Finanz- und Versicherungen bezweifeln Compliance ihrer IT-Infrastruktur

Hilfe! Bankenregularien fordern Handeln, auch im Rechenzentrum

| Redakteur: Ulrike Ostler

Statue Europa von der Fassade der ehemaligen Alten Börse, geschaffen von Johann Nepomuk Zwerger (1796–1868) nach dem Entwurf von Karl Eduard Wendelstadt (1815–41)
Statue Europa von der Fassade der ehemaligen Alten Börse, geschaffen von Johann Nepomuk Zwerger (1796–1868) nach dem Entwurf von Karl Eduard Wendelstadt (1815–41) (Bild und Text: Wikipedia/Mylius)

Interxion, Anbieter von Rechenzentrums-Dienstleistungen, und JWG-Analysten haben die voraussichtlichen Auswirkungen der bevorstehenden Finanzmarktregulierung auf die IT-Infrastrukturen von Banken- und Versicherungsunternehmen in ganz Europa untersucht. 90 Prozent fühlen sich unvorbereitet.

Banken und Versicherungen gehören zur den Konzernen, die viel IT im eigenen Haus, beziehungsweise durch Tochtergesellschaften betreiben, bis hin zu großen Rechenzentren. Die jüngsten Finanzkrisen und die daraus resultierenden Beschlüsse der G20-Staaten zur Abwehr neuer Krisen und zur Compliance müssen Auswirkungen auf die Informations- und Kommunikationsstrukturen in der Finanzbranche sowie sowie auf das Kontroll-, Berichts- und Dokumentationswesen der betroffenen Institutionen haben.

Mehr als 4.000 Seiten regulatorischer Anforderungen wurden von den G20-Staaten vereinbart. Dazu gehören neue Eigenkapitalvorschriften wie Basel III und Solvency II ferner Reformen wie MiFID II und die „European Market Infrastructure Regulation“ (EMIR).

Die Interxion Holding NV und JWG haben in einer unabhängigen Studie eruiert, ob die Banken- und Versicherungsindustrie ihre IT und speziell ihre Rechenzentren entsprechend präpariert haben. Doch da sieht es düster aus: 90 Prozent der Befragten IT-Entscheider sind sich unsicher, ob ihre Infrastrukturen den Sicherheits-, Compliance und Performance-Anforderungen rechtzeitig genügt.

Schon bald regnet es Geldstrafen

So erfordern diese Regelungen bereits ab 2012 die Anpassungen der IT-Infrastrukturen, deren Ausweitung und Umsetzung die Branche bis zum Ende des Jahrzehnts beschäftigen werden. Nach Studienergebnissen glauben 71 Prozent der Befragten, dass sie ihre Altsysteme bis zum Ablauf der Frist im Jahr 2015 nicht vollständig aktualisieren können, damit diese den neuen Richtlinien entsprechen.

Eine überwältigende Mehrheit von 90 Prozent erwartet bereits zum Jahresende Geldstrafen für mangelnde Compliance, die sich auf mehrere Zehnmillionen Dollar summieren können. 40 Prozent räumen ein, dass ihre IT-Infrastruktur die Anforderungen der bevorstehenden Regulierung nicht abbilden kann. Rund 30 Prozent benötigen die Unterstützung externer Rechenzentren, um Compliance- und Sicherheits-Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig die Kapitaldecke für betriebliche Risiken zu verringern.

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Mangelnde Flexibilität in der IT ist ein Problem

PJ Di Giammarino, CEO von JWG kommentiert die Studie: „Viele Finanzinstitutionen betreiben ihre Dienste auf unterschiedlichen Systemen. Deren Komplexität und mangelnde Flexibilität erschwert es jedoch, den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden. Die Nichtbeachtung von Compliance-Vorschriften jedoch birgt das Risiko empfindlicher Geldstrafen und kann sogar zum Verlust der Betriebslizenz führen.“

Er identifiziert zugleich ein gravierendes Problem: Die Verantwortung für Compliance liege in weiten Teilen bei den IT- und operativen Abteilungen. Es mangele aber an der Zusammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde, um die richtigen Standards zu setzen. Es gibt also eine klare Trennung zwischen den IT-Infrastrukturverantwortlichen und den Compliance-Experten, die es möglichst kurzfristig zu überbrücken gelte. Nur dann könnten betroffene Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten und gleichzeitig den neuen Richtlinien gerecht werden.

Kevin Dean, Chief Marketing Officer von Interxion, hingegen lenkt den Blick auf die Herausforderungen im Rechenzentrum. Die Auswirkungen der G20-Reform zur Regulierung von IT-Infrastrukturen auf Finanzinstitutionen seien signifikant und es bestehe kein Zweifel, dass die betroffenen Unternehmen in die „richtige“ Technologie investieren müssten.

Basel III und Solvency II bremsbr bremsen RZ-Investments aus

Dean sagt: „Eigene Rechenzentren zu errichten ist aufgrund der Kapitalbeschränkungen durch Basel III und Solvency II sowie der anhaltenden Verbreitung von Altsystemen für viele Unternehmen keine Option mehr. Daher überdenken Banken und Versicherungen heute verstärkt ihre Rechenzentrumsstrategie und ziehen die Auslagerung ihrer Systeme in Betracht.“

JWG wird die vollständige Studie am 22. März in London im Rahmen einer Diskussionsrunde mit Branchenexperten vorstellen und am 29. März ein Webinar dazu veranstalten. Interessierte aus der Banken- und Versicherungsbranche können sich hier für eine kostenlose Teilnahme an beiden Veranstaltungen registrieren.

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