Sinnvoll genutzte Datacenter-Glut - geht das?

Biomasse mit Abluft aus dem Rechenzentrum trocknen

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dietmar Müller

Geht das? Abwärme-Nutzung zur Trocknung von Hackschnitzeln.
Geht das? Abwärme-Nutzung zur Trocknung von Hackschnitzeln. (Bild: webandi/Pixabay / CC0)

Das weltweit Interesse am Einsatz von Biomasse als Ersatzbrennstoff wird immer größer – gleichzeitig wird nach neuen Wegen gesucht, die Abwärme aus Rechenzentren (RZ) sinnvoll zu nutzen. Die schwedische Studentin Kristina Sandström hat daher untersucht, ob sich mit der Luft aus Rechenräumen, also mittels Konvektionstrocknung, auch Holzhackschnitzel trocknen lassen.

Die Idee ist nicht neu: Etha offeriert beispielsweise eine Container-Lösung für die Abwärme-Nutzung zur Trocknung von Hackschnitzeln, bestehend aus Trocknungs-Container, Warmluft-Erzeuger und Steuerung inklusive Beschickungstechnik sowie Anbindung an das bestehende Wärmenetz. Dabei stammt die Wärme jedoch aus einem Biogas-BHKW mit Temperaturen von meist deutlich über 100 Grad.

Bei Trocknungstemperaturen unter 100 Grad wird dem Trockengut nämlich Wasser durch Verdunsten entzogen. Überhaupt ist der Prozess der Lufttrocknung abhängig von der Luftfeuchtigkeit, der Lufttemperatur, der Luftgeschwindigkeit im Trockner und der Beschaffenheit der Oberfläche des Trockengutes. Wird die Trocknungsluft angewärmt, so ist die Luft in der Lage, deutlich mehr Feuchtigkeit aufzunehmen. Soweit die Theorie.

Sandström implementierte am Forschungsinstitut RISE SICS North eine Datacenter-Testumgebung, bei der Abwärme aus dem eigenen Rechenzentrum und Biomasse aus den Wäldern Nordschwedens zum Einsatz kam. Verschiedene Abluftströme mit Temperaturen von 30, 35, 40 and 45 Grad und ihre Auswirkungen auf die Trocknung der Holzhackschnitzel wurden untersucht.

Bremse für die Erwartungen

Um es kurz zu machen: Das Ergebnis war ernüchternd, wenngleich die Wissenschaftler nicht von einem Fehlschlag reden wollten. Entscheidender als die Temperatur – die in jedem Fall sehr niedrig lag im Vergleich zur „professionellen“ Trocknung von Biomasse, bei der in der Regel wie gesagt Temperaturen von über 100 Grad genutzt werden – war die Stärke des Luftstroms.

Damit bestätigen sich Aussagen von Bernd Dürr in seinem Standardwerk „IT-Räume und Rechenzentren planen und betreiben“. Darin sieht er ein Problem in der allseits geforderten Nutzung von Abwärme, weil sie für eine Warmwasserbereitung oder ein Heizungssystem schlich zu niedrig ist. Die Energie der Abwärme müsste zusätzlich über Wärmepumpen oder Ähnliches auf ein notwendiges Maß angehoben werden, damit sie sich in Fernwärmenetzen oder für Absorptionskältemaschinen nutzen lässt. Das „Zuheizen“ erfordert jedoch Energie, was die Wirtschaftlichkeit in Frage stellt.

„Es mag in bestimmten Bereichen und Anwendungen auch bisher wirtschaftlich schon möglich sein, das ist jedoch nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel und oft auch einer gehörigen Portion Idealismus geschuldet", so Dürr.

Sein 685-Seiten starkes Handbuch „IT-Räume und Rechenzentren planen und betreiben“ ist im Verlag Bau+Technik erschienen und unter der Nummer ISBN 978-3-7640-0626-6 zu bestellen. Immer wieder veröffentlicht DataCenter-Insider Auszüge aus dem Werk. Zuletzt ist „Strittig: Welche Luftfeuchte sorgt für prima Klima?“ erschienen.

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