EU-Projekt „RenewIT“ - Planungs-Tool und Forschungsergebnisse online

TU Chemnitz beweist: Mit Servern lässt sich auch heizen

| Autor / Redakteur: Lars Meese / Ulrike Ostler

Die Chemnitzer Wissenschaftler Dr. Thomas Oppelt (v.l.), Professor Thorsten Urbaneck, Verena Rudolf und Nirendra lal Shrestha von der Professur Technische Thermodynamik zeigen, dass man mit Servern auch heizen kann.
Die Chemnitzer Wissenschaftler Dr. Thomas Oppelt (v.l.), Professor Thorsten Urbaneck, Verena Rudolf und Nirendra lal Shrestha von der Professur Technische Thermodynamik zeigen, dass man mit Servern auch heizen kann. (Bild: Matthias Bilz)

„RenewIT“ ist ein europäisches Projekt, an dem sich die TU Chemnitz beteiligt. Zunächst stand der Einsatz erneuerbarer Energie im Vordergrund. Doch jetzt ist die die weitere Verwertung der beim Rechnen entstehenden Wärme in den Mittelpunkt gerückt. Die Ergebnisse der verschiedenen Forschungsprojekte sind online verfügbar.

Allein die in Deutschland ansässigen Rechenzentren vereinen einen jährlichen Verbrauch von rund 10.000 Gigawattstunden (GWh) auf sich. Dies entspricht etwa einem Drittel des jährlichen Bruttostromverbrauches in Sachsen. Und die Tendenz ist steigend. Denn aufgrund der zunehmenden Nutzung von Internet- und Cloud-Diensten prognostizieren Experten einen Anstieg von rund drei Prozent pro Jahr.

Deswegen erfordert die nachhaltige Entwicklung von Dataacenter eine Steigerung der Energie-Effizienz sowie die Nutzung erneuerbarer Energiequellen zur Stromversorgung und Kühlung. Vor diesem Hintergrund hatte sich im Oktober 2013 ein Konsortium, bestehend aus sieben europäischen Organisationen der Wirtschaft und Wissenschaft, zusammengeschlossen und das Projekt „RenewIT“ gestartet.

Maßgeblichen Anteil daran hatte eine Forschergruppe der Technischen Universität Chemnitz unter Leitung von Professor Thorsten Urbaneck, Bereichsleiter Thermische Energiespeicher an der Professur Technische Thermodynamik. Weitere Partner kommen aus Spanien, den Niederlanden, Italien und Großbritannien. Das Vorhaben, welches mit Förderung der Europäischen Union im siebenten Rahmenprogramm finanzielle Unterstützung erhielt, wurde nach einer Laufzeit von drei Jahren erfolgreich abgeschlossen.

Im Rahmen der diesjährigen ISC High Performance hat Meware die jüngsten Entwicklungsarbeiten zu seinem Heißwasser-Direktkühlsystem "Coldcon" vorgestellt.
Im Rahmen der diesjährigen ISC High Performance hat Meware die jüngsten Entwicklungsarbeiten zu seinem Heißwasser-Direktkühlsystem "Coldcon" vorgestellt. (Bild: Megware)

Insgesamt seien 14 Konzepte zur erneuerbaren Strom- und Kälteversorgung entwickelt worden, bei denen die Chemnitzer ihr Know-how in der Kälteversorgung und Kühlung einbringen und ausbauen konnten, so Urbaneck. Dafür notwendige spezielle Server mit Flüssigkeitskühlung lieferte die Firma Megware aus Chemnitz-Röhrsdorf. Der Professor sagt: „Weil die meiste Wärme in den Servern entsteht, soll diese zukünftig in Fernwärmenetze eingespeist werden.“

Infos und Planungshilfe für jedermann

Damit möglichst viele Interessierte die Forschungsergebnisse in der Praxis nutzen können, haben die Projektpartner ein Online-Tool zur energetischen Vorplanung entwickelt, das online frei zugänglich ist: http://www.renewit-tool.eu/. Das Expertenwissen und die Ergebnisse von umfangreichen Anlagensimulationen wurden in einfache, aber ausreichend genaue Modelle transformiert, so dass eine Web-basierte Grobauslegung möglich ist.

Das eBook „Advanced Concepts for Renewable Energy Supply of Data Centres“ steht zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Das eBook „Advanced Concepts for Renewable Energy Supply of Data Centres“ steht zum kostenlosen Download zur Verfügung. (Bild: http://www.riverpublishers.com/pdf/ebook/RP_9788793519411.pdf)

Ergänzendes zum Thema
 
Über Magware

Auch die wichtigsten Ergebnisse des Vorhabens sind jetzt in Open-Source-Form unter dem Titel „Advanced Concepts for Renewable Energy Supply of Data Centres“ erschienen. Die Autorinnen und Autoren möchten damit erreichen, dass derartige Effizienzmaßnahmen und der Einsatz erneuerbarer Energie einen schnelleren Eingang in die Lehre und Praxis finden.

Stichwort: RenewIT-Projekt

Auf Grundlage eines ganzheitlichen Ansatzes bestand das Ziel des Projektes „RenewIT“ darin, den Energieverbrauch von Rechenzentren zu senken und nachhaltiger zu gestalten. Im Mittelpunkt stand dabei zunächst die Vision, Rechenzentren fast vollständig mit erneuerbarer Energie (höher als 80 Prozent) zu versorgen. Dieses Ziel kann jedoch nur über ein abgestimmtes Maßnahmenpaket erreicht werden.

Die am Projekt beteiligten gewerblichen und wissenschaftlichen Partner haben sich deshalb zum einem der Analyse und Systematisierung bestehender Rechenzentren, der verfügbarer Komponenten im Rechenzentrum, der erneuerbarer Energiequellen in Europa und der Techniken zur Bereitstellung gewidmet. Des Weiteren war es notwendig, eine Bewertung des Betriebs von Rechenzentren vorzunehmen, insbesondere unter Beachtung der vorgelagerten Versorgungssysteme und neuer Ansätze wie die Nutzung der Abwärme.

Das Konsortium hatte außerdem an der Entwicklung von Software-Komponenten zur Bestimmung und Prognose des Energieverbrauchs von IT-Prozessen sowie zur Optimierung nach Anforderungen eines ökologischen Betriebs (Konsolidierung) gearbeitet. Weitere Themen und Forschungsschwerpunkte sowie die beteiligten Organisationen können online eingesehen werden. Die Ergebnisse finden sich auf der Website von ReniewIT.

Hinweis: Unternehmen, die auf Datacenter-Abwärme setzen, sind etwa Cloud&Heat sowie die Thomas-Krenn AG:

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