Die Broadcom-Übernahme zeigt Folgen Nutanix Next: VMware-Migration im Fokus

Von Dr. Jakob Jung 6 min Lesedauer

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Nutanix hat sich auf seiner Konferenz „Nutanix Next“ als Alternative zu Broadcom/VMware positioniert und lockt Kunden mit der Aussicht, viel Geld zu sparen.

Im vergangenen Monat hat die Nutanix-Veranstaltung „Next“ stattgefunden - der Softwarelieferant für Cloud-Infrastrukturen wirbt um die VMware-Kundschaft und rennt dabei offene Türen ein. (Bild:  Dr. Jakob Jung)
Im vergangenen Monat hat die Nutanix-Veranstaltung „Next“ stattgefunden - der Softwarelieferant für Cloud-Infrastrukturen wirbt um die VMware-Kundschaft und rennt dabei offene Türen ein.
(Bild: Dr. Jakob Jung)

Es ist eine Operation am offenen Herzen des Rechenzentrums, wenn VMware entfernt werden soll, wie die Nutanix-Verantwortlichen selbst zugeben, und sie wird viele Monate in Anspruch nehmen. Nichts zu tun kostet aber schon jetzt viel Geld und kann in Zukunft noch viel teurer werden, wenn Broadcom wenig für die Weiterentwicklung von VMware tut, wie wir es bereits bei den Broadcom-Akquisitionen CA und Symantec beobachten konnten.

Die Konferenz Nutanix Next vom 21. bis 23. Mai in Barcelona stand ganz im Zeichen der Migration - weg von Broadcom/VMware und hin zu Nutanix. Rajiv Ramaswami, President & CEO Nutanix, erläutert dazu: „Viele Kunden sind daran interessiert, 'VMware ESX' durch unseren kostenlosen Hypervisor 'AHV' zu ersetzen. Sie sind zur Migration bereit, aber das erfordert Vorbereitung. Es ist eine Transformation der Architektur. Es gibt den Weg über Container, der viel Aufwand erfordert, oder über die Public Cloud, der einfacher ist. In der Realität werden Unternehmen beides mischen“.

Rajiv Ramaswami, President & CEO Nutanix: „Viele Kunden sind daran interessiert, VMware ESX durch unseren kostenlosen Hypervisor AHV zu ersetzen.“(Bild:  Dr. Jakob Jung)
Rajiv Ramaswami, President & CEO Nutanix: „Viele Kunden sind daran interessiert, VMware ESX durch unseren kostenlosen Hypervisor AHV zu ersetzen.“
(Bild: Dr. Jakob Jung)

Ramaswami weist darauf hin, dass Kunden ihre IT unabhängig von der Hardware rationalisieren und skalieren wollen. Durch die Erweiterung des Hardwarerepertoires, das Nutanix mit seiner Plattform unterstützen kann, will der Hersteller Kunden in die Lage versetzen, das Beste aus ihren bestehenden Hardware-Investitionen herauszuholen.

„Unternehmen verwalten eine wachsende Zahl von Anwendungen vor Ort, in der öffentlichen Cloud und am Netzwerkrand und suchen nach einer einheitlichen Plattform für den Betrieb ihrer Legacy- und Container-Anwendungen“, sagt Tarkan Maner, Chief Commercial Officer bei Nutanix.

Laut Nutanix haben sich bereits 90.000 Kunden gemeldet, die nach den massiven Preiserhöhungen von Broadcom/VMware nach Alternativen suchen. Nutanix selbst zählt nur 29.000 Kunden. Nutanix ist jedoch nicht der einzige Anbieter von Migrationsangeboten. Viele Kundenverträge mit VMware (jetzt Broadcom) laufen erst in drei bis fünf Jahren aus. Das Thema wird uns also noch lange beschäftigen.

Das sagen die Kunden

Bas Dijkhuizen, Leiter des Kompetenzzentrums Infrastruktur beim Schweizer Lebensmittelhersteller Hero Group (unter anderem Produzent der Marken Schwartau Marmelade und Corny Müsliriegel), sagt: „Ich glaube, dass die ganze Broadcom-Entwicklung diese Diskussion anheizen wird, weil immer mehr Kunden sagen werden, dass sie eine Alternative haben wollen. Ich denke, in den nächsten Monaten werden die Leute einen Plan B angehen.“ Im Rahmen eines Projekts zur europaweiten Konsolidierung von Rechenzentren hat das Unternehmen zwei große Nutanix-Cluster in Frankfurt und Amsterdam eingerichtet.

Der Nutanix-Kunde Boyd Gaming, der allein in Las Vegas elf Kasinos betreibt, hat ein 18-monatiges Projekt zur Migration von VMware-Workloads auf den Nutanix Acroplis Hypervisor (AHV) durchgeführt. Gregg Lowe, Chief Information Officer von Boyd Gaming, erklärte, dass der AHV in der hyperkonvergenten Infrastruktur von Nutanix enthalten ist, was bedeutet, dass kein weiterer Hypervisor für die Ausführung virtueller Maschinen erforderlich ist: „Wenn wir uns VMware ansehen, zahlen wir zweimal für den Hypervisor. Warum sollten wir das tun?”

Party-Stimmung auf der Nutanix-Veranstaltung „Next“(Bild:  Dr. Jakob Jung)
Party-Stimmung auf der Nutanix-Veranstaltung „Next“
(Bild: Dr. Jakob Jung)

In Bezug auf seine Erfahrungen mit Broadcom beschrieb Lowe VMware als „fantastische Einnahmequelle für Broadcom“, die fünf bis sieben Jahre anhalten könne. „Ich war ein großer Fan von CA, aber nach dem Kauf durch Broadcom wurde viel Innovation gestoppt“, sagte Lowe. „Es braucht kontinuierliche Mittel und Forschung und Entwicklung, um die Plattform so zu behandeln, wie sie sein sollte. Ich glaube nicht, dass Broadcom in VMware investieren wird.”

Vorbehalte gegenüber Broadcom

Kyle Davies, Head of the Office of the CTO bei Digital-Workspace-Spezialist CDW, führt aus: „Es gibt etwa 15 VMware-Alternativen. Nutanix würde im Gartner-Modell im Leader Quadrant stehen. Was vielen Alternativen fehlt, ist die Breite der installierten Basis. Es geht nicht nur um Software, sondern auch um Hardware. Die gerade angekündigte Kooperation mit Dell ist ein starkes Argument für Nutanix“.

Natalya Yezhkova, Research Vice President beim Analystenhaus IDC, beurteilt die Situation so: „Die Kunden befinden sich in einer schwierigen Situation. Broadcom ist ein reifes Unternehmen mit einem etablierten Geschäftsmodell, das sich stark von dem von VMware unterscheidet. Broadcom wird an seinem Geschäftsmodell festhalten und VMware schnell absorbieren.“

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Natalya Yezhkova, Research Vice President bei IDC

Simon Robinson, Principal Analyst bei der Enterprise Strategy Group, fügt hinzu: „Die Kunden sind sehr verunsichert und werden neue Bezugsquellen prüfen. Viele Anbieter werden versuchen, daraus Kapital zu schlagen. Broadcom spricht nicht viel über Integration. VMware hat sich im Zentrum des Rechenzentrums etabliert, aber Broadcom zweifelt an der Effizienz der VMware-Methode und hat andere Ansichten zur Optimierung“.

Steve McDowell. Chief Analyst Nand Research, betont: „Broadcom will hohe Margen erzielen und hat genau kalkuliert: Die Preiserhöhung liegt knapp unter der Schwelle, wo es für Großkunden schmerzhaft wird. IBM Mainframes sind seit 30 Jahren nicht mehr weiterentwickelt worden, und es gibt immer noch genügend Kunden, die sie nutzen.

Red Hat und HPE

Im vergangenen Monat haben Red Hat mit „Openshift“ und HPE ihren Hut als VMware-Alternativen in den Ring geworfen. Die Migration sei schmerzhaft und Services seien wichtig. IBM werde sein Beratungsteam gemeinsam mit Red Hat auf dieses Thema konzentrieren.

Es geht den Kunden nicht um Lizenzen, sondern um die Kosten der Migration. Einige Kunden haben kurz vor der Preiserhöhung noch neue Lizenzen gekauft. Cloud-native Kunden werden zuerst umsteigen. Kunden mit einer Legacy-Infrastruktur tun sich schwerer, so der Tenor unter Kunden, Analysten und VMware-Konkurrenzanbietern.

Dave Gwyn, Senior Vice President Worldwide Channels Nutanix, berichtet aus Partnersicht über die Migration von VMware-Kunden: „Wir hören, dass sich unsere Partner Sorgen um ihre Kunden machen.“ Die Reseller machten sich Sorgen, dass 700 Millionen Umsatz vom Markt verschwinden könnten.

Gwyn sagt: „Das ist nicht einfach. Sowohl Nutanix als auch VMware bieten Plattformen an, die Migrationsaufwand erfordern. Auch die Hardware und die Softwarelizenzen müssen berücksichtigt werden. Der Trend geht in unsere Richtung, aber der Verkaufszyklus braucht Zeit“.

Neue Kooperationen

1. Nutanix und Dell: Die „Nutanix Cloud Platform for Dell Powerflex“ wird die Nutanix Cloud Platform, die auf dem AHV Hypervisor basiert, mit Dell Powerflex für Storage verbinden. Dell wird außerdem eine integrierte, schlüsselfertige hyperkonvergente Appliance anbieten, die die Nutanix Cloud Platform mit Dell-Servern kombiniert. Nach einer ähnlichen Vereinbarung mit Cisco Systems Mitte 2023 ist Dell der zweite OEM-Anbieter, der komplette Hardwaresysteme mit integrierter Nutanix-Technologie entwickelt.

2. Nutanix und Nvidia haben eine Zusammenarbeit angekündigt, um Unternehmen die Einführung von generativer KI (GenAI) zu erleichtern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Integration von „Enterprise AI“-Microservices von Nvidia in Nutanix „GPT-in-a-Box 2.0“. Dies soll die Bereitstellung von NVIDIA NIM für KI/ML-Anwendungen in Unternehmen erleichtern.

3. Partnerschaft zwischen Nutanix und Hugging Face: Hugging Face hat sich als 'Github' für KI etabliert und ist auf Nutanix zugegangen, um Enterprise-ready zu werden. Die Hugging Face Large Language Models (LLMs) Bibliothek wird in GPT-in-a-Box 2.0 integriert.
Mikko Hyppönen, Chief Research Officer bei Withsecure, begrüßt die Partnerschaft zwischen Nutanix und Hugging Face: Er sieht darin einen wichtigen Schritt, um die Sicherheitsproblematik bei Open Source KI in den Griff zu bekommen.

Neue Technik

1. Nutanix erweitert KI-Fähigkeiten mit GPT-in-a-Box 2.0: Nutanix entwickelt neue Funktionen für Nutanix GPT-in-a-Box, darunter Integrationen mit „Nvidia NIM Inference Microservices“ und der Hugging Face Large Language Models (LLMs) Bibliothek. Nutanix GPT-in-a-Box ist eine Full-Stack-Lösung, die speziell entwickelt wurde, um die Einführung von KI in Unternehmen zu vereinfachen. Sie ist eng mit den Angeboten Nutanix Objects Storage und Nutanix Files Storage für die Modell- und Datenspeicherung integriert.

2. Nutanix vereinfacht den Betrieb von Kubernetes mit der Nutanix Kubernetes Platform (NKP), um die Verwaltung moderner Container-basierter Anwendungen mit Kubernetes zu vereinfachen.

3. Nutanix erweitert AHV mit neuen Enterprise-Funktionen und Bereitstellungsoptionen für große Unternehmensumgebungen. Darüber hinaus hat Nutanix neue Funktionen im AHV-Hypervisor eingeführt, um die Ausfallsicherheit zu erhöhen und Implementierungen im Unternehmensmaßstab zu unterstützen.

4. Nutanix fügt der Nutanix Cloud Platform jetzt Power Monitoring hinzu, das Einblicke in den Energieverbrauch einer Nutanix-Umgebung bietet. Dies soll Unternehmen helfen, ihre Nachhaltigkeitsplanung mit Stromverbrauchsdaten zu verbessern, die auf Messungen der verwendeten Hardware basieren und nahezu in Echtzeit aktualisiert werden.

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