standorte in Hamburg, Berlin und Düsseldorf zählen. Doch der im Mai 2025 in Fürth eröffnete achte Standort mit einer möglichen Gesamtkapazität von 5,5 Megawatt gleicht nicht den anderen. Es ist das erste unternehmenseigene Rechenzentrum von Scale-Up.
Neben Herausforderungen bedeutete der Schritt auch ganz neue Möglichkeiten bei der Gestaltung eines effizienteren, nachhaltigeren und optimierten Rechenzentrums. Wie Scale-Up diese Möglichkeiten genutzt hat, erläutert der Gründer und Geschäftsführer Christoph Streit im Gespräch mit DataCenter-Insider.
Scale-Up CEO Christoph Streit und Ulrike Ostler bei der Aufnahme des Podcasts #50: „Scale-Up hat nun ein eigenes Rechenzentrum in Fürth und setzt auf das Open Compute Project“.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
In der Folge #50 der DataCenter Diaries: „Scale-Up hat nun ein eigenes Rechenzentrum in Fürth und setzt auf das Open Compute Project“ diskutieren Scale-Up-CEO Christoph Streit und DataCenter-Insider-Chefredakteurin Ulrike Ostler im Detail, wie das Projekt in Fürth Wege zu nachhaltigeren und Energie-effizienteren Rechenzentren aufzeigen kann. Zudem erläutert Streit die Aktivitäten, mit denen Scale-Up die Adoptionsrate von Spezifikationen des Open Compute Project steigern will.
Weitere Highlights:
Herausforderungen des steigenden Strombedarfs
Deutschlands Chancen im Ausbau der KI-Infrastruktur
Große Unterschiede bei Kundenanforderungen und IT-Lasten
Sovereign Cloud und Gaia-X
Direct-to-Chip- und Immersionskühlung
Die „OCP Experience Center“ von ScaleUp in Fürth und Berlin
Unterschiede im Datacenter-Design bei Erweiterungen im Vergleich zur Umrüstung von Bestandsrechenzentren
Es braucht viele Player, um Hyperscaler-Alternativen aufzubauen
Als „eher norddeutsches Unternehmen“ ist Scale-Up ein Neuling in der Metropolregion Nürnberg. Diese kann dabei bereits ein breites Angebot an Co-Location-Angeboten vorweisen. In und um Nürnberg sind so bereits Datacenter von Hetzner und NorthC sowie gleich vier Rechenzentren von Noris Network ansässig.
Dies als Zeichen einer Wettbewerbsverschärfung zu deuten, will der Scale-Up-CEO aber auf keinen Fall. „Aus meiner Sicht gibt es immer Platz für mehrere Player am Markt und wir versuchen mit unseren Mitbewerbern eher gemeinschaftlich oder partnerschaftlich umzugehen.“ Das habe auch das Eröffnungs-Event am 15. Mai 2025 gezeigt, zu dem auch der eine oder andere Mitbewerber eingeladen war. Viel eher brauche es gerade eine Zusammenarbeit von lokalen Betreibern, um Kunden von Hyperscalern, die „unsere größte Konkurrenz sind“, „gute Alternativen bieten“ zu können, so Streit.
PUE-Wert von 1,2 im Bestandsrechenzentrum
Christoph Streit, Geschäftsführer und Gründer von Scale-Up, bei der Eröffnung des Rechenzentrums in Fürth.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
Diese Alternativen will Scale-Up auch im dem Datacenter-Design verkörpern. Zwar miete der Hoster und Co-Location-Anbieter auch weiterhin aktiv Infrastrukturen, oft „ganze Hallen, wo wir autark agieren“. Doch habe das Unternehmen erkannt, dass „es Dinge gibt, die man in einer Situation als Mieter nicht so bekommt, wie man es auch zu Hause hat“. Mit einem eigenen Rechenzentrum hingegen könne Scale-Up viel eher „als Gesamtunternehmen nachhaltiger wirtschaften“.
Dabei hat Scale-Up in Fürth ein knapp zehn Jahre altes Bestandsrechenzentrum von Online-Dienst Nordbayern (zusammen mit dem Unternehmen) übernommen, so dass die Hamburger wesentlich weniger Gestaltungsspielraum als bei einem Neubau hatten. Auch vor diesem Hintergrund ist Streit auf einen PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) von 1,2 stolz.
Den Wert hat Scale-Up laut Streit über drei entscheidende Stellschrauben erreicht, darunter die konsequente Nutzung einer Kaltgang-Einhausung. Diese müsse auch für Bestandsrechenzentren „aus meiner Sicht [längst] Standard sein“, was aber oft nicht der Fall sei. Kritisch sei es zudem, „die kalte Luft im Kaltgang [zu] halten und nicht irgendwo entweichen“ zu lassen.
Zweitens habe Scale-Up in Fürth auf sogenannte Cool Walls gesetzt, bei denen „die Luftwärmetauscher quasi in die Wand eingelassen sind und nicht klassische, im Raum stehende Umluftkühler“ seien. Damit sei das Kälteregister deutlich größer und die Kühlrippen der sogenannten Cool Walls könnten mehr warme Luft 'runterkühlen.
Unterstützt würden die Cool Walls von größeren Rotoren im Doppelboden. Drittens setze der Betreiber in Fürth zur Optimierung der Energieeffizienz über 86 Prozent des Jahres lang freie Kühlung ein.
Nachhaltigkeit ist nicht nur PUE
Zugleich sei „der PUE nicht alles“. Weitere Fragen kämen hinzu: „Wie lange betreibe ich einen Server? Wie sieht das mit dem Recycling aus? Wie viel Material verwende ich?“ Nicht minder entscheidend sei die Stromzusammensetzung und die Nutzung erneuerbarer Energien. „Es gibt bei [Scale-Up] nur grünen Strom. Und das ist auch das, was die Kunden schon seit vielen Jahren fordern.“
Dabei seien Kunden regelmäßig bereit, den (mittlerweile nur noch „geringfügigen“) Preisunterschied zum herkömmlichen Strommix mitzutragen. Viele würden vermehrt nach konkreten Zertifikaten fragen. So nutze Scale-Up angesichts eines schwierigeren Zugangs zu erneuerbaren Energiequellen in Bayern momentan zwar noch „eingegrünten“ Strom in Fürth, erwäge aber als nächsten Schritt den Umstieg auf Direktverträge mit Wind- und Solarparkbetreibern.
Stand: 08.12.2025
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OCP-Server brauchen weniger Bauteile...
Der Scale-Up-CEO ist überzeugt: Neben Rechenzentrumsdesign und Kühlung gibt es einen wirkmächtigen, aber oft übersehenen Hebel für Datacenter-Effizienz – den konsequenten Einsatz von Hardware auf Basis quelloffener Baupläne der Open Compute Project Foundation (OCP). Die Non-Profit-Organisation setzt sich seit 2011 für effiziente Open-Source-Designs ein.
Der Ansatz des von Facebook ins Leben gerufenen Projektes war es, „dass der Aufbau von einem klassischen Server einfach nicht effizient ist.“ Man habe so Referenzdesigns entwickelt, die von diversen Herstellern implementiert werden können.
Ein OCP-zertifizierter Server habe im Schnitt „deutlich weniger Bauteile als ein klassischer Server“ und brauche wegen Gleichstromversorgung über den Rack kein eigenes Netzteil, während alle Kabelausgänge bequem an der Vorderseite platziert seien. Ein herkömmliches Rack brauche regelmäßig 80 Stromkabel an der Rückseite, ein OCP-Rack hingegen genau zwei Stromzuführungen.
Da die Rack-Netzteile die Stromumwandlung aus Wechselstrom übernehmen, müssen Betreiber laut Streit keine Bedenken über die Gleichstromversorgung haben. Das bedinge zwar weiterhin Effizienzverluste im Vergleich zu komplexeren und umfassenden Ansätzen zur Gleichstromversorgung des gesamten Rechenzentrums. Bei deutlich weniger Netzteilen pro Rack im Vergleich zu herkömmlichen Designs würden aber auch Effizienzverluste bei der OCP-Hardware signifikant geringer ausfallen.
Aufgrund einer für den Luftfluss optimierten Bauform müssten dabei Betreiber allerdings Unterschiede zu Standardmaßen hinnehmen – ein OCP-Server sei mit 21 Zoll knapp 5 Zentimeter breiter als ein 19-Zoll-Server. Man benötige damit spezielle Racks. Zugleich würde die Außenbreite der von Scale-Up eingesetzten OCP-Racks dem Standard von 60 Zentimetern entsprechen. Diese Racks würden damit auch in Bestands-Datacenter „wunderbar 'reinpass[en]“.
...und sind deutlich effizienter
Raúl Álvarez, European Market Development Manager der Open Compute Project Foundation, bei der Eröffnung des Scale-Up-Rechenzentrums in Fürth.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
Streit betont, er selbst habe sich erst nach internen Tests der Stromaufnahme im Vergleich zu einem „19-Zoll-Server eines bekannten Herstellers“ von der OCP-Hardware überzeugt. Im Test habe der OCP-Server im Idle-Modus „40 bis 50 Prozent weniger Stromaufnahme“ gezeigt.
Bei Volllast habe der Unterschied „immer noch bei 15 Prozent“ gelegen. Einsparungen durch die zentralen Netzteile und die Gleichstromversorgung mit eingerechnet, war die Entscheidung, mehr auf OCP-Hardware zu setzen, für den Scale-Up-CEO somit „ein No-Brainer“.
OCP in die Masse bringen
Jenseits der Hyperscaler sei OCP aber noch ungenügend verbreitet. „Ich kann nicht zu meinem Systemhaus um die Ecke gehen“ und einen OCP-Server bauen lassen. Das sei ein Problem, über welches Streit „möglichst viel zu reden“ versuche.
Scale-Up sei dabei, „mit der OCP Foundation [an der Verfügbarkeit] zu arbeiten, aber das ist noch ein Weg“. Zugleich stünden zunehmend „sowieso alle IT-Größen hinter dem OCP-Projekt“. OCP-Produkte von großen Hardwareherstellern wie Dell sind mittlerweile auch nicht nur für Hyperscaler verfügbar. Zudem würden die auf OCP-Standards aufgebauten KI-Infrastrukturen von Nvidia die Verbreitung fördern.
Auch bei Scale-Up benötige der Ausbau Zeit: unter zehn Prozent der Hosting-Workloads würde momentan auf OCP-Servern laufen, so Streit. Dennoch sei das eine wichtige Weichenstellung. „Wenn ich nicht anfange, dann werde ich nie was leisten“. Spätestens für den großflächigen Ausbau von KI-Infrastrukturen, so der Rat des Scale-Up-CEOs, sollten sich auch andere Betreiber „mehr mit dem Thema OCP beschäftigen. […] Wenn ich mich heute schon ein bisschen damit befasse, bin ich [dann] vielleicht besser vorbereitet“.