Server-Hitze für 10.000 warme Stuben

Ein weiteres Datacenter mit Anschluss ans Fernwärmenetz – in Stockholm

| Redakteur: Ulrike Ostler

Noch handelt es sich um eine Fotomontage, doch Multigrid plant groß. Das Rechenzentrum soll nicht nur die IT verschiedener Kunden beheimaten, sondern auch Hitze für das lokale Fernwärmenetz liefern.
Noch handelt es sich um eine Fotomontage, doch Multigrid plant groß. Das Rechenzentrum soll nicht nur die IT verschiedener Kunden beheimaten, sondern auch Hitze für das lokale Fernwärmenetz liefern. (Bild: Multigrid)

Am 1. Januar 2019 soll das Rechenzentrum von Multigrid in Kista Science City, Stockholm, an den Start gehen. Es ist für mehrere Kunden ausgelegt und wird das Fernwärmenetz von Fortum Värme mit seiner Abwärme versorgen. 10.000 Haushalte können davon profitieren.

Die Vorbereitungen für den Bau des 5-Megawatt-Rechenzentrums sind abgeschlossen, teilt der Erbauer Multigrid Data Centers mit. Der Strom für die Versorgung soll aus erneuerbaren Energiequellen stammen, zu einem sensationellen Preis: Die reichliche Menge an Strom aus grünen Quellen sorgt dafür, dass er günstig zu beziehen ist, so dass Multigrid mit einem Netto-Strompreis, also inklusive des Aufwands für die Wärmerückgewinung für die Einspeisung ins Fernwärmenetz, von 3 Eurocent pro Kilowattstunde für die IT-Last rechnet.

Das geplante Rechenzentrum ist das erste, das im „Stockholm Data Parks – Kista” entsteht. An der Planung beteiligt waren das der Stromnetzbetreiber Ellevio, der unter anderem für die Versorgung mit Hochspannungsleitungen zuständig ist, sowie der Betreiber des Fernwärmenetzes Fortum Värme und Stokab – das Unternehmen ist für das Glasfasernetz zuständig.

Mattias Ganslandt, CEO von Multigrid, kann sich über Anfragen zum Einmieten in das geplante Rechenzentrum schon jetzt freuen.
Mattias Ganslandt, CEO von Multigrid, kann sich über Anfragen zum Einmieten in das geplante Rechenzentrum schon jetzt freuen. (Bild: Multigrid)

Mattias Ganslandt, CEO von Multigrid, sagt zu Standortwahl: „Kista bietet sehr attraktive Konditionen für große Rechenzentren. Es ist der größter Cluster an IT-Firmen in Nord-Europa und die Kombination mit günstigen Energiepreisen ist unschlagbar.“ Stockholm biete sowohl finanzielle Vorteile als auch Expertise und Know-how in Organisation und Breitstellung der Infrastruktur: etwa redundant ausgelegte Netze.

Die Nachfrage steigt und steigt

Ganslandt erwartet, dass der steigende Bedarf nach Informations- und Kommunikationstechnik die Nachfrage nach kosteneffizienten und zugleich nachhaltig betriebenen Rechenzentren weiterhin steigen lässt. Über den eigenen Bau sagt er: „Wir erwarten, dass unser neues Datacenter in Kista zu mindestens 50 Prozent effizienter betrieben werden kann als Rechenzentren traditioneller Bauart.“ Schon jetzt meldeten sich Interessenten, die einziehen wollten, so der Mutligrid-CEO, sowohl aus Europa als auch aus den Vereinigten Staaten.

Die Server-Abwärme für die Einspeisung ins Fernwärmenetz wird sich in wenigen Jahren, wenn das Rechenzentrum komplett gefüllt ist, auf rund 30 Millionen Kilowattstunden jährlich belaufen, rechnet Multigrid. Das entspricht dem Bedarf von 10.000 Haushalten.

Damit wäre das Multigrid-Datacenter größer geplant als das von Facebook in Dänemark, das etwa 6.900 Haushalte mit Fernwärme versorgen soll (siehe: Link).

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13.09.17 - Im dänischen Odense entsteht ein neues Facebook-Rechenzentrum. Bereits im Januar 2017 erfolgte der erste Spatenstich, im Jahr 2020 soll es in Betrieb gehen. Der Clou aber liegt im Anschluss an das örtliche Fernwärmenetz. lesen

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