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Corona-Pandemie Das Uptime Institute zur Frage wie Rechenzentren verfügbar bleiben

| Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

In der COVID-19-Pandemie sind Rechenzentren als zentrale Basis für Home-Arbeitsplätze besonders wichtig. Doch wie verhindert man, dass diese empfindliche Ressource gerade jetzt ausfällt, etwa weil der Betrieb wegen kranken Personals zum Erliegen kommt?

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Vorsicht! Der Coronavirus könnte auch den RZ-Betrieb durcheinanderwerfen
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(Bild: Vektor Kunst auf Pixabay / Pixabay )

Die Zahl der an Covid19 Erkrankten steigt in Deutschland derzeit täglich vierstellig. Immer mehr Menschen werden ins Home Office verwiesen. Da ist es essentiell, dass Rechenzentren und Verbindungen funktionieren, damit die Wirtschaft wenigstens halbwegs weiterläuft.

Rechenzentren und Netze müssen deshalb steil steigende Lasten bewältigen. Der zentrale deutsche Austauschknoten DE-CIX in Frankfurt meldete per Pressemitteilung, die Videokonferenzrate sei seit vergangenen Mittwoch um 50 Prozent angestiegen, Online- und Cloud-Gaming, Inhouse-Ersatz für Spielplatz, Turnhalle und Schwimmbad, wuchsen um 25 Prozent, der durchschnittliche Datenverkehr um 10 Prozent.

Renner VPN

Atlas VPN meldete, die VPN-Nutzung sei zwischen 9. und 15. März wegen vieler zu Hause Internierter in Italien um 112 Prozent gewachsen. In den USA waren es 53 Prozent und in Deutschland immerhin noch 29 Prozent Anstieg der VPN-Nutzung. Es ist als Rechenzentrum und globale Schaltzentrale des Datenverkehrs ganz wesentlich, verfügbar zu,bleiben, ja: sogar die Ressourcen auszubauen.

Ältere Mitarbeiter gehören zur Risikogruppe

Doch gerade Rechenzentren stehen erhöhten Risiken auch im Bereich Personal gegenüber. Erstens gibt es schon ohne Corona zu wenige IT-kundige Mitarbeiter. Ausfälle lassen sich am Arbeitsmarkt kaum auf die Schnelle ersetzen, schon gar nicht in Zeiten von strikten Reisebeschränkungen und geschlossenen Grenzen.

Zweitens haben die Belegschaften selbst häufig ein hohes Durchschnittsalter, gerade wenn irgendwo noch der Mainframe läuft. Doch je älter Mitarbeiter sind, desto höher ist das Risiko, dass sie von einer COVID-19-Infektion besonders stark betroffen sind.

Was also tun? Hierzu hat sich das auf Bau, Betrieb und Zertifizierung von Rechenzentren spezialisierte Beratungsunternehmen Uptime Institute Gedanken gemacht und sie in einem Whitepaper mit essentiellen Ratschlägen zusammengefasst. Die Ratschläge umfassen die Vorbeugung gegen Ausfälle und Maßnahmen für hohe Verfügbarkeit des Rechenzentrums auch während der Pandemie.

COVID-19 ernst nehmen!

Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Tipps. Sie richten sich an Datacenter-Verantwortliche der technischen und organisatorischen Seite.

Die erste und wichtigste Maßnahme ist, das Risiko überhaupt ernst zu nehmen! Die Pandemie ist genauso ernsthaft zu behandeln wie beispielsweise eine andere, lang anhaltende Naturkatastrophe oder ein Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung.

Ständig auf dem Laufenden halten

Entsprechend müssen sich Rechenzentrumsmanager ständig auf dem Laufenden halten, Eskalationsprozesse definieren, Kommunikationswege festlegen und dafür sorgen, dass diese auch regelmäßig genutzt werden. Alle nicht aktuell notwendigen Prozesse wie verschiebbare Wartungsaufgaben, Tests, Entwicklungs- und gegebenenfalls sogar Bauvorhaben sollten bis zum Abklingen der Krise gestoppt und danach wieder aufgenommen werden.

Durch rege Home-Office-Nutzung hat sich der VPN-Einsatz in Italien von 9. bis 15. März in Italien um 112 Prozent erhöht, in deutschland um 29 Prozent
Durch rege Home-Office-Nutzung hat sich der VPN-Einsatz in Italien von 9. bis 15. März in Italien um 112 Prozent erhöht, in deutschland um 29 Prozent
(Bild: Atlas VPN)

Wenn das noch möglich ist, sollten sowohl von wichtigen Datacenter-Komponenten und -Betriebsstoffen Vorräte angelegt werden – in Zeiten einer Krise sind übliche Prozesse wie Just-in-Time-Belieferung nicht mehr tragfähig genug.

Hygienie ist oberstes Gebot

Das gilt auch und besonders für alle Güter und Stoffe, die mit Hygiene und Desinfektion zusammenhängen: Desinfektionsmittel, biodichte Schutzkleidung, Atemmasken, Handschuhe und so weiter. Praktisch alles muss permanent gereinigt und desinfiziert werden.

Haufiger und gründlicher als sonst müssen auch die White Spaces gereinigt werden. Entsprechende Prozesse sollte man gegebenenfalls zusammen mit spezialisierten Dienstleistern entwickeln und umsetzen. Auch ist beispielsweise zu erwägen, ob bestehende Luftfilter durch feinere ausgetauscht werden.

Besucher-Management

Vor besondere Probleme stellen die Verantwortlichen Co-Location-Rechenzentren mit ihrem erhöhten Publikumsverkehr. Auch hier sollte der Kundenverkehr mit allen Mitteln reduziert und durch virtuelle Kommunikation ersetzt werden.

Eine beliebte Sicherheitseinrichtung, die Personenschleuse, sollte entweder vorübergehend außer Dienst gestellt oder aber mit besonderer Sorgfalt nach jeder Benutzung desinfiziert und belüftet werden. Denn der abgeschlossene, enge Raum bietet dem Virus geradezu ideale Verweilmöglichkeiten.

Datacenter-Personal ins Home Office

Zuvorderst gilt, dass das gesamte Rechenzentrumspersonal wenn möglich vor Infektionen geschützt werden muss. Uptime rät daher dazu, wo auch immer möglich, von zu Hause zu arbeiten. Erst recht müssen Mitarbeiter mit Infektion oder Infektionsverdacht mindestens 14 Tage aus der häuslichen Quarantäne heraus arbeiten.

Teams, die sich gegenseitig ersetzen, beispielsweise Schicht-Teams, sollten keinerlei persönlichen Kontakt zueinander haben, auch nicht in der Freizeit. Das gilt erst recht für die Teams von Rechenzentren, die sich bei Ausfall eines der Rechenzentren gegenseitig ersetzen sollen.

Bei Schichtwechsel desinfizieren

Arbeitsplätze müssen bei jedem Schichtwechsel desinfiziert werden. Alle Freizeiteinrichtungen im Rechenzentrum sind zu schließen, also Cafeteria, Fitnessraum ....

Damit kein kompletter Personalausfall eintritt, selbst wenn die zuständigen Verwaltungsgremien sehr strenge Reise- und Abriegelungsregeln erlassen, sollte man sich schon im Vorfeld um Ausnahme-Zugangsgenehmigungen für notwendige Mitarbeiter und Externe bemühen.

Gleichzeitig sollten aber für den Notfall Wohngelegenheiten für das Kern-Datacenter-Team im Rechenzentrum oder in unmittelbarer Nähe vorhanden sein. So haben Pendler ein Unterkommen und der Betrieb kann auch bei Lockdowns von Orten oder Stadtteilen weitergehen.

Möglichst wenig Ressourcen-Sharing

Insgesamt sollten Arbeitsplätze und Ressourcen wie Mobiltelefone, Laptops oder anderes Equipment möglichst wenig gemeinsam genutzt werden. Gleichzeitig müssen natürlich alle Teams und Mitarbeiter gut miteinander kommunizieren.

Damit das funktioniert, sollten die VPN-Verbindungen sorgfältig geprüft und unter Umständen erweitert werden. Gleichzeitig braucht man entsprechende Protokolle und Pläne.

Welcher Ausfall stört welche Dienste?

Rechenzentrumsmanager sollten wissen, welcher Personal- und welcher Ressourcenausfall welche Services wie beeinflusst oder beeinflussen könnte und entsprechend planen. Allerdings gehören solche Kenntnisse eigentlich schon zu einer Disaster-Recovery-Strategie, die ohnehin jedes Datacenter besitzen sollte.

Weil es aber in diesem Fall insbesondere um den Ausfall von Personal geht, sollte man die Systeme so einrichten, dass einige wichtige Funktionen auch für den Fall aufrecht erhalten werden können, wenn keinerlei Personal mehr verfügbar ist, beispielsweise das Daten-Backup oder geordnetes Herunterfahren ohne Datenverluste.

Umgang mit unvermeidbaren Besuchern

Unter Umständen sind Besuche durch Kunden, Partner oder Berater nicht ganz zu verhindern. Externe, so rät Uptime, sollten sich auf jeden Fall anmelden und, so lange die Pandemie wütet, schon vor ihrem Auftauchen am Rechenzentrumseingang einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen und bereithalten.

Zugang erhält nur, wer kein Fieber hat, nicht aus einer Risikoregion kommt, keinen Kontakt zu Erkrankten hatte oder ansonsten COVID-verdächtig ist. Externe sollten weder Essen noch Trinken mitbringen dürfen, eigene Sanitäreinrichtungen benutzen und auch einen eigenen Pausenraum haben.

Wer sich mit anderen Betroffenen aus der Tech-Branche zur Handhabung von COVID-19 austauschen möchte, kann dies über eine spezielle firmenunabhängige Community, zum Beispiel über das „Coronavirus Tech Handbook“, tun.

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger