Machen Umweltzertifikate für Datacenter-Betreiber Sinn?

RZ-Products liefert Energiedaten-System für Blaue Engel

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Bei Rechenzentren ist die Auszeichnung „Blauer Engel“ noch wenig akzeptiert. Doch Sie setzen darauf ...

Frank Neubauer: Der „Blaue Engel“ wird sich meiner Meinung nach im RZ-Bereich durchsetzen, denn es gibt keine vergleichbare neutrale Zertifizierung der Effizienz im Rechenzentrum. Der Hauptgrund, warum eine solche Auszeichnung bisher nicht existent war, ist, dass die Effizienz von Rechenzentren in Bezug auf den Energiebedarf schwierig zu bewerten war.

Frank Neubauer, Produkt-Manager für das Monitoring-Energy.sys bei RZ-Products, sprach mit Jürgen Sprenzinger von DataCneter-Insider.de.
Frank Neubauer, Produkt-Manager für das Monitoring-Energy.sys bei RZ-Products, sprach mit Jürgen Sprenzinger von DataCneter-Insider.de.
(Bild: RZ Products GmbH)
Dank eines neuen und ausgeklügelten Benchmarking-Systems weiß man aber nun, wie und an welchen Stellen genau gemessen werden muss, um vergleichbare Werte und Kennzahlen zu erhalten. Somit wurde eine einheitliche Vergabegrundlage geschaffen, die für die Zertifizierung erfüllt werden muss.

Hierbei wird immer die Komplexität der Server-Räume berücksichtigt und so ein aussagekräftiges Ergebnis bezüglich der Effizienz erzielt. Da bei der Vergabe des Blauen Engel neutral bewertet wird, hat das Siegel zudem einen offiziellen Charakter.

Dies steigert bei Wirtschaftsunternehmen das Ansehen und belegt einen effizienten RZ-Betrieb. Und auch für öffentliche Institutionen und Dienstleistungsrechenzentren wird der Blaue Engel wichtig sein: Denn es ist durchaus denkbar, dass das Umweltzeichen im Sinne einer ökologischen Orientierung fester Bestandteil in öffentlichen Ausschreibungen wird.

Welche Vorteile bietet diese Zertifizierung nun für die Rechenzentren genau?

Frank Neubauer: Ein klarer Vorteil ist, dass sich die Kosten im Zuge des effizienteren Betriebes mittel- bis langfristig senken lassen und auch die Umweltbilanz deutlich besser wird. Die RZ-Betreiber sind zudem stets auf dem aktuellen Stand und verfügen über ein hohes Maß an Transparenz hinsichtlich des Energiebedarfs sowie der aktuellen Ausstattung des Rechenzentrums.

Im Zuge der Zertifizierung wird der Einsatz speziell entwickelter Hard- und Softwarekomponenten notwendig, die eine bedarfsorientierte Visualisierung der IT sowie deren Infrastruktur gewährleisten. Neben der Effizienzsteigerung werden sich auch Effekte einstellen, die den Grundstein für weitere Maßnahmen zur Steigerung der Verfügbarkeit und Sicherheit legen.

Wie schwierig ist es - oder besser: Welcher Aufwand ist nötig, um diese Auszeichnung zu erhalten? Wie hoch sind die dabei entstehenden Kosten?

Frank Neubauer: Für die erste Zertifizierung müssen RZ-Betreiber zunächst die Vergabegrundlage erfüllen. Dafür muss ein definierter Fragenkatalog ausgefüllt werden, der anschließend von einem Prüfinstitut ausgewertet wird. Darauf folgt ein inhaltliches Gutachten, welches wiederum an die RAL gGmbH weitergeleitet wird, die dann in ihrer Funktion als staatlich autorisierte Stelle bei der Erfüllung aller Kriterien das Umweltzeichen vergibt.

Umweltschutz und saftige Energiepreise fördern das Engagement in Sachen Energiesparen.
Umweltschutz und saftige Energiepreise fördern das Engagement in Sachen Energiesparen.
(Bild: Borderstep-Institut/ RZ Products GmbH)

In jedem Fall muss ein Energie-Management vorhanden sein, das Aufschluss über die Energiestrategien zulässt. Verfügt der Server-Raum beispielsweise lediglich über ein Gebäude-Energie-Monitoring, muss innerhalb von zwei Monaten ein IT-Monitoring angeschafft werden. Wichtig ist, dass das gesamte Rechenzentrum einschließlich der IT-Performance, Gebäudetechnik, Energieverbräuche und mehr berücksichtigt wird.

Häufig haben Monitoring-Systeme, die aus der Gebäudetechnik kommen, Probleme, die Messwerte der IT zu integrieren – und umgekehrt. Ideal ist daher ein Konzept, das Energie-Monitoring und die Inventarisierung aller RZ-Komponenten kombiniert. Hier sind auch Eingaben sowie Datenimporte aus anderen, bereits bestehenden Systemen möglich.

Mit dem Einsatz des richtigen Monitoring-Tools wird die Umsetzung der Vergabekriterien deutlich vereinfacht. In unserem Monitoring-Energy.sys haben wir spezielle Features integriert, deren Funktionen den Anforderungen für die Erst- und Re-Zertifizierung mit dem Blauen Engel gerecht werden und - um ein Beispiel herauszugreifen: die notwendige Erstellung von Energieberichten weitestgehend automatisiert. Die IT-Verantwortlichen werden auf diese Weise mit Hilfe der Darstellung des Optimierungspotenzials sowie den zu erreichenden Werten auf ihrem Weg begleitet.

Wenn es einen Wettbewerbsvorteil geben sollte, wie sieht dieser genau aus?

Frank Neubauer: Bei Einsparungen aufgrund langfristig gesenkter Energiekosten besteht die Möglichkeit, das Ersparte anderweitig zu investieren. Hinzu kommt eine hohe Reputation, die in einigen Fällen bei Kundenentscheidungen das Zünglein an der Waage sein kann.

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