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Einmal hin und zurück Was bedeutet Metro Round Trip Time?

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Ein Metro-Netz kann noch so breitbandig sein – worauf es ankommt ist, wie lange die Daten von A nach B und wieder zurück brauchen. Man spricht hier von Round Trip Time (RTT).

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Die Metro RTT ist ein realisitsches Maß für die Datenpaketaket-Transportdauer in Metro-Distanzen.
Die Metro RTT ist ein realisitsches Maß für die Datenpaketaket-Transportdauer in Metro-Distanzen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Wer wissen will, wie schnell Datenpakete in einer bestimmten Infrastruktur zum Empfänger unterwegs sind und wie lange es dauert, bis eine Antwort des Empfängers beim Absender der ersten Meldung ankommt, misst die Round Trip Time (RTT). Das ist die Hin- und Zurück-Transportzeit.

Metro RTT bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Verbindung sich nicht nur im LAN bewegt und auch nicht transkontinental ist, sondern sich im Metro-Bereich, also etwa in einem großstädtischen Distanzbereich befindet oder zwei nicht allzu weit voneinander entfernte Orte verbindet.

Legt man Metropolitan Area Networks zugrunde, also Glasfaser-basierende Netze mit einer breitbandigen Backbone-Struktur zur Erschließung großstädtischer Räume, reicht die Metro-Entfernung bis rund 100 Kilometer. Für IEEE 802.16 MWLAN (Metro-WLAN) ist die Reichweite mit 50 Kilometern definiert.

RTT wird vom TCP-Protokoll nach IETF RFC 6298 ständig erhoben. Damit stellt das Protokoll fest, ob ein gesendetes Paket noch einmal auf die Leitung muss, weil seine Ankunft nicht fristgerecht bestätigt wurde.

RTT versus RTD

Ein alternativer, aber gleichbedeutender Begriff zu (Metro) RTT ist Round Trip Delay (RTD), was Pakettransportverzögerung bedeutet. RTD scheint der Autorin aber etwas irreführend, da hier suggeriert wird, jede Zeit, die ein Transport von A nach B dauert, sei eine vermeidbare Verzögerung.

Nach den physikalischen Gegebenheiten in unserem Universum dauert die Überbrückung von Entfernung aber nun mal Zeit, selbst auf der Glasfaser. Deshalb werden wir auch trotz aller IT der Welt niemals völlig unabhängig von Zeit und Raum werden, egal, was phantasievolle Marketingexperten versprechen. RTT ist also im Grunde eine korrektere Bezeichnung, weshalb sie im Weiteren verwendet wird.

RTT und Latenz

Zur Messung der RTT wird nicht dasselbe Paket erst hin und dann her geschickt. Sondern es schickt erst der eine Host ein Paket hin und dann der andere Host ein Antwortpaket zurück, wie das im „richtigen Leben“ wohl auch wäre. So wird die durch den Host verursachte Verzögerung in die RTT mit eingearbeitet.

Die RTT misst die Zeit zwischen dem Absenden einer Anfrage an einen Host und der Ankunft von dessen Antwort.
Die RTT misst die Zeit zwischen dem Absenden einer Anfrage an einen Host und der Ankunft von dessen Antwort.
(Bild: Mirvalls-Sierra/Muelas/Lopez de Vergara Mendez/Ramos/Aracil-Researchgate)

Der Unterschied zur Latenzmessung ist, dass bei RTT immer der Weg hin und zurück beachtet wird, bei Latenzmessungen nur eine Richtung. Das kann wichtig sein, denn wegen der Routing-Architektur verhalten sich beide Richtungen nicht immer identisch.

Das kann zum Beispiel an von Netzbetreibern definierten Transport- oder Priorisierungsregeln liegen, die das Protokollverhalten in einer Richtung anders als in der Gegenrichtung steuern. Wer also realistische Werte für Antwortzeiten braucht, sollte immer RTT messen.

RTT und Ping

Deshalb kann man auch nicht davon ausgehen, dass die halbe RTT die Transportzeit in einer Richtung wiedergibt. Denn das TCP-Protokoll zeichnet sich gerade dadurch aus, dass Pakete auf Hin- und Rückweg ganz andere Wege nehmen dürfen.

Der ebenfalls für Transportzeitmessungen gern verwendete Ping nutzt ICMP (Internet Control Message Protocol) und nicht TCP. Dieses Protokoll ist vor allem für den Transport von Fehlermeldungen im Internet zuständig. ICMP-Pakete werden deshalb von den Netzen häufig anders transportiert als TCP-Datenpakete, die meist eine Nutzlast enthalten. Deshalb sagen Ping-Werte über die RTT eines Datenpakets nicht wirklich viel aus.

Ping sollte man also verwenden, wenn es eher um die Erhebung von Paketverlustdaten und anderen einfacheren Netzqualitätsdaten geht, aber nicht für die Ermittlung der realistischen Hin- und Rückreisezeit von Datenpaketen in TCP/IP-Netzen.

Qualitätsgrenze lieget bei 50 Millisekunden

Innerhalb Deutschlands und daher erst recht innerhalb städtischer Ballungsräume, also im Metro-Bereich, sollten sich RTTs ab Router grundsätzlich unterhalb 50 Millisekunden bewegen. Alles darüber hinaus wäre schon langsam. Insbesondere Echtzeitanwendungen wie Sprache oder Video reagieren empfindlich auf langsame Netze, wie sich gerade im Conferencing-Boom der Coronazeit deutlich zeigte.

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger