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Die Fäden sind gespannt Europäisches Supercomputer-Kompetenznetz soll Wissen verweben

| Redakteur: Ulrike Ostler

Eigentlich arbeiten die Betreiber von Supercomputern ohnehin zusammen, insbesondere in Europa, beim „Deep Est“- oder „Human Brain“-Projekt etwa. Doch jetzt gibt es ein „Europäisches Supercomputer-Kompetenznetz“. Der Startschuss ist gestern gefallen.

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Der Supercomputer "Hawk" am HLRS in Stuttgart - Das EuroCC wird vom Gauss Centre in Stuttgart (Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart, HLRS) geleitet.
Der Supercomputer "Hawk" am HLRS in Stuttgart - Das EuroCC wird vom Gauss Centre in Stuttgart (Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart, HLRS) geleitet.
(Bild: HLRS)

Das Europäische Supercomputer-Kompetenznetz (EuroCC) soll dazu führen, dass bestehende Supercomputing-Zentren innerhalb Europas vernetzt werden und das Computing-Wissen europaweit zur Verfügung gestellt wird. So sieht es jedenfalls die Bundesforschungsministerin Karliczek: „Mit den Supercomputing-Zentren stärken wir die technologische Souveränität Deutschlands und Europas. Supercomputing ist eine wesentliche Grundlage für exzellente Wissenschaft und innovative Industrieanwendungen, denn komplexe Probleme können mit höchster Rechenleistung gelöst werden.“

Das Netz hat jedoch bereits eine längere Vorgeschichte. So zählt die Gründung des Unternehmens Euro HPC im Jahr 2018 als Beginn eines neuen, europaweiten Ansatzes für das Hochleistungsrechnen (HPC). Denn eine engere Koordinierung auf der Ebene der Infrastruktur und Ressourcenzuweisung („PRACE“), der Technologie-Entwicklung (Europäische Prozessor-Initiative) und der Entwicklung fortschrittlicher Software (Exzellenzzentren für HPC-Anwendungen) wurde der Aufbau eines möglichst nachhaltigen und wettbewerbsfähigen europäischen HPC-Ökosystem erleichtert.

Zugleich hat sich auch eine Schwäche gezeigt: Das Fehlen einer umfassenden europäischen HPC-Strategie, sagen die Beteiligten. Es fehle ein europaweit einheitlich hohes Niveau an Fachwissen im Hochleistungsrechnen und in verwandten Disziplinen wie der Hochleistungsdatenanalyse und der künstlichen Intelligenz.

Audits und Leistungssteigerungen

Um mit der Schaffung einer Grundlage für die Deckung dieses Bedarfs zu beginnen, hat EuroHPC unter der Schirmherrschaft des „Horizon 2020“-Fonds der Europäischen Union einen Vorschlag des Höchstleistungsrechenzentrums Stuttgart (HLRS) und des Gauss Centre for Supercomputing (GCS) zur Schaffung eines europaweiten Netzwerks nationaler HPC-Kompetenzzentren, genannt EuroCC, angenommen. Als das Projekt Gestalt annahm, benannten 33 teilnehmende Mitgliedsstaaten jeweils ein HPC-Zentrum als nationales Kompetenzzentrum.

Die erste Phase des Projekts wird zwei Jahre dauern und hat gestern offiziell begonnen. Dazu gehört, dass jedes Kompetenzzentrum ein Audit der HPC-Kompetenzen auf nationaler Ebene durchführen und die im ganzen Land vorhandenen Fachkenntnisse und Wissenslücken ermitteln wird. Mit der Zeit sollen die Kompetenzzentren zu nationalen Ressourcen für die Ermittlung und Koordinierung von technischem Wissen, Ausbildungsressourcen, industrieller Reichweite sowie HPC-Dienstleistungen und -Tools für alle Rechenzentren in ihren Heimatländern werden.

Etwa die Hälfte der Mittel zur Unterstützung des Aufbaus jedes Kompetenzzentrums rund 60 Millionen Euro wird von der EU bereitgestellt, also 30 Millionen, während die andere Hälfte aus den einzelnen Ländern kommt. Der deutsche Beitrag in Höhe von rund 750.000 Euro wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) übernommen.

Bundesministerin Anja Karliczek: „In Deutschland sind wir mit dem Gauss Centre for Supercomputing in Jülich, München/Garching und Stuttgart bereits heute europäische Spitze.“
Bundesministerin Anja Karliczek: „In Deutschland sind wir mit dem Gauss Centre for Supercomputing in Jülich, München/Garching und Stuttgart bereits heute europäische Spitze.“
(Bild: BMBF)

Gleichzeitig wird das HLRS zusammen mit GCS, Cineca, Teratec, dem Barcelona Supercomputing Center und PRACE eine eng damit verbundene Koordinations- und Unterstützungsaktivität mit der Bezeichnung „CASTIEL“ (Coordination and Support for National Competence Centres on a European Level) leiten. [Übrigens: Castiel ist in der jüdischen Mythologie der Name eines Engels: 'Geschwindigkeit Gottes' und hat auch als Schutzpatron der an einem Donnerstag Geborenen Bedeutung] Während EuroCC das HPC-Fachwissen innerhalb der einzelnen Mitgliedsstaaten koordiniert, soll CASTIEL Aktivitäten zur Förderung der Interaktion und des Austauschs von Fachwissen im gesamten EuroCC-Netzwerk leiten.

Letztlich soll CASTIEL eine europaweite Kompetenzlandkarte entwickeln, die sowohl die verfügbaren Ressourcen als auch die Wissenslücken in allen EuroCC-Kompetenzzentren katalogisieren wird. Sobald die Bedürfnisse und Möglichkeiten identifiziert sind, wird es dann Aktivitäten wie internationale Workshops, Mentoring- und Partnerschaftspartnerschaften sowie themenspezifische Arbeitsgruppen koordinieren, die sich mit Fragen von gemeinsamem Interesse befassen.

Das Gauss Centre for Supercomputing umfasst die drei deutschen Supercomputing-Zentren in Jülich, München/Garching und Stuttgart. Zusammen betreiben sie die größte und leistungsfähigste Supercomputing-Infrastruktur in Europa. Sie bedienen damit eine Vielzahl von wissenschaftlichen und industriellen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in verschiedensten Disziplinen: von der Astrophysik bis zur Aerodynamik von Automobilen.

Die Zentren bieten auch Aus- und Weiterbildung auf höchstem Niveau für nationale und europäische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Gauss Centre wird gemeinsam vom BMBF und den Ländern Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen finanziert.

Karliczek sagt: „Der heutige Start des Europäischen Supercomputer-Kompetenznetzes ist ein starkes Signal, dass wir mit dem Supercomputing in Europa für das digitale Zeitalter optimal gerüstet sind. Wir unterstützen hiermit die Digitalisierung von Wissenschaft und Wirtschaft weiter. Ich verspreche mir vom neuen Netzwerk vor allem, vermehrt kleine und mittlere Unternehmen an Supercomputing heranführen zu können. Wir wollen sie dabei unterstützen, die Vorteile von modernen Simulations- und Analysemethoden zu nutzen. Das erhöht die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit Deutschlands und Europa.“

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