Mit „Oracle Virtual Box“ können Administratoren die Virtualisierung von Servern sowie Desktops kostenlos ausprobieren. Das klappt mit einer Web-basierten, verteilten Installation auf einem dedizierten Server auch unter professionellen Bedingungen, so dass sie bei kleineren Projekten auch ganz auf eine andere Lösung verzichten könnten.
Virtual Box von Oracle lässt sich auch professionell betreiben, von vielen Clients aus.
Oracle Virtual Box ist als typischer Typ-2-Hypervisor primär für den Desktop-Einsatz konzipiert. Die Software lässt sich aber mit entsprechendem Know-how auch zur Server-Konsolidierung nutzen, wobei Administratoren obendrein von weiteren Vorteilen des Produkts profitieren.
Das Fazit des Autors
Mit phpVirtualBox können Administratoren Virtual Box auf einem Server installieren und von einem beliebigen Arbeitsplatz aus im Browser administrieren. Unabhängig davon erfolgt der Bildschirmzugriff über einen RDP-Client. Dies alles sind Voraussetzungen für einen professionellen Einsatz im Unternehmen.
Das sind die Vorteile von Oracle Virtual Box:
Dank der integrierten Gastsystemerweiterungen, einschließlich eines performanten Grafiktreibers können sie unter Virtual Box auch Desktop-Betriebssysteme sinnvoll einsetzen.
Virtual Box 4.3.10 unterstützt in virtuellen Maschinen USB-Touch-Geräte, etwa für den Einsatz von Windows 8.1 als Gastsystem.
Es bietet eine verbesserte 3-D-Beschleunigung mit Transparenzeffekten und einen Multimonitorbetrieb.
Mit der integrierten Webcam lassen sich auch Video-Konferenzen in einer virtuellen Maschine nutzen.
Wahlweise kann eine komplette Sitzung in der virtuellen Maschine aufgezeichnet werden.
Essenziell für den Einsatz von Oracle Virtual Box als professionelle Virtualisierungslösung ist, dass der eigentliche Hypervisor-Betrieb sowie das Verwalten und das Anzeigen der VMs auch auf verschiedenen Rechnern stattfinden können. Normalerweise installieren Admins Produkte dieser Art auf dem gleichen (Desktop-)Rechner als gewöhnliche Anwendung.
Die grafische Oberfläche von Virtual Box dient dann gleichermaßen zur Administration und zur Anzeige der VMs. Für den verteilten Betrieb installieren sie Virtual Box jedoch stattdessen auf dem Virtualisierungs-Server.
Virtual Box for Mac OS X. Hier läuft Windows 7.
(Bild: Oracle)
Der muss noch nicht einmal eine grafische Oberfläche haben. Virtual Box installiert nämlich neben der grafischen „Qt“-Oberfläche eine noch leistungsfähigere CLI-Schnittstelle mit der Bezeichnung „VBox Manage“.
Diese bietet zahlreiche Funktionen zur Automatisierung und zur Fernsteuerung der Administration. Es genügt daher, wenn sie sich via SSH mit dem Virtual-Box-Server verbinden und dann die virtuellen Maschinen vollständig über das Kommando-Interface steuern.
So zeigt
ssh <Server> -l <Benutzer> -t VBoxManage list vms
sämtliche UIDs der auf dem entfernten Server „<Server>“ registrierten virtuellen Maschinen an.
So lassen sich VMs mit einem RDP-Client nutzen:
Der Bildschirmzugriff erfolgt dann Client-seitig über einen beliebigen Remote-Desktop-Client, sofern der Admin auf der Server-Seite das Extension Pack von Virtual Box installieren. Dieses lässt sich kostenlos von der Virtual-Box-Seite www.virtualbox.org herunter laden.
Virtua lBox for Windows. In der Anwendung läuft hier Ubuntu 10.10.
(Bild: Oracle)
Es steht aber im Gegensatz zu Virtual Box selbst nicht unter einer Open-Source-Lizenz, weil es unter anderem einen RDP-Server enthält. Mit dem lässt sich über das Netzwerk auf die Bildschirminhalte virtueller Maschinen zugreifen.
Bei einem Linux-Arbeitsplatz können Administratoren einen von vielen RDP-Clients aus den Paketquellen ihrer Distribution verwenden, wie. „Remmina-Desktop-Client“, den sie zum Beispiel bei allen auf Red Hat basierenden Distributionen mit
„yum install remmina“
Installieren. Bei Windows hingegen ist ein RDP-Client unter „/Zubehör
/ Remotedesktopverbindung“ bereits enthalten.
So lässt sich Vitual Box per Browser steuern
Das leistungsfähige CLI „VBoxManage“ bietet Ihnen umfangreiche Automatisierungsfunktionen und bringt außerdem einen Web-Server „vboxwebsrv“ mit. Auf dem basiert auch „
phpvirtualbox“, ein quelleoffenes, in PHP und Javascript geschriebenes Web-Frontend zum Steuern von Virtual Box im Browser.
Damit funktioniert VirtualBox auch ohne Kommandoschnittstelle auf einem Server ohne grafische Oberfläche, wie er als Virtualisierungs-Server prädestiniert ist. Im Folgenden finden sich alle Befehle, um Virtual Box samt Extension Pack (für den RDP-Server) und phpVirtualBox auf einem entfernten Linux-Server unter Red-Hat-Linux (die Vorgehensweise unter Fedora oder CentOS ist identisch) zu installieren.
So lassen sich Virtual Box und phpVirtualBox installieren:
Alle folgenden Befehle sind als „root“ einzugeben.
Schritt 1: Virtual Box ist zwar in den Standard-Paketquellen aller wichtigen Distributionen enthalten, das Entwicklungstempo ist aber so hoch, dass es besser ist, die jeweils aktuelle Version zu installieren. Das lässt sich mit dem Paket-Manager („yum“) von RHEL oder Fedora bewerkstelligen.
Das von Oracle zur Verfügung gestellte Repository muss hier zuvor eingebunden werden. Adminns sollten beachten, dass es sich um einen Kommandozeilenbefehl handelt:
Schritt 2: Zunächst sollte mit „yum install yum-priorities“ die Prioritätenverwaltung für Yum festgelegt werden, da Virtual Box auch in den Standard-Repos von RHEL und Fedora enthalten ist. Anschließend ist in
/etc/yum.repos.d/virtualbox.repo
mit einem beliebigen Editor (zum Beispiel „vim“) die Zeile „priority=1“ zu ergänzen. Die kleinste Zahl entspricht der höchsten Priorität.
Schritt 3: Anschließend kann das Paket „dkms“ (Dynamic Kernel Module Support) installiert werden, damit Linux bei einem Update selbstständig Kernel-Module für Virtual Box bauen kann.
Stand: 08.12.2025
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Schritt 4: Danach lässt sich Virtual Box mitsamt allen Abhängigkeiten, Entwicklungswerkzeugen und Header-Dateien installieren, durch Eingeben von:
yum install VirtualBox-4.3
Schritt 5: Das zughörige Extension-Pack installieren Admins direkt mit dem VBoxManage-CLI:
VBoxManage extpack install <Extensio-Pack>
Dieses müssen sie aber zuvor in einer plattformunabhängigen, zur installierten Virtual-Box-Version passenden Variante von der Download-Seite herunterladen.
Schritt 6: Für den Einsatz von phpVirtualBox benötigt man zudem den Apache-Web-Server mit PHP-Unterstützung:
yum install httpd php php-common
Zum Starten des Web-Servers dient der Befehl:
systemctl start httpd
Soll Apache bei jedem Systemstart automatisch starten, geben ist noch Folgendes
einzugeben:
systemctl enable httpd
Schritt 7: Ist das geschehen, kann das Paket „phpvirtualbox-4.3-1.zip“ herunter geladen und das ZIP-Archiv im „Document-Root“ des Web-Servers entpackt werden, unter
/var/www/hmtl
Schritt 8: Anschließend legen Administratoren einen neuen Benutzer für den Betrieb von Virtual Box an, der Mitglied der Gruppe „vboxusers“ ist:
Sie benutzen dabei den Benutzernamen „vbox“ und das Passwort „pass“, können sie phpVirtualBox sofort einsetzen, weil diese Kombination den voreingestellten Account-Daten in der Konfigurationsdatei von phpVirtualBox entspricht.
Schritt 9: Diese muss vor der ersten Benutzung aus „config.php-example“ in „config.php“ umbenannt und bei der Gelegenheit mit individuellen Account-Daten ausgestattet werden.
Schritt 10: Danach lässt sich phpVirtualBox unter der URL
http://<Server mit VirtualBox>/phpvirtualbox/
an dem Desktop-PC aufrufen. Nun können ist der Virtual-Box-Server im Browser steuerbar.
Das PHP-Interface unterscheidet sich optisch und funktional kaum von der originalen „Qt“-Oberfläche. Der Bildschirmzugriff auf die VMs erfolgt mit einem beliebigen RDP-Client. Voraussetzung ist, dass das Extensionpack installiert ist und dass im Konfigurationseditor im Bereich „Anzeige“ der jeweiligen VM im Tab „Fernsteuerung“ der RDP-Server aktiviert ist. Port und Authentisierungsmethode lassen sich individuell festlegen.
* Thomas Drilling ist freier Autor und veranwortet das periodisch erscheinende Magazin "Erfolgreich virtualisieren" vom Verlag für die Deutsche Wirtschaft, aus dem dieser Beitrag stammt.