Eco-Kommentar zu: Keine neuen Datacenter mehr!

Rechenzentren sind unverzichtbar für Wachstum und Wohlstand

| Autor / Redakteur: Béla Waldhauser* / Ulrike Ostler

Dr. Béla Waldhauser ist Sprecher der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland und kommentiert die Verfügung, die in der Gegend Amsterdam/ Haarlemmermeer die Errichtung von weiteren Rechenzentren (zunächst) stoppt.
Dr. Béla Waldhauser ist Sprecher der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland und kommentiert die Verfügung, die in der Gegend Amsterdam/ Haarlemmermeer die Errichtung von weiteren Rechenzentren (zunächst) stoppt. (Bild: Eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.)

Gezielte Förderung statt Baustopp-Forderungen: Um die Herausforderungen der Digitalisierung bewältigen zu können, brauchen wir leistungsfähige digitale Infrastrukturen. Wenn Kommunen den Bau neuer Rechenzentren verbieten, gefährden sie Wirtschaftswachstum und Wohlstand.

Die Nachfrage nach Rechenzentrumsfläche ist riesig und wächst in Europa immer weiter. Das betrifft insbesondere Metropolregionen wie Frankfurt am Main oder Amsterdam. Beide Regionen gehören zu den Gebieten mit der größten Rechenzentrumsdichte der Welt.

Keine neuen Datacenter mehr! Region Amsterdam verfügt Baustopp

Notbremse oder Schikane?

Keine neuen Datacenter mehr! Region Amsterdam verfügt Baustopp

17.07.19 - Das kommt unerwartet: Mit sofortiger Wirkung stoppt die Metropolregion Amsterdam (AMA), zu der Amsterdam und Haarlemmermeer gehören, das Errichten neuer Rechenzentren in dieser Region – zumindest vorläufig. Eine Belebung sähe neue Auflagen für den Umweltschutz vor. lesen

Die Stadträtin in Amsterdam für Nachhaltigkeit und Raumentwicklung, Marieke van Doorninck, sieht die wachsende Anzahl an Rechenzentren skeptisch. Die Rechenzentren sollen möglichst wenig Platz einnehmen und sich architektonisch gut in ihre Umgebung einfügen, fordert sie. Zudem würde sie es begrüßen, wenn die Rechenzentren die Ab- beziehungsweise Restwärme den Haushalten vor Ort zur Verfügung stellen würden, um so zur Nachhaltigkeit der Amsterdamer Wärmeversorgung beizutragen. Andernfalls droht ein Baustopp. Ende dieses Jahres sollen die neuen Vorschriften fertig sein.

Abwärme von Rechenzentren sinnvoll nutzen

Die Forderungen von Marieke von Doorninck sind nachvollziehbar und decken sich mit den Zielen der Betreiber digitaler Infrastrukturen in Deutschland. Auch wir wollen, als Verantwortliche für eine Vielzahl an Rechenzentren, diese so sozialverträglich und umweltfreundlich wie möglich gestalten.

Die Branche fühlt sich schon seit längerem der Nachhaltigkeit verpflichtet und das nicht erst seit den „Fridays for Future“-Demonstrationen und konzipiert neue Bauvorhaben entsprechend. Wenn sich Kommunen jedoch generell gegen den Bau neuer Rechenzentren aussprechen, dann gefährden sie die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft und schaden so sich selbst als Wirtschaftsstandort.

Neuere Groß-Rechenzentren sind außerordentlich Energie-effizient, beispielsweise werden nur noch rund 20 bis 25 Prozent des Stromes für die Kühlung benötigt. Verbesserungspotenzial gibt es tatsächlich bei der Nutzung der Abwärme. Die Branche arbeitet zurzeit an Konzepten die dazu beitragen, dass die Nutzung der Abwärme fester Bestandteil der energiepolitischen Konzepte wird.

Das zeigt das neuveröffentlichte Whitepaper „Abwärmenutzung im Rechenzentrum“* vom Netzwerk Energie-effiziente Rechenzentren (NeRZ) in Zusammenarbeit mit dem Eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. Hier sind einige technologisch fortschrittliche Lösungen aus der Industrie beschrieben. Ein weiteres Ergebnis der Autoren: Wir brauchen eine stärkere Unterstützung der Politik, um die Abwärme wirtschaftlich und nachhaltig nutzen zu können.

Rechenzentrumsinfrastruktur stärkt digitale Souveränität

Die Studie „Bedeutung digitaler Infrastrukturen in Deutschland“ des Borderstep Instituts zeigt: Zur Sicherstellung der digitalen Souveränität Deutschlands ist es erforderlich, über eine starke Rechenzentrumsinfrastruktur zu verfügen. Ich bin zuversichtlich, dass uns das heute und in Zukunft gelingen wird – ganz im Sinne der Unternehmen, Bürger und Kommunen als Standorte für die bestehende und neue Rechenzentrums-Infrastruktur.

Die Internet-Wirtschaft ist Schlüsselbranche und Wachstumsmotor und Rechenzentren sind unverzichtbar, um unseren wachsenden Bedarf nach digitalen Anwendungen zu decken. Sie sichern in Deutschland mehr als 200.000 Arbeitsplätze. Zusätzlich ermöglichen sie es Unternehmen, mithilfe der Digitalisierung weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben und dadurch Wachstum und Wohlstand zu sichern.

* Dr. Béla Waldhauser ist Sprecher der Allianz zur Stärkung Digitaler Infrastrukturen in Deutschland

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