KI-Anforderungen, Kühlung, Umrüstung, Energie-Effizienz – wie muss ein zukunftsfähiges Rechenzentrum gestaltet werden, wie kann Deutschland als Datacenter-Standort attraktiv bleiben? DataCenter-Insider präsentieret die Highlights einer spannenden Diskussion im Programmbeirat des „DataCenter Strategy Summit 2025“.
Die Mitglieder des Programmbeirats des DataCenter Strategy Summit 2025 bei der Vogel IT-Akademie und dem DataCenter Insider in Augsburg.
(Bild: Vogel IT-Akademie)
15 Datacenter-Experten haben sich im Vorfeld der Veranstaltung getroffen, um die wichtigsten Chancen und Herausforderungen der Branche herauszuarbeiten, denen sich das DataCenter Strategy Summit am 9. September in Bad Homburg widmen wird. Das Kick-Off-Meeting des Programmbeirats, angestoßen und moderiert von DataCenter Insider-Chefredakteurin Ulrike Ostler, entwickelte sich so zu einer spannenden Insider-Diskussion rund um KI-Rechenzentren, Standortvorteile und Nachholbedarfe, Flüssigkeitskühlung und Energie-Effizienz – eine exzellente Vorschau auf das Branchen-Event im September.
Wege im KI-Wettbewerb
Einig sind sich alle Teilnehmer über den transformativen Effekt der KI-Revolution gewesen, verbunden mit dramatischen Steigerungen bei Leistungsdichte, Energie- und Kühlbedarf im Rechenzentrum. Breite Übereinstimmung hat sich auch darüber gezeigt, dass das Potenzial im KI-Wettbewerb hierzulande nicht in einer Aufholjagd mit Hyperscalern, sondern eher in maßgeschneiderten KI-Angeboten bestehe. Einschätzungen über den Weg dahin divergieren hingegen deutlich.
Peter Wehrle, Bereichsleiter Operations Netzwerk und Datacenter bei Pfalzkom, beim Kick-Off-Meeting für den DataCenter Strategy Summit 2025.
(Bild: Vogel IT-Akademie)
So beklagt Peter Wehrle, Bereichsleiter Operations Netzwerk und Datacenter bei dem Co-Location-Anbieter in der Rhein-Neckar-Region Pfalzkom, dass einige Kunden zwar mit guten Gründen eilen würden, KI in ihren Produkten einzusetzen, sich aber teils zu einem „Gigantismus“ hinreißen ließen. Nicht immer würden sie sich Gedanken darüber machen, ob der erwartete Zusatzwert den zusätzlichen Stromverbrauch wettmache und ob die Energie-Infrastruktur des Standortes dies überhaupt hergebe.
Durchaus seien zwar auch für Co-Location-Betreiber Leistungen von 800 Kilowatt pro Rack künftig denkbar, praktikable Alltagslösungen fielen bislang aber regulär konventioneller aus. Zsolt Erdei, Datacenter Management-Spezialist bei Sunbird Software, bezweifelt angesichts der Stromverfügbarkeit noch weitgehender, ob in Deutschland in absehbarer Zukunft – zumindest jenseits Frankfurts – ein 800-Kilowatt-Rack laufen könne.
Jenseits der LLM-Farmen
Andreas Herden, Senior Vice President Sales Continental Europe bei Green Mountain, beim Kick-Off-Meeting für den DataCenter Strategy Summit 2025.
(Bild: Vogel IT-Akademie)
Andreas Herden, Senior Vice President Sales Continental Europe beim norwegischen Colocation-Anbieter Green Mountain, zeichnet ein breites Spektrum nachgefragter Datacenter-Kapazitäten. Einige Bankenkunden würden durchaus auch weiterhin eher Leistungsdichten von fünf Kilowatt pro Rack statt GPU-Plattformen anfordern.
Doch die Nachfrage nach letzteren würde dennoch rapide steigen und Deutschland müsse darauf achten, das Angebot adäquat auszubauen. Umgebaute Getreidespeicher oder Bergwerke mit 100 Kilowatt Gesamtkapazität seien in dieser Hinsicht „völlig uninteressant“.
Andererseits sei es essenziell, so Herden, passende Nischen zu finden. Beim Ausbau von Groß-Clustern für KI-Trainingslasten mit 50 Megawatt seien US-amerikanische und chinesische Hyperscaler weit vorne – auch wenn Microsoft, Google und Meta ihre Expansionsziele jüngst hätten einschränken müssen. Zudem würden Stromverfügbarkeit und geographische Rahmenbedingungen Standorte wie Kanada, Skandinavien oder die Mongolei attraktiver für Großprojekte machen.
Deutschland habe so, laut Herden, primär bei dem Ausbau von Rechenzentren für Inferenz-Workloads mit Kapazitäten bis zu 5 Megawatt gute Anschlussmöglichkeiten, vor allem in Frankfurt, Berlin und – allerdings momentan durch politische Schwierigkeiten ausgebremst – Hamburg. Auch Ronald Weise, Key Account Manager Automotive bei Bechtle, betont deutsche Chancen im Bereich Private Artificial Intelligence, also dem datenschutzkonformen Verfeinern von Modellen zum Einsatz mit spezifischen Kundendaten und -Anforderungen.
Was macht ein KI-optimiertes Rechenzentrum aus?
Thomas von Wittern, CSO von Datahall, beim Kick-Off-Meeting für den DataCenter Strategy Summit 2025.
(Bild: Vogel IT-Akademie)
Thomas von Wittern, CSO bei den Datacenter-Beratern und -Entwicklern Datahall, lenkt die Aufmerksamkeit von hohen Leistungsdichten auf die Anforderungen an ein neues Datencenter-Design, das Innovationen bei Flüssigkeitskühlung, Abwärmenutzung und Energie-Sourcing von Beginn an berücksichtige. Erfolgreiche Beispiele dafür seien Projekte von Thomas-Krenn und Atos Bull. Verschiedene Kunden würden zunehmend „Plug & Play“-Konzepte erwarten, die zugleich aktuellen Kühlungs- und Effizienzkriterien entsprächen. Gerade auf solche konzentriere sich Datahall verstärkt.
Stand: 08.12.2025
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Dahingehend betont auch Roland Wagner, Niederlassungsleiter Süd bei den Datacenter-Planern Geplan Ingenieure, Abwärme-Abgabe und Wasserkühlung seien zunehmend auch für kleinere Rechenzentren aktuelle Themen. Habe das Ingenieursbüro zuvor primär Forschungsrechenzentren mit Flüssigkeitskühlung ausgestattet, erhalte es nun auch Anfragen zur Umrüstung mit Luftkühlung geplanter Co-Location-Datacenter. Durchaus würde sich auch die IT-Abteilung einer Bank heute mit Flüssigkeitskühlung auseinandersetzen müssen.
Pfalzkom-Mann Wehrle argumentiert andererseits, das Potenzial klug und Energie-effizient mit Luftkühlung geplanter Rechenzentren sei zumindest für die meisten Typen von Workloads noch längst nicht ausgeschöpft worden. Mit vielen Kunden bestünden zudem weiterhin Vereinbarungen, keinerlei Flüssigkeiten im Rechenzentrum zuzulassen.
Matthias Reidans, Senior Project Manager Service bei Rosenberger OSI, beim Kick-Off-Meeting für den DataCenter Strategy Summit 2025.
(Bild: Vogel IT-Akademie)
Dass Wasser im Rechenzentrum durch eine beständige Planungs- und Betriebsherausforderung darstellt, verdeutlicht auch Matthias Reidans, Senior Project Manager Service bei Rosenberger OSI: ein Kunde habe ein Wasserproblem im Doppelboden nicht einmal bemerkt, so dass es letztlich zu einem Blackout gekommen sei und die Feuerwehr anrücken musste. Für viele ist Wasser im Whitespace eben neu und eine entsprechende Sicherung nicht auf dem Radar.
Herausforderung Bestandsrechenzentrum
Artur Faust, CEO des Beratungsunternehmens GreenDCision, beim Kick-Off-Meeting für den DataCenter Strategy Summit 2025.
(Bild: Vogel IT-Akademie)
Artur Faust, CEO des Beratungsunternehmens Greendcision, zeigt sich insgesamt optimistisch über die Chancen, auch Bestandsrechenzentren für KI-Rechenlasten auszurüsten. Durch hybride Kühlungssystem, und vor allem durch Rear Door Heat Exchanger (Wärmetauscher an der Rack-Rückseite) ließen sich auch Bestandsbauten zu guten PUE-Werten (Power Usage Efficiency) führen.
Diskutant Wagner berichtet aus der Perspektive von Geplan ebenfalls, erfolgreich Bestandsrechenzentren für Wasserkühlung umgebaut zu haben. Ein Problem liege oft eher darin, dass Kunden bei der Umbauplanung noch nicht genau prognostizieren könnten, welche Hardware mit welcher Art von Kühlung sie auf Dauer bräuchten.
Während Wagner dabei auf die Vorteile adiabatischer Kühlung und von Propan als Kältemittel als Übergangslösungen zur Einhaltung der Vorgaben des Energie-Effizienzgesetzes verweist, sehen andere Teilnehmer beides kritisch. Adiabatk sei Wasserverschwendung und trage das Risiko der Verbreitung von Legionellen, bei Propangas denken viele an leichte Entzündlichkeit und Größenbegrenzung.
Eine breite Palette an Kühlungsystemn kann zum Problem für Planer werden
Christian Roth, Roth Unternehmensberatung, beim Kick-Off-Meeting für den DataCenter Strategy Summit 2025.
(Bild: Vogel IT-Akademie)
Eine stärker skeptische Perspektive vertritt der Unternehmensberater Christian Roth. Er warnt davor, Herausforderungen bei der Umrüstung von Bestandsrechenzentren zu unterschätzen. Diese lägen zudem oft gar nicht am Gebäude, sondern etwa in der gegenseitigen Inkompatibilität von Hardwareprodukten verschiedener Hersteller und dem Mangel integrierter Angebote aus einer Hand.
Ein weiteres Problem sei, dass die GPUs des Marktführers Nvidia zwar auf Flüssigkeitskühlung ausgelegt seien, der Einsatz einer – potenziell platzsparenden – Immersionskühlung aber zum Erlöschen der Garantie führe. Damit müssten, so Roth, in vielen Bestandsrechenzentren für den Einsatz von KI-Workloads entweder die Zahl der Racks deutlich reduziert oder spezielle Baublöcke für GPU-Racks errichtet werden.
Vom Energie-Effizienzgesetz zu nachhaltigen Rechenzentren
Nicht nur die Kühlung, sondern auch die Abwärmenutzung als Herausforderung für Planer und Betreiber avanciert auch während der Diskussion immer wieder zu einem zentralen Thema. Viele Rechenzentren würden zwar keine technischen Schwierigkeiten haben, Abwärme gemäß den Anforderungen des Energie-Effizienzgesetzes (EnEfG) abzugeben. Zentrale Probleme seien aber – so Wagner, Faust und Rainer Weigle von Schneider Electric weitgehend übereinstimmend – Verhandlungen und Verträge mit Stadtwerken und der Mangel an Nahwärmenetzen. Zudem hätten Datacenter-Betreiber gute Gründe dafür, bei der Aufbereitung von Abwärme nicht den gesetzlichen Vorgaben für Energieversorger unterfallen zu wollen.
Auszahlen würde sich auf der anderen Seite, so Green-Mountain-Vertreter Herden, die frühzeitige Einbeziehung von Stadtwerken bei der Planung neuer Datacenter. So entstünde das von Green Mountain in Mainz gebaute Rechenzentrum als hälftig getragenes Joint Venture mit den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden (einer Tochter der Mainzer Stadtwerke). Es könne auf drei Gasturbinen direkt am Campus zurückgreifen und Abwärme, über Wärmepumpen nahe an 100 Grad Celsius erhitzt, an das Fernwärmenetz abgeben.
Roland Wagner, Niederlassungsleiter Süd bei Geplan Ingenieure, beim Kick-Off-Meeting für den DataCenter Strategy Summit 2025.
(Bild: Vogel IT-Akademie)
Für Wagner hingegen führt kein Weg an einem politisch gewollten und bundesweit geregelten Arrangement vorbei. Die von Faust angesprochenen Vorgaben für Gemeinden, teils bis 2026 und teils bis 2028 Wärmepläne zu erstellen (womit auch der Bau von Nahwärmenetzen in Schwung kommen könnte), seien ein wichtiger Schritt, der allein aber nicht genüge.
Ernst gemeinte Energiewende ist ein Standortvorteil
Auf der anderen Seite betonen mehrere Experten, europäische Nachhaltigkeitsverpflichtungen seien zugleich eine besondere Stärke des Marktes. Dies gelte umso mehr, so Faust aus einer Beraterperspektive, sobald Maßnahmen zur Sektorenkopplung und Schaffung von Energiekreisläufen – auch wenn sie schwierig anlaufen – zu spürbaren Mehrwerten führen. Möglichkeiten für eine sinnvolle Abwärme-Abführung und die Verfügbarkeit nachhaltiger Energiequellen böten zudem laut Thomas von Wittern für viele bislang nicht ausgebaute Standorte in Deutschland wichtige Auszeichnungsmerkmale und könnten zu einer Dezentralisierung der Datacenter-Landschaft beitragen.
Am Zug seien dabei, so Roth, auch Unternehmen, die bislang nicht in Effizienzmaßnahmen investiert hätten. Die Praxis habe gezeigt, dass die gesetzlichen PUE-Vorgaben bei frühzeitiger Planung durchaus erfüllbar seien. Andererseits müsse auch die öffentliche Hand, wirft Faust ein, den neu geschaffenen Infrastrukturfonds einsetzen, um Deutschland weiter als international attraktiven Datacenter-Standort zu stärken.
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DataCenter Strategy - der Summit des Jahres!
Am 09. September 2025 bringt der 4. DataCenter Strategy Summit in Bad Homburg die wichtigsten Köpfe der Rechenzentrumsbranche zusammen, um „die Anatomie eines (KI-)Datacenter“ unter die Lupe zu nehmen. Angesichts rapide zunehmender Anforderungen durch KI sowie steigender Leistungsdichten und Effizienz-Vorgaben diskutieren wir gemeinsam Strategien, um resilient und wirtschaftlich zu bleiben.
KI & Optimierung: Wie KI die Evolution des Rechenzentrums treibt – smarter, dichter, effizienter
Nachhaltigkeit: Green IT wird Pflicht – Energie, Standort und CO2 im neuen Gleichgewicht