Russland auf Expansionskurs in Europa Trotz Sanktionen eröffnet russischer Telekommunikationsanbieter Rechenzentrum in Helsinki

Von Paula Breukel 2 min Lesedauer

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Beeline, einer der größten Mobilfunkanbieter Russlands, hat in Helsinki ein Rechenzentrum in Betrieb genommen. Die Einrichtung soll Datenübertragung und Zugriff auf Dienste wie „Telegram“ beschleunigen, während Behörden die Lage beobachten.

Trotz Sanktionen konnte der Mobilfunkanbieter Beeline unbeobachtet ein Datacenter in Helsinki eröffnen. Das Thema erlangte noch keine große Aufmerksamkeit. Doch was bedeutet das konkret?(Bild:  Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
Trotz Sanktionen konnte der Mobilfunkanbieter Beeline unbeobachtet ein Datacenter in Helsinki eröffnen. Das Thema erlangte noch keine große Aufmerksamkeit. Doch was bedeutet das konkret?
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)

Laut der finnischen Tageszeitung „Iltalehti“ hat Beeline das Rechenzentrum ohne vorherige Mitteilung an die finnische Verkehrs- und Kommunikationsbehörde in Helsinki eröffnet.

Das Cyber-Sicherheitszentrum der Behörde klassifiziert die Einrichtung als Internet Exchange Point (IXP), eine Kategorie, die in Finnland üblicherweise kleine, lokal betriebene Knotenpunkte umfasst. Eine behördliche Genehmigung ist für diesen Betrieb nach finnischem Recht nicht erforderlich, die Behörden verfolgen die Entwicklung jedoch aufmerksam.

Zweck des Datacenter und technische Kapazitäten

Die Einrichtung soll die Datenübertragung für russische Nutzer verbessern und insbesondere den Zugriff auf internationale Dienste wie Telegram optimieren. Die Kapazität der Verbindung zu Telegram ist laut Unternehmensangaben um 43 Prozent von 1,4 auf 2 Terabit pro Sekunde (Tbit/s) gestiegen. Weitere Erweiterungen zu anderen internationalen Diensten seien bereits in Arbeit.

In Kanada steht die Muttergesellschaft von Beeline schon auf der Sanktionsliste

Beeline gehört zur russischen Muttergesellschaft Vimpelcom, einem der 20 wertvollsten börsennotierten Unternehmen Russlands. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängten westliche Staaten Sanktionen gegen diverse russische Wirtschaftsbereiche, darunter die Telekommunikation.

Kanada hat alle großen russischen Mobilfunkanbieter, einschließlich Vimpelcom, sanktioniert. In der Europäischen Union steht das Unternehmen Vimpelcom derzeit nicht auf der Sanktionsliste.

Allerdings zählt der Rat der Europäischen Union in der Übersicht „Die Sanktionen der EU gegen Russland im Detail“ Unternehmen in den Sektoren IT, Telekommunikation und Versicherungen zu sanktionierten Einrichtungen.

Kooperation mit Reshetnev

Parallel zum Rechenzentrum in Helsinki intensiviert Beeline die Zusammenarbeit mit Reshetnev, einem großen russischen Hersteller für Satellitenkommunikation. Ziel ist die Erprobung satellitengestützter Datenübertragung und die Integration neuer 4G- und 5G-Dienste über nicht-erdgebundene Netze. Laut Reshetnev sollen die Kooperation und der Austausch von Technologien die Kosten für Kommunikationsinfrastruktur senken und den Ausbau der russischen Telekominfrastruktur vorantreiben.

Fokus auf stille Expansion

Die finnischen Behörden betonen, dass die Einrichtung offenbar als klein eingestufter IXP betrieben wird und die offizielle Registrierung nicht erfordert. Experten weisen darauf hin, dass russische Unternehmen damit unter dem Deckmantel kleiner Infrastruktur internationale Netzkapazitäten erweitern können.

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