Interview mit Peter Goldbrunner, Country Manager Germany and Austria bei Nutanix

Nutanix - künftiger Mittler im Multicloud-Kosmos

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dietmar Müller

Interview mit Peter Goldbrunner, seit rund einem Jahr Country Manager Germany and Austria bei Nutanix.
Interview mit Peter Goldbrunner, seit rund einem Jahr Country Manager Germany and Austria bei Nutanix. (Bild: gemeinfrei, kewl / Pixabay / CC0)

Nutanix expandiert im deutschen Markt. Der Spezialist für Hyperkonvergenz will nach Niederlassungen in München und Frankfurt auch ein Entwicklungszentrum in Berlin eröffnen. Im Auftrag von DataCenter-Insider hat sich Dietmar Müller mit Peter Goldbrunner, seit rund einem Jahr Country Manager Germany and Austria bei Nutanix, über die Expansionspläne unterhalten.

Nach Frankfurt und München kommt ausgerechnet Berlin: Was will ein so bodenständiges Hightech-Unternehmen wie Ihres in der abgehobenen Hauptstadt?

Peter Goldbrunner: Unsere Niederlassung in Berlin hat den Zweck, ein Stück weit eine Brücke zu neuen Entwicklungen zu eröffnen, aber auch zu Kunden. Es soll als Design-Center feststellen, was hierzulande die Kunden speziell nachfragen. Womit beschäftigen sie sich? An welchen Projekten arbeiten sie? Das muss für uns als Hersteller übersetzt werden – was können wir anbieten, um einen Bedarf zu decken? Mit diesen Fragen werden sich bald bis zu 20 Mitarbeiter in Berlin beschäftigen. Ähnliche Teams haben wir auch in Indien und den USA sitzen.

Wieso gerade Deutschland?

Peter Goldbrunner: Zum einen ist der deutsche Markt ein großer – zum anderen verfügen wir hier im Land über Global Players, die sehr innovativ aufgestellt sein müssen, um weiter in ihren Branchen zu führen. Für uns ist das ein sehr interessanter Markt und wir suchen immer nach neuen Wegen, um mit solchen Kunden in Interaktion zu treten.

Das könnte man doch auch in München oder Frankfurt machen – wieso also Berlin?

Peter Goldbrunner: In Berlin gibt es viele – auch viele Skills. Die Stadt verfügt über eine junge Entwicklergemeinde, ist modern und nicht zuletzt für die Mitarbeiter von Nutanix aus den USA attraktiv. Attraktiver auf jeden Fall als die Aussicht auf ein beschauliches Leben auf dem Lande irgendwo in Deutschland.

Spezifika des deutschen Rechenzentrumsmarktes

In den USA hat man manchmal seltsame Vorstellungen von Deutschland und seinem Markt. Wie schaffen Sie es, dem international aufgestellten Management von Nutanix klar zu machen, wie der deutsche Rechenzentrumsbetreiber tickt?

Peter Goldbrunner: Das bekommen wir schon irgendwie hin. Wenn man in den USA an Deutschland denkt, dann vor allem als riesiger Absatzmarkt. Auch unsere Global Players wie Deutsche Bank, BMW, Mercedes, BASF, Bayer und Adidas kennt dort jeder. Das spezifisch deutsche Thema „Mittelstand“ jedoch ist weniger präsent im Denken. Die damit verbundenen Implikationen müssen wir vermitteln. Das passiert nicht von heute auf morgen, sondern ist eine Reise.

In den Keynotes zur .Next-Konferenz war zu hören, dass Nutanix ein neues Rechenzentrum in London errichten wird, weitere auf dem europäischen Festland sollen folgen. Welche Standorte haben Sie im Auge? Frankfurt? Amsterdam?

Peter Goldbrunner: Wir haben mehrere Standorte im Blick. Wir erwägen zum Beispiel Frankfurt wegen des Themas Bandbreite. Wien erscheint mir auch sehr interessant, zumal die Stadt als Tor nach Osten gilt. Wir werden die genauen Standorte jedoch erst nach einer endgültigen Entscheidung bekanntgeben. Zudem wollen wir uns gar nicht ausschließlich auf die eigenen Rechenzentren stützen.

Zu bedenken gilt hier vielmehr unsere Art, wie wir Clouds bauen: Wir öffnen uns nämlich für Partner, die unsere Angebote in ihr eigenes Portfolio einbauen können. Wir sind darüber mit Partnern im Gespräch und mit jedem Reseller, der versucht, sich mit Cloud-Services ein zweites Standbein aufzubauen. Wir alle sind da noch in einer sehr frühen Phase der Positionierung, klar ist aber, dass es zwischen den großen Public Clouds etwa von Google oder Amazon und der Private Cloud noch viele weitere mögliche Positionen gibt.

So viel steht aber fest: Clouds führen zur Standardisierung, diese führt zur Automatisierung und hält daher ein hohes Potential für alle Beteiligten bereit.

Standardisierung als Einstieg in die digitale Transformation

Wie sieht eine typische Interaktion mit potentiellen Kunden aus? Kommen die auf Sie zu und benennen ihre Probleme, und sie bieten Lösungen an - oder wie muss man sich das vorstellen?

Peter Goldbrunner: Grundsätzlich bieten wir Technologien an, mit denen man Dinge anders tun kann als bisher. Uns stellt sich die Frage, ob wir die Marktführerschaft anstreben oder vielmehr den Versuch unternehmen sollten, unseren Kunden bestmöglich zu helfen. Und genau das wollen wir tun: Wir helfen Kunden auf ihrem Weg vom Rechenzentrum in die Cloud. Da sind wir beim Thema HCI – HyperConverged Infrastructure.

An uns werden in dieser ersten Phase vor allem technische Detailfragen herangetragen, etwa nach der Verteilung von Workloads oder nach bestimmten Zertifikaten. Einhergehend läuft das Thema Standardisierung, oft ohne dies als Projekt definiert zu haben. Die Standardisierung ist dann der Einstieg in die digitale Transformation.

In einem zweiten Schritt kommen wir dann auf die ganzen neuen Themen zu sprechen, etwa die Cloud Orchestrierung, die wir mit unseren Produkten wie Karbon, Era oder Calm abdecken. Da wird dann auch über die Rolle gesprochen, die das Datacenter in Zukunft spielen möchte. Die Rolle des Rechenzentrums, aber auch die Rolle des Leiters eines Rechenzentrums, verändert sich im Zuge der digitalen Transformation stark. Letzterer rutscht mehr in die Rolle eines Brokers, der sich entscheiden muss, von woher er seine Services beziehen möchte. Aus der eigenen Cloud? Aus der Public Cloud? Wo gibt es die günstigsten Services, wo die sichersten? Diese Themen versuchen wir zu moderieren.

HCI ist und bleibt aber schon ihr Brot-und-Butter-Geschäft, oder?

Peter Goldbrunner: Im Geschäftsjahr 2018 betrug unser Umsatz weltweit 1,16 Milliarden Dollar. Dabei sind 169 Millionen Dollar an Hardware-Umsatz nicht mehr mit eingerechnet, die wir früher mit verbucht haben. Allein mit Software und Support sind wir im Jahresvergleich um 47 Prozent gewachsen und haben hier 2018 einen Jahresumsatz von 898,1 Millionen Dollar erzielt. Darüber hinaus steigen unsere Umsätze mit Abonnements kräftig, allein im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2019 um 104 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres – ein interessanter Markt.

Unsere HCI-Produkte führen zum Einsatz einer Public Cloud, diese vielleicht zum Einsatz weiterer Public Clouds. Oder zurück wieder ins eigene Rechenzentrum. Hier eröffnet sich ein völlig neuartiger Markt, quasi ein ganzer Kosmos, für alle Beteiligten. Wir sehen uns dabei als Mittler, eine Rolle, die aktuell kein anderes Unternehmen einzunehmen in der Lage ist. Im besten Fall wird Nutanix zum Betriebssystem für das gesamte Rechenzentrum.

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