Auf der Open-Source-Konferenz Open Community Experience, kurz OCX 2024, fanden sich kürzlich in Mainz bis zu 450 Vertreter aus 35 Ländern ein, um zu lernen und sich auszutauschen. Der Bereich Embedded RTOS und das Software-Defined Vehicle (SDV) bildeten wie schon im Vorjahr zentrale Themen, hinzu kam der Erfolg von Jakarta 10 und des JDK Adoptium.
Mike Milinkovich leitete eine Keynote ein, in deren Mittelpunkt der Hauptsponsor Huawei mit einem Vortrag über Smart-Mobile-Betriebssysteme wie Oniro und ihre Ökosysteme stand.
Die Eclipse Foundation bietet einer globalen Community von Entwicklern und Organisationen eine Umgebung für Zusammenarbeit und Innovation im Bereich Open-Source-Software. Unter diesem Dach befinden sich zahlreiche Working Groups, darunter Eclipse IDE, Adoptium, Software-Defined Vehicle, Jakarta EE und insgesamt über 415 Open-Source-Projekte. Mike Milinkovich, der Executive Director der Eclipse Foundation, konnte nicht alle in seiner Keynote aufzählen, da es so viele sind. Darunter sind Runtimes, Tools, Spezifikationen und Frameworks für Cloud- und Edge-Anwendungen, IoT, KI, Automotive, Systems Engineering, RISC-V-basierte offene Prozessorarchitektur und viele weitere.
Mit was die Mitglieder der Foundation am häufigsten programmieren, sollte eine Umfrage herausfinden. Der diesjährige „Jakarta EE Developer Survey Report“ zeigt einen Zuwachs bei der Nutzung von Jakarta EE sowie ein wachsendes Interesse an Cloud Native Java. „Deren zunehmende Verbreitung“, so Milinkovich, „unterstreicht, wie das Java-Ökosystem für den Geschäftsbereich mit modernen Entwicklungsmethoden mitwächst.“ Jakarta EE (Enterprise Edition) beruht auf der Microsoft-Azure-Implementierung von Java.
Spring bzw. Spring Boot bleibt laut Umfrage zwar noch das beliebteste Java-Framework für Cloud-Native-Anwendungen, doch verzeichnen Jakarta EE und MicroProfile (Java EE für eine Microservices-Architektur) ein „signifikantes Wachstum“. 32 Prozent der Befragten sind zu Jakarta EE gewechselt (2023 waren es 26 Prozent). Der Einsatz von Version 10 hat sich laut Report auf 34 Prozent verdoppelt. Jakarta 10 soll noch in diesem Jahr ein Update mit der Versionsnummer 11 erhalten, das unter anderem „innovative Cloud-Funktionen“ sowie verbesserten Datenbankzugriff mit sich bringen soll. Microsoft will nach den Worten von Scott Hunter, VP of Product in der Azure Developer Experience, „einen Beitrag zum Release 11 leisten, gemeinsam mit Oracle, IBM Red Hat und Broadcom (VMware).“
„Wir bei Payara sind überzeugt: Jakarta EE bietet die perfekte Plattform für zukunftsfähige Anwendungen“, sagte Steve Millidge, Gründer und Geschäftsführer von Payara Services. „Wir haben uns der Weiterentwicklung von Jakarta EE verschrieben, denn wir sehen die Flexibilität, Standardisierung und Herstellerneutralität als zentrale Voraussetzungen für die Entwicklung von skalierbaren, interoperablen Cloud-Native-Anwendungen.“
„Das Interesse an der Harmonisierung von Jakarta EE mit Java-SE-Bestandteilen, etwa Records und Virtual Threads, ist auf 37 Prozent gewachsen“ (im Vorjahr: 30 Prozent), laut der Umfrage. Höchste Priorität hätten für die Jakarta-EE-Community folgende Themen: bessere Kubernetes-Unterstützung, Microservices, Anpassung an Java-SE-Neuheiten, Unterstützung von Testumgebungen sowie ein erhöhtes Innovationstempo. Nach Angaben von Thabang Mashologu, Vice President für Community & Outreach und Director der Eclipse Foundation Kanada, plane die Eclipse Foundation einen beschleunigten Release-Rhythmus.
Eclipse Software-Defined Vehicle (SDV)
Die Working Group Eclipse SDV war schon letztes Jahr sehr rege, sodass die Präsentationen voll waren. Laut Mashologu erfreut sich die Working Group auch dieses Jahr eines Wachstums bei den Mitgliederzahlen. In Deutschland zählen Mercedes-Benz, ZF, Microsoft, die BMW Group, Bosch und der Zulieferer Cariad zu den bekanntesten Mitgliedern. „Die Themen OEM, Anti-Trust und Lieferkette beziehungsweise Zulieferer“ stünden im Vordergrund, um mithilfe von geteilten Strukturen und gemeinsamer Entwicklung Innovationen zu erzielen. Weil diese Mitbewerber nicht kopieren dürften (Stichwort „Anti-Trust“), entwickeln sie auf einer offenen Basis gemeinsam. „Den Sicherheitsgurt würde man ja heute auch nicht mehr patentieren“, gibt Mashologu zu bedenken.
„Die SDV-Arbeitsgruppe verzeichnete 2023 erhebliches Wachstum, und wir gehen davon aus, dass sich diese Dynamik im Jahr 2024 nicht nur fortsetzen, sondern sogar noch beschleunigen wird“, sagte Mike Milinkovich. „Im Einklang mit dem Engagement unserer Community für die Transformation der Industrie verfolgen wir zwei Hauptziele.“ Das erste Ziele bestehe darin, die Open-Source-Community zu etablieren, die sich der Bereitstellung produktionsreifer Softwareplattformen widmet. Das zweite Ziel bestehe in der „Kultivierung eines robusten, herstellerneutralen Ökosystems, das sich darauf konzentriert, der gesamten automobilen Wertschöpfungskette einen greifbaren Mehrwert zu bieten.“ Um diese Ziele zu erreichen, konzentriere sich die Arbeitsgruppe laut dem Executive Director der Eclipse Foundation „auf die Entwicklung von Open-Source-Prozessen, die Qualitätsmanagement auf Automobilniveau, funktionale Sicherheit und Sicherheit in der Lieferkette gewährleisten.“
Stand: 08.12.2025
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Compliance
Womit das Thema „Regulierung“ und „Compliance“ im Raum steht. Darum, neue Regulatorien wie die DSGVO, den Cyber Resiliency Act (CRA) und den EU AI Act zur Geltung zu bringen, kümmere sich nach Angaben Mashologus die „Open Regulatory Compliance Working Group“, kurz ORC. „Sie arbeitet mit anderen Open-Source-Stiftungen wie etwa der Apache Foundation zusammen, aber auch mit Herstellern wie Mercedes Benz oder Nokia.“ Das Ziel sei es, standardmäßige Spezifikationen für „Security by Design“ für Open-Source-Software zu entwickeln und sie zusammen mit Standardisierungsgremien wie ISO, IEC, CEN oder CENELEC zu Standards der Industrie zu formen.
Die ThreadX Alliance
Die Eclipse Foundation gegründete die ThreadX Alliance. Ziel der neuen Initiative ist es, das kontinuierliche Wachstum und die Zukunftsfähigkeit des Echtzeitbetriebssystems (RTOS) Eclipse ThreadX und seines dynamischen Ökosystems sicherzustellen. Als weltweit erstes und einziges sicherheitszertifiziertes Open-Source-RTOS unterstützt ThreadX Milliarden von Geräten in einer Vielzahl von Branchen. Dazu zählen die Automobilindustrie, die Medizintechnik, die Luft- und Raumfahrt sowie die Produktion von Haushaltsgeräten und industriellen Steuerungen. ThreadX wurde bei Microsoft Azure weiterentwickelt und kürzlich der Eclipse Foundation übergeben.
Die ThreadX Alliance gewährleiste eine nachhaltig robuste Codebasis, kontinuierliche Optimierungen der Plattform sowie wichtige Sicherheitszertifizierungen. Durch den Beitritt zur Allianz würden Unternehmen vom Zugriff auf exklusive Ressourcen wie etwa Sicherheitshandbücher, profitierten. Gleichzeitig würden die Mitglieder einen aktiven Beitrag zur Entwicklung der nächsten Generation von Embedded-Systemen leisten.
„ThreadX läuft auf mehr als zwölf Milliarden Geräten und spielt seine Vorteile bereits in zahlreichen Embedded-Anwendungen erfolgreich aus“, sagte der Executive Director der Eclipse Foundation. „Mit der ThreadX Alliance gehen wir einen entscheidenden Schritt in Richtung Zukunftsfähigkeit der Plattform.“ Dadurch könnten Unternehmen nachhaltiger agieren und würden zudem auch wertvolle Werkzeuge und Ressourcen an die Hand bekommen, erläuterte Mashologu. Weiter führt er aus, dass diese die „Entwicklungsarbeit optimieren, Kosten reduzieren sowie die Marktreife von Produkten beschleunigen.“
Die OpenHW Group
„Die OpenHW Group ist der Eclipse Foundation beigetreten“, berichtete Frédéric Desbiens, Eclipse-Manager für Embedded- and IoT-Programme. Dieser Schritt solle die Entwicklung und Verbreitung von Open-Source-RISC-V-Prozessoren vorantreiben, die besonders für KI, IoT und Automobilanwendungen von großer Bedeutung seien. Wichtige Partner wie das Barcelona Supercomputing Center, Silicon Labs und Thales betonen die Bedeutung der Zusammenarbeit.
Unter der Leitung der Eclipse Foundation will die OpenHW Foundation weiterhin wichtige Projekte und Initiativen leiten und ausbauen, darunter: 64/32-bit-CPU-Kerne für Hochleistungssysteme wie Linux-basierte Server; 32-Bit-Embedded-Cores, optimiert für das Internet der Dinge, Edge-Computing und Unterhaltungselektronik; kleine, stromsparende Prozessoren, die sich perfekt für hochintegrierte Steuerungen eignen und die Steuerungselektronik in Embedded-Geräten ersetzen; eine anbieterneutrale Software-Validierungsplattform für eine Vielzahl von FPGA-Konfigurationen, einschließlich Cloud-Lösungen wie AWS-ES2-FPGA-Instanzen; und Funktionen, um Erweiterungen hinzuzufügen, Compiler zu verbessern und Emulatoren zu optimieren, die eine breite Unterstützung der RISC-V-Kerne in den neuesten Technologien gewährleisten.
Wachstumsmarkt: Globaler Süden
Der globale Süden steht als Markt im Fokus der Weiterentwicklung von Open-Source-Software. „Dies hat der jährliche GitHub Octoverse Report bestätigt“, sagte Mashologu. In den Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens (ohne Japan) wachse der Softwaremarkt am stärksten. Das hänge mit dem demografischen Wandel zusammen. Doch es gebe ein Ungleichgewicht: „77 Prozent der IT-Nutzer sind Endbenutzer und nur 21 Prozent Software-Schaffende.“
Die Frage sei, wie man aus Endbenutzern Entwickler machen könne. Gemeinsam haben das GitHub Education Program mit GitHub mehr als sieben Millionen Teilnehmer erreicht. Während es staatliche und private Optionen gebe, bleiben die Herausforderungen in Sachen Infrastruktur bestehen. Hierzu sagte Mashologu: „Es gibt häufige Stromausfälle, und der Zugang zum Internet ist nicht überall gegeben.“
In Zukunft werde der Internetzugang vermehrt satellitengestützt sein. Elon Musks „Starlink“ fand Nachahmer: AWS baut am „Projekt Kuiper“, und auch China beginnt, Tausende von Satelliten in eine niedrige Umlaufbahn zu befördern. Laut dem Octoverse Report erwartet GitHub, dass bis 2028 Indien die größte Open-Source-Entwicklergemeinde stellen wird. Mittlerweile sei Python die verbreitetste Programmiersprache und habe JavaScript abgelöst.
eSAAM 2024 on Data Spaces
Neben der OCX fand zeitgleich die Tagung eSAAM 2024 on Data Spaces statt. Auf dieser vierten eSAAM-Konferenz (Eclipse Security, AI, Architecture and Modelling) drehte sich alles um das Konzept der Data Spaces. Daten zu teilen und auszutauschen, ist eine Notwendigkeit, die sich besonders im KI-Bereich bemerkbar macht.
Doch auch weitere Herausforderungen wurden auf der Veranstaltung thematisiert: Wie die Interoperabilität oder die Governance, im Hinblick auf Datensouveränität und Vertrauen. Die Besucher der OCX beschäftigten sich unter anderem mit der Entwicklung von Datenkonnektoren, Datenschutztechniken, Vokabularien, Metadatenkatalogen und Frameworks für die Datensouveränität. Diese dürften für die EU Themen und Techniken von großer Bedeutung sein.