Machwürth Team International ermittelt das Einsparpotenzial Erfahrungen mit nachhaltigem Wirtschaften, Lernen & Beraten

Von Lukas Leist*

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Beim Online-Beraten, -Trainieren und -Konferieren werden weniger Ressourcen verbraucht. Zudem verringert sich aufgrund der geringeren Zahl von Reisen der CO2-Ausstoß. Das zeigt die Corona-Zeit. Dieses Einsparpotenzial möchte das Machwürth Team International gezielt heben, um nachhaltiger zu wirtschaften und zu arbeiten.

Durch die Corona-Pandemie hat Nachhaltigkeit bei dem Beratungsunternehmen Machwürth Team International eine Chance bekommen; jetzt soll das Pflänzchen wachsen.
Durch die Corona-Pandemie hat Nachhaltigkeit bei dem Beratungsunternehmen Machwürth Team International eine Chance bekommen; jetzt soll das Pflänzchen wachsen.
(Bild: Dominique Knobben auf Pixabay)

Die Corona-Krise macht vielen Unternehmen ihre Abhängigkeit von einem intakten Umfeld bewusst. Zeitgleich ist vielen Akteuren in der Wirtschaft aufgrund der zunehmend spürbaren Folgen des Klimawandels klar geworden, wie abhängig wir nicht nur als Menschen von einer intakten Umwelt sind, sondern wie stark deren Befinden auch unser wirtschaftliches Handeln beeinflusst.

Das hat viele Unternehmen veranlasst, ihr bisheriges Handeln zu überdenken. So auch das international agierende Beratungsunternehmen Machwürth Team International (MTI), Visselhövede, das außerhalb des deutschsprachigen Raums unter dem Namen MTI Consultancy firmiert.

Scheinbar Selbstverständliches wird hinterfragt

Sein Inhaber Hans-Peter Machwürth gesteht offen: „Bis zum Ausbruch der Pandemie betrachteten wir unseren Ressourceneinsatz und -verbrauch primär unter finanziellen Gesichtspunkten. Und auch die hohe Reisetätigkeit unserer Berater war für uns so selbstverständlich, dass wir sie kaum hinterfragten.“

Doch dann kam Corona. Und spätestens ab dem 1. Lockdown im März 2020 war sozusagen alles anders. Präsenzseminare und -Trainings waren plötzlich nicht mehr möglich. Ähnliches galt für Kundenbesuche aufgrund der Corona-Reisebeschränkungen. „Das war ein echter Schock für uns“, erinnert sich Machwürth, „und anfangs wir uns oft, ob unser Unternehmen, zumindest in seiner bisherigen Struktur die Corona-Krise überlebt – auch weil wir als Beratungsunternehmen mit fast 500 Mitarbeitern und Kooperationspartnern hohe Fixkosten haben.“ Also muss der Rubel rollen.

Corona puscht das Online-Lernen und -Kommunizieren

Entsprechend fieberhaft hatte MTI, allein und im Dialog mit seinen Kunden, begonnen zu überlegen: Wie können wir trotz der Corona-Restriktionen die geplanten Maßnahmen durchführen, wenn auch mit einer teils anderen Schwerpunktsetzung? zum Beispiel, indem wir unsere Trainings und Seminare, Beratungen und Coachings verstärkt online durchführen?

Zugute ist MTI dabei gekommen, dass das Unternehmen, auch aufgrund seiner internationalen Tätigkeit, schon seit vielen Jahren die moderne, digitale Informations- und Kommunikationstechnik intensiv für seine Beratungsarbeit nutzt und zum Beispiel beim Roll-out von Personal- und Organisationsentwicklungsmaßnahmen solche Tools wie E-Learning-Plattformen einsetzt.

„Deshalb hat bei vielen unserer Großkunden“, so Machwürth, „bereits die technische Infrastruktur bestanden, um die geplanten Entwicklungsmaßnahmen online durchzuführen – auch wenn nicht selten, weil die Mitarbeiter nun im Homeoffice gearbeitet haben, ein technisches Nachrüsten notwendig gewesen ist.“ Deshalb sind viele globale Trainingsmaßnahmen, zum Beispiel bei solchen MTI-Schlüsselkunden wie Bosch Rexrodt und Sartorius, rasch auf ein Online-Lernen beziehungsweise Blended Learning, bei dem das klassische Präsenz-Lernen mit dem Online-Lernen verknüpft ist, umgestellt worden.

Der Weiterbildungsmarkt hat sich nachhaltig verändert

Dabei zeigte sich laut Machwürth auch: „Diese Form des Lernens – unter anderem mit unserer E-Learning-Plattform LMS – hat auch didaktische Vorzüge: So werden bei ihm zum Beispiel die Eigeninitiative und -verantwortung der Teilnehmenden stärker als beim klassischen Präsenzlernen stimuliert, was sich auch positiv auf den Lernerfolg auswirkt.“

Durch diese Aktivitäten – „und dank der Corona-Hilfen der Bundesregierung“, so Machwürth – haben sich die anfänglichen Befürchtungen der MTI-Entscheider, ihre Organisation werde eventuell die Corona-Krise nicht überstehen, rasch in Luft aufgelöst. Stattdessen haben sich ihnen und den MTI-Mitarbeitern, die nun fast alle im Home-Office arbeiten, neue Fragen gestellt, zum Beispiel: Wie stark werden sich durch Corona der Beratungsmarkt und die Weiterbildungslandschaft langfristig verändern?

Dabei ist schnell klar geworden: Gewisse durch Corona ausgelöste beziehungsweise forcierte Veränderungen werden unumkehrbar sein, selbst wenn das Virus, wie von Zauberhand, plötzlich aus der Welt verschwinden würde.

Hans-Peter Machwürth: „Bis zum Ausbruch der Pandemie haben wir unseren Ressourceneinsatz und -verbrauch primär unter finanziellen Gesichtspunkten betrachtet.“
Hans-Peter Machwürth: „Bis zum Ausbruch der Pandemie haben wir unseren Ressourceneinsatz und -verbrauch primär unter finanziellen Gesichtspunkten betrachtet.“
(Bild: Machwürth Team International)

So wird zum Beispiel die Weiterbildungslandschaft künftig weitgehend eine hybride sein. Das heißt: Das Präsenzlernen wird, bedarfs-, teilnehmer- und zielorientiert, viel häufiger mit einem Online-Lernen verknüpft. Zudem werden Online-Beratungen und -Coachings verstärkt nachgefragt werden. Deshalb hat das Unternehmen unter anderem die Online-Coaching-Plattform „MTI Coaching Pro“ entwickelt.

Zunehmend haben sich den MTI-Entscheidern und Mitarbeitern aber auch Fragen aufgedrängt wie:

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„Fragen, die wir eigentlich alle auch schon vor Corona zumindest im Hinterkopf hatten, aber in unserer Alltagsarbeit weitgehend verdrängten, haben plötzlich auf unserer Agenda gestanden“, räumt Machwürth ein. Also habe MTI seine gesamte Geschäftstätigkeit daraufhin hinterfragt: Wie können wir nachhaltiger wirtschaften und arbeiten und unseren Ressourcenverbrauch minimieren.

Die Einsparpotenziale bei der Beraterarbeit

MTI hat zum Beispiel folgende Modellrechnung bezogen auf den Papierverbrauch erstellt:

„Im Jahr führen wir rund 2.000 Workshops durch. Wenn wir in jedem Workshop ausgedruckte Teilnehmerunterlagen zur Verfügung stellen, haben wir hierdurch folgenden Papierverbrauch:

2.000 x ca. 100 Blatt = 200.000 A4 Blatt;
à 5 Gramm = 10.000.000 Gramm oder 10.000 Kilo.

Das heißt: Wir sparen zirka 10 Tonnen Papier, wenn wir die Workshops künftig online durchführen. Zudem benötigen wir drei der vier Kopiersysteme in unserer Zentrale nicht mehr.“

Die Firmenzentrale von Machwürth Team International in Visselhövede.
Die Firmenzentrale von Machwürth Team International in Visselhövede.
(Bild: Machwürth Team Internationa)

Außerdem haben sich sich die MTI-Entscheider und Mitarbeiter gefragt: „Wie stark reduziert sich unser CO2-Ausstoß, wenn wir unsere Meetings und Trainings fortan weitgehend online durchführen und auch unsere Reisen entsprechend reduzieren?“ Das Ergebnis war folgende Modellrechnung.

„Wenn wir zwei Drittel unserer Trainings und Meetings mit Kunden online realisieren, muss folgende Kilometerzahl weniger per Auto, Bahn oder Flugzeug (nur Kurzstrecken-Flüge) zurückgelegt werden:

2.000 Trainings x 66 Prozent = 1.320 Trainings/Meetings
Reisen Trainer: 1.320 Workshops x im Durchschnitt 300 km = ca. 400.000 km
Reisen Teilnehmer: 1..320 Workshops x im Durchschnitt 10 Teilnehmer x 100 km = ca. 1.320.000 km
Reisevolumen insgesamt: rund 1.720.000 km

Wenn zudem die Mitarbeiter in der Zentrale künftig zwei bis drei Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten, bedeutet dies:

23 Mitarbeiter fahren 110 Tage/Jahr (50%) weniger ins Büro:
1.150 Tage x 20 km = ca. 50.600 km

Das heißt: Insgesamt werden pro Jahr rund 1.770.600 km/Jahr weniger gefahren. Das entspricht bei einer CO2-Emission von 150 Gramm/km einer Gesamt-CO2-Reduktion von rund 266 Tonnen (ohne Berücksichtigung der Mittel- und Langstreckenflüge).

Ein eigenes Nachhaltigkeitskonzept erstellt

Auf Basis ähnlicher Überlegungen und Modellberechnungen entwickelte MTI dann ein Nachhaltigkeitskonzept, das auf den drei Säulen soziale, ökonomische und ökologische Verantwortung beruht.

„Das Dreieck der Nachhaltigkeit“
„Das Dreieck der Nachhaltigkeit“
(Bild: Machwürth Team International)

Dieses beinhaltet auch, dass in der MTI-Zentrale eine eigene Photovoltaik-Anlage für den Strom sorgt und eine Nachtabschaltung aller technischen Geräte den Stromverbrauch reduziert. Die im Nachhaltigkeitskonzept definierten Maßnahmen sind inzwischen, oft im Dialog mit den Kunden, weitgehend realisiert, so dass MTI die geplanten Ressourceneinsparungen erzielen kann.

Zugleich entwickelt eine Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit im Dialog mit der Geschäftsleitung das Nachhaltigkeitskonzept aber kontinuierlich weiter. „Denn wenn es um das Thema Nachhaltigkeit und die damit verbundenen organisationalen Veränderungen sowie Einstellungs- und Verhaltensänderungen geht, sind auch wir noch Lernende“, betont Machwürth, „obwohl sich unser ,Grüner Fußabdruck‘ schon stark verbessert hat.“

Das eigene Verhalten strahlt auf das Umfeld aus

Dessen ungeachtet haben inzwischen viele MTI-Kunden registriert, dass das Beratungsunternehmen sich intensiv mit dem Thema „nachhaltig wirtschaften und arbeiten“ befasst. Deshalb haben einige von ihnen MTI-Berater engagiert, die in ihrer Organisation in entsprechenden Projekten mitarbeiten.

In ihnen dienen die 17 von den Vereinten Nationen formulierten Nachhaltigkeitsziele bzw. Sustainable Development Goals (SDGs) oft als Basis für eine Reflektion (siehe auch: Kasten):

  • Was bedeutet für uns ein nachhaltiges Wirtschaften und Arbeiten?
  • Worin zeigt sich ein solches in unserer Alltagsarbeit in all unseren Geschäftsbereichen und -prozessen?
  • Welche Entwicklungsziele sind unsererseits damit verbunden – ökonomisch, ökologisch und sozial? Und:
  • Welche Veränderungen sind hierfür in unserer Organisation auf der kulturellen, strukturellen und prozessualen Ebene nötig?

Aus den Ergebnissen werden dann entsprechende Change-Projekte abgeleitet. Das heißt: Die Botschaft, dass ein nachhaltiges Wirtschaften und Arbeiten für das Bewahren der Voraussetzungen für ein menschliches Leben in Würde auf der Erde künftig unabdingbar ist, ist in vielen Unternehmen angekommen.

Dies ist eine der positiven Nebenwirkungen von Corona. Ende 2021 wird MTI seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht publizieren, in dem das Unternehmen ausführlich über seine Erfahrungen bei der Transformation der eigenen Organisation berichten wird.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen

2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen die „Agenda 2030“. In ihr sind 17 globale Ziele für eine nachhaltige Entwicklung formuliert. Die so genannten Sustainable Development Goals (SDGs) richten sich an alle Regierungen weltweit, aber auch die Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Wissenschaft.

Die Agenda 2030 soll ihnen als Wegweiser für ihr künftiges Handeln dienen mit dem Ziel, der Menschheit dauerhaft ein menschenwürdiges Leben auf der Erde zu ermöglichen und die natürlichen Grundlagen hierfür zu bewahren. Die Agenda umfasst ökonomische, ökologische und soziale Aspekte.

Ziel 1: Armut in jeder Form und überall beenden, wie die absolute, existenzbedrohende Armut vieler Menschen weltweit beseitigen und die relative Armut mancher Bevölkerungsgruppen in vielen Staaten reduzieren.

Ziel 2: Ernährung weltweit sichern, unter anderem durch eine nachhaltige Landwirtschaft und ländliche Entwicklung.

Ziel 3: Gesundheit und Wohlergehen fördern, unter anderem allen Menschen einen Zugang zu einer guten medizinischer Versorgung, gesunder Ernährung, sauberem Wasser und guter Luft ermöglichen.

Ziel 4: Hochwertige Bildung weltweit , etwa alle Menschen sollen eine inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung erhalten.

Ziel 5: Gleichstellung von Frauen und Männern – nicht nur rechtlich, sondern auch im Alltagsleben.

Ziel 6: Wasser in bester Qualität, zum Beispiel eine sichere und nachhaltige Versorgung aller Menschen weltweit mit sauberem (Trink-)Wasser gewährleisten.

Ziel 7: Bezahlbare Energie aus sauberen, nachhaltigen Energiequellen, zum Beispiel als Voraussetzung für eine wirtschaftliche und soziale Entwicklung und einen effektiven Umwelt- und Klimaschutz.

Ziel 8: Ein nachhaltiges Wirtschaften als Chance für alle, unter anderem global für soziale Mindeststandards und ein adäquates (Arbeits-)Einkommen sorgen.

Ziel 9: Innovation und Infrastruktur-Ausbau, etwa durch intelligente Innovationen, moderne Infrastrukturen und eine leistungsfähige Industrie für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum sowie nachhaltige Bildungs- und Gesundheitssysteme sorgen.

Ziel 10: Weniger Ungleichheiten, beispielsweise weltweit die aktuelle Ungleichheit bei den Einkommen, Vermögen und Entwicklungschancen verringern.

Ziel 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden, das heißt zum Beispiel: bezahlbaren Wohnraum schaffen und eine integrierte Stadtentwicklungspolitik betreiben.

Ziel 12: Nachhaltig produzieren und konsumieren, unter anderem mit den begrenzten natürlichen Ressourcen sparsam und umwelt-, klima- und gesundheitsschonend umgehen.

Ziel 13: Weltweiter Klimaschutz, etwa den Klimawandel deutlich begrenzen, so dass Extremwetterereignisse wie Dürren und Überschwemmungen vermieden und nicht weite Teile der Erde unbewohnbar werden.

Ziel 14: Leben unter Wasser schützen, zum Beispiel steigende Wassertemperaturen und eine weitere Verschmutzung der Meere vermeiden und dafür sorgen, dass die Ozeane als Lebensgrundlage sowie Nahrungs-, Rohstoff- und Energiequellen gewahrt bleiben.

Ziel 15: Leben an Land, beispielsweise dafür sorgen, dass die Ökosysteme intakt bleiben und nicht Umweltkatastrophen eine nachhaltige Entwicklung gefährden und Hunger und Armut bewirken.

Ziel 16: Starke und transparente Institutionen wie rechtstaatlich handelnde Institutionen schaffen und fördern, die ohne Korruption gut reagieren, für Frieden und Gerechtigkeit sorgen und eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen.

Ziel 17: Globale Partnerschaft, zum Beispiel durch eine starke, weltweite Partnerschaft dafür sorgen, dass die Nachhaltigkeitsziele erreicht und die damit verbundenen Herausforderungen gemeistert werden können.

Deutschland bekannte sich früh zu einer „ambitionierten Umsetzung“ der Sustainable Development Goals (SDGs). Im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel die besondere Verantwortung der führenden Industrie- und Schwellenländer beim Erreichen der Nachhaltigkeitsziele. Die G20-Staaten sollten hierbei Vorreiter sein.

In der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie von Anfang 2017 hat die Bundesregierung dargelegt, wie die globalen Nachhaltigkeitsziele in Deutschland umgesetzt werden sollen. Dafür wurden 63 konkrete Ziele beschlossen. Deren Erreichen und die Strategie sollen im Vier-Jahres Rhythmus überprüft werden.

* Lukas Leist arbeitet für die Profilberater GmbH.

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