Prognose von iKS-Consulting

Russlands Rechenzentrumsmarkt wird massiv angeschoben

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Ulrike Ostler

Die russische Regierung ist überzeugt, dass das Land über alle Voraussetzungen für einen Top-Standort für Rechenzentren verfügt.
Die russische Regierung ist überzeugt, dass das Land über alle Voraussetzungen für einen Top-Standort für Rechenzentren verfügt. (Bild: gemeinfre,i lisanetsm / Pixabay)

Laut Plan sollen russische Rechenzentren künftig eine globale Rolle spielen. Tatsächlich wachsen die Umsätze aktuell zweistellig, gefördert durch verschiedenste Maßnahmen der Putin-Regierung.

In Russland werden von der Regierung traditionell gerne Pläne auf ein paar Jahre im Voraus geschmiedet. Ein jüngerer hört auf den Namen "Digitale Wirtschaft", läuft bis 2024 und sieht u.a. vor, den Anteil des Landes am globalen Markt für Datenspeicherung und Cloud-Dienste auf fünf Prozent zu steigern. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, ist nicht weniger als eine Versechsfachung des Marktvolumens erforderlich.

Die russische Regierung führt an, dass das Land über alle Voraussetzungen für einen Top-Standort für Rechenzentren verfüge: vor allem im Norden das geeignete Klima, viel Wasser und selten Naturkatastrophen. Zusätzlich sichert man eine stabile Energieerzeugung, eine ausgebaute Telekommunikationsinfrastruktur, qualifizierte Humanressourcen und billigen Strom zu.

Darüber hinaus habe man eine Reihe von nationalen Branchenprogrammen genehmigt, um die digitale Transformation anzukurbeln, den Inlandsverbrauch von Cloud-Diensten zu mehren und das Wachstum der Kapazitäten für die Datenverarbeitung sicherzustellen. Nicht zu vergessen die 2018 eingeführten „Importsubstitutions- und Informationssicherheitsrichtlinien“ für die inländischen Rechenzentren. Das Gesetz Nr. 187 „Über kritische Infrastruktur“ soll den unrechtmäßigen Zugang zu sicherheitsrelevanten Daten unmöglich machen.

Massive Förderung

Interessant ist der internationale Vergleich, bei dem sich die russische Rechenzentrumsindustrie recht bescheiden ausnimmt: Russland macht nur 0,9 Prozent des globalen Marktes und 1,1 Prozent des Gesamtmarktes für kommerzielle Speichers aus. Das soll nicht so bleiben.

Nach Schätzungen von iKS-Consulting wird die russische Regierung in den nächsten fünf Jahren mindestens 300 Millionen Dollar jährlich für die Umsetzung verschiedener Projekte der digitalen Wirtschaft im öffentlichen Sektor bereitstellen. Diese Ausgaben sollen Russlands Rechenzentrums- und Cloud-Wachstum deutlich befördern. 20 Millionen Dollar sind zudem für die Einführung neuer Informationssysteme in Behörden vorgesehen, was den Ausbau von Rechenzentren und Infrastruktur weiter beschleunigen soll. Darüber hinaus entwickelt die Regierung laut iKS eine Reihe von steuerlichen und finanziellen Anreizen, um Bauprojekte von Rechenzentren zu unterstützen und private Investitionen in diesem Sektor sicherzustellen.

Die Stimulierung der Investitionstätigkeit sei insbesondere in Regionen außerhalb der beiden großen Städte des Landes erforderlich. Zwischen Moskau und St. Petersburg konzentrieren sich rund drei Viertel der gesamten Rechenzentrumsinfrastruktur des Landes. Dieses Ungleichgewicht zum Rest des Riesenreiches soll durch die Einführung eines „Bundesrechenzentrumsnetzwerks“ ausgeglichen werden. Dieses sieht vor, neue Rechenzentren in 17 Städten in ganz Russland zu bauen, etwa im autonomen Gebiet der Chanten und Mansen, auch Jugra bezeichnet, der größten Öl- und Gasförderregion des Landes, wodurch die maximale Latenz für 90 Prozent der russischen Anwender auf fünf Millisekunden sinken soll. Die beiden größten Telekommunikationsunternehmen des Landes, Rostelecom und Megafon, sowie der Betreiber von Atomreaktoren Rosenergoatom haben angekündigt, sich an diesen Plänen massiv zu beteiligen.

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