IT-Experten beurteilen Rechenzentren in Deutschland

Datacenter-Umfrage von 7Alliance enthüllt Bestnoten und Schwachstellen

| Autor: Ulrike Ostler

Wie gut erfüllt Deutschland die Bedingungen für den optimalen Standort eines Rechenzentrums? Angaben in Schulnoten.
Wie gut erfüllt Deutschland die Bedingungen für den optimalen Standort eines Rechenzentrums? Angaben in Schulnoten. (Bild: 7Alliance)

Zur CEBIT 2018 befragte die 7Alliance 100 IT Experten nach ihrer Einschätzung deutscher Rechenzentren. Circa drei Viertel gaben an, dass hiesige Datacenter durch eine strikte Gesetzgebung sicherer sind, als anderswo. Schulnote zwei erhielten die Qualität der Stromversorgung, Rechtssicherheit, staatliche Unterstützung und die Qualität der Dienstleister vor Ort. Mit befriedigend schnitten die Internet-Anbindung, das Preis-/Leistungsverhältnis sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften ab.

Also alles gut? Zu der Schwäche der Umfrage gehört, dass nicht nach Fakten, sondern Einschätzungen gefragt wird. So lässt sie nicht wirklich einen Vergleich mit anderen Ländern zu. Sie schlüsselt etwa nicht auf, wie viele der Befragten Erfahrungen mit Datacenter in anderen Ländern, deren Gesetzgebung, Internet-Anbindung, Rechtsstaatlichkeit und Stromversorgung haben und somit Vergleiche ziehen könnten. Allerdings gibt die Umfrage ein Meinungsbild wider.

Fachkräfte fehlen

Da fällt zunächst einmal auf, dass der Fachkräftemangel ein Problem ist, obwohl insgesamt ein „befriedigend“ herauskommt (siehe: Abbildung 1 und 2). Nur sechs der 100 Befragten verneinten die Behauptung „Rechenzentren in Deutschland brauchen mehr Fachkräfte“. Dazu kommt, dass der Aussage „Das Fachpersonal in deutschen Rechenzentren ist oft nur schlecht oder gar nicht qualifiziert“ immer 48 teilweise zustimmen 9 uneingeschränkt und 17 „eher“ zustimmen.

Thomas Lechner, Geschäftsführer der Inst-IT und Mit-Initiator des Unternehmensverbundes 7Alliance, kommentiert: „Der hohe Bedarf an Fachkräften ist keine bahnbrechende Neuigkeit. Doch die vermutet hohe Qualität stimmt unserer Erfahrung nach leider nur noch in Auszügen. Um Geld zu sparen wird oft nicht qualifiziertes Personal eingesetzt. Das logische Resultat daraus ist, dass die Fehlerquote steigt.“

Schlechte Vorbereitung auf Notfälle

Auch unter den Befragten scheint der eine oder andere bereits negative Erfahrungen mit Ausfällen von Rechenzentren gemacht zu haben. Sagen doch 41 von 100 Befragten, die Rechenzentren seien schlecht auf Notfälle vorbereitet (siehe: Abbildung 3). Nur 5 geben an: Das stimmt nicht.

Bei den Gründen für die Ausfälle im Rechenzentrum spielen bei erlaubter Mehrfachnennung Überhitzung (93) und Feuer (91), Erschütterungen und ein fehlerhaftes Betriebskonzept (88), eine fehlerhafte USV und Manipulation durch Dritte (86), Staub und Stromausfall (85), menschliches Versagen (81) die bedeutsamsten Rollen (siehe: Abbildung 4).

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Über die 7Alliance

Fragliche Energie-Effizienz

Angesichts der hohen und noch steigenden Energiepreise in Deutschland ist es erstaunlich, dass nicht alle Rechenzentren ein Energie-Management betreiben (siehe: Abbildung 5). Allerdings geben die IT-Experten nur eine Schätzung ab, wie viel Prozent der Rechenzentren ein solches im Einsatz haben: Die meisten 42 nehmen an, dass bei gerade einmal bei einem Viertel bis zur Hälfte der Rechenzentren in Deutschland ein Management zur Messung und Verbesserung der Energie-Effizienz gibt. 18 der Befragten vermuten, dass es weniger als ein Viertel sind und 5 mehr als 75 Prozent.

Was bringt die Zukunft?

Doch wer betreibt eigentlich das Rechenzentrum und steigen die Ausgaben, wachsen die Datacenter? Auch zu diesem Umfeld haben sich die Umfrageteilnehmer geäußert. Tatsächlich gehen die meisten (72) davon aus, dass die Unternehmen gegenwärtig eigene Rechenzentren betreiben und 81 dass die Investitionen steigen (siehe: Abbildung 6). Doch das bedeutet nicht gleichzeitig, dass die Rechenzentren wachsen. So geht der überwiegende Teil der Befragten im Gegenteil davon aus, dass die Datacenter schrumpfen werden (siehe: Abbildung 7). Ob das tatsächlich sein kann, klären die Studienmacher nicht auf.

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Die Stromkosten wurden nicht berücksichtigt und auch nicht CO2-Füßabdruck der Datenverarbeitung...  lesen
posted am 09.10.2018 um 10:50 von Unregistriert


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