An apple a day keeps the doctor away

Äpfel zur Rekrutierung und Bindung von Mitarbeitern

| Autor / Redakteur: Simon Federle* / Ulrike Ostler

Auf dem Weg zur erfolgreichen Mitarbeiterrekrutierung und -bindung liegt bei der Data Center Group ein Apfel.
Auf dem Weg zur erfolgreichen Mitarbeiterrekrutierung und -bindung liegt bei der Data Center Group ein Apfel. (Bild: gemeinfrei - Tama66/Pixabay / CC0)

Digitalisierung und IoT stellen nicht nur Anforderung an Sicherheit und Verfügbarkeit der IT. Mit steigenden Datenmengen, wächst zudem der Bedarf an den Menschen hinter den Maschinen. Bei der Gewinnung und dem Halten von Fachkräften müssen die Unternehmen kreativ werden. Und wie?Kim Blecker, Bereichsleiterin Personal und Recht bei der Data Center Group, gibt Beispiele.

Je nach Unternehmen und Dienstleistung erstreckt sich die Suche vom Architekten, Monteur und Klimamechatroniker bis zum kaufmännischen Mitarbeiter und Vertriebler. Der „War for Talents“ findet längst über die Metropolgrenzen hinaus in der gesamten Republik statt – und schafft kreative Ansätze, um neue Kräfte zu rekrutieren.

Denn eines ist sicher: Die Landflucht beziehungsweise das Angebot der Großstädte verstärkt in ländlichen Regionen die Schwierigkeiten der Suche nach neuen Mitarbeitern. Sofern Unternehmen nicht mit den monetären Mitteln der Amazons und Apples dieser Welt auffahren können, müssen gerade in ländlichen Regionen angesiedelte Mittelständler einen Schritt weiter gehen, als Firmenwagen und Co. Die Maßnahmen sollen dann sowohl Young Professionals als auch gewachsene Fachkräfte in das Unternehmen locken und sie dann als motivierte Mitarbeiter an das Unternehmen binden.

Young Professionals

„Glücklicherweise gelingt es uns sehr gut, junge Auszubildende für uns zu gewinnen“, sagt Kim Blecker, Bereichsleiterin Personal und Recht bei der Data Center Group. Die HR-Verantwortliche des Generalanbieters für physikalische IT-Infrastrukturen erläutert, wie ihr Unternehmen die Weichen für einen attraktiven Arbeitsplatz schon frühzeitig stellt:

„Wir kooperieren mit den örtlichen Schulen“, sagt Blecker. „Beispielsweise veranstalten wir schon im März einen Berufsinformationstag, an dem unsere Auszubildenden über ihre kaufmännischen Ausbildungen oder ihr duales Studium aufklären. Wichtig ist uns dabei zu zeigen, wie vielfältig die Branche und ihre beruflichen Möglichkeiten sind. Gesucht wird weit mehr als ‚nur‘ der Programmierer am PC.“

Für spätere Mitarbeiter-Power sollten Unternehmen schon früh Maßnahmen ergreifen.
Für spätere Mitarbeiter-Power sollten Unternehmen schon früh Maßnahmen ergreifen. (Bild: gemeinfrei - capri23auto/Pixabay / CC0)

Die Data Center Group sitzt im Westerwald, genauer in Wallmenroth, einer rheinland-pfälzischen Gemeinde im Landkreis Altenkirchen. Bonn liegt circa 80 Kilometer westlich. Young Professionals bereits an den Schulen abzuholen, ist abseits von Metropolen eine effektive Maßnahme.

Ein paar PCs ....

Partnerschaften mit Schulen entstehen dabei jedoch nicht über Nacht. Der gute Kontakt wird beispielsweise durch Sponsorings gepflegt: Ein paar PCs, die der Schule als Betriebsmittel kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, sind bereits eine Investition in das eigene Unternehmen.

Bei Kooperationen mit Hochschulen kann zum Beispiel der Aufwand für das Material, das für Forschungszwecke, Versuche oder technische Konstruktionen benötigt wird, von Partnern in der Wirtschaft getragen werden. Entscheidend ist jedoch immer im engen Austausch mit den Schulen und Hochschulen zu stehen.

Auf diese Weise können Unternehmen durch Vorträge oder Veranstaltungen das Unternehmen und die Vielfalt der Branche vorstellen. Das gilt für Ausbildungsberufe genauso wie für duale Studiengänge. Junge Menschen lassen sich durch positive Beispiele inspirieren: Wenn andere in einem Unternehmen wachsen konnten, dann kann ich das auch!

Gerade hier kann der Mittelstand dann seine flexiblen Strukturen und zahlreichen Möglichkeiten ausspielen: Wer einen guten Job macht und sich weiterentwickelt, hat alle Möglichkeiten. So spricht nichts dagegen, junge und motivierte Angestellte mit entsprechender Vorausbildung auf höhere Schulen zu schicken, um sie dann im eigenen Unternehmen wachsen zu lassen. Im Falle nebenberuflicher Studiengänge können Mitarbeiter auch finanziell unterstützt werden. Ein derartiges Engagement spricht sich herum: Auch in diesem Jahr stellt die Data Center Group wieder mehrere Auszubildende ein.

Das Beeindrucken von Fachkräften

Deutlich schwieriger ist es, fertige Fachkräfte zu gewinnen. Ein Schritt in die richtige Richtung sind entsprechende Engagements auf Jobportalen und -messen. Zudem ist es empfehlenswert, neue Angestellte dort abzuholen, wo sie sich bewegen: auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Xing. Hinzu kommt der Einsatz von Headhuntern, da Fachkräfte allgemein aktuell nicht wirklich in Jobnot und Stellenangebote zahlreich vorhanden sind.

Das Problem ländlicher Mittelständler bei der Suche nach neuen Mitarbeitern ist aber ein anderes: Während Schüler bekanntlich in der Region leben, müssen erwachsene Monteure, Techniker und Architekten oftmals dort hinziehen. Dazu ist jedoch nur jeder vierte Deutsche bereit.

„Wir haben die Not zur Tugend gemacht“, sagt Blecker. „Unsere Webseite wurde neu aufgesetzt und besonders die Karriereseite ist nun anwenderfreundlicher und informativer. Gleichzeitig haben wir unserer geografischen Lage mit ein wenig Selbstironie Rechnung getragen und zeigen mit einem eigenen Reiter, ‚Arbeiten im Westerwald‘, was die Region zu bieten hat.

Freizeitangebot und Mundpropaganda

Berücksichtigt werden dabei nicht nur Freizeitmöglichkeiten oder kulturelle Angebote. Wichtig für viele Mitarbeiter sind auch weitere Informationen des Alltags: Wo kann mein Kind in die Kita oder auf die Schule gehen? Oder: Kann ich meinem Hobby nachkommen?“

Schließlich leben alle Mittelständler von der Mundpropaganda und der Empfehlung zufriedener Angestellter. Clevere Arbeitgeber machen sich das zu Nutze, lassen eigene Mitarbeiter zu Wort kommen und von ihren Erfahrungen im Unternehmen berichten.

Die Informationen und Geschichten eignen sich dann selbstverständlich nicht nur für die Firmen-Website. Gut aufbereitet dienen sie ebenso effektiv als Bewerberbroschüre respektive Visitenkarte auf Fachmessen oder bei Bewerbungsgesprächen, um im Nachgang ein lebendiges Bild über das Unternehmen zu hinterlassen.

Welche Maßnahmen sorgen für die Attraktivität eines Unternehmens?
Welche Maßnahmen sorgen für die Attraktivität eines Unternehmens? (Bild: gemeinfrei - pixel2013/ Pixabay / CC0)

Welche Maßnahmen?

Am Ende entscheidet jedoch, was unter dem Strich steht. Dazu zählen natürlich Gehalt oder Zuwendungen wie die betriebliche Altersvorsorge. Neben der tatsächlichen Vergütung zählt aber auch die Sicherheit am Arbeitsplatz.

Unbefristete Arbeitsverträge machen dann auch in einer vermeintlich sicheren Branche wie der IT-Industrie einen guten Eindruck auf neue Mitarbeiter. Schließlich ist für viele Arbeitnehmer die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig geworden. Arbeitgeber können hier aber nicht nur punkten, wenn sie die Möglichkeit einräumen, in Teilzeit beziehungsweise von zuhause zu arbeiten oder die Anzahl der Urlaubstage über den regionalen Durchschnitt heben.

In die Kerbe „Work-Life-Balance“ schlägt neuerdings auch das konstant wachsende Bedürfnis nach gesunder Ernährung und sportlichem Ausgleich. Ein Trend, der sich kreativ als Anreiz für neue Mitarbeiter vermarkten lässt.

Zusatzleistungen

„Unsere Angestellten können über uns eBikes leasen“, sagt Blecker. „Da die Fahrräder aus dem Bruttoeinkommen bezahlt werden, reduziert sich die Steuerpflicht. Und da niemand gerne alleine Sport macht, kann sich jeder Mitarbeiter zwei Räder leasen.“ Im Vordergrund stehe jedoch die sportliche Aktivität, die sich im Westerwald gerade zu anbiete. „Wir möchten, dass sich unsere Mitarbeiter gesund und fit fühlen.“

Nach dem Motto „an apple a day, keeps the doctor away“ liegen in den Küchen der Data Center Group Äpfel für die Mitarbeiter bereit. „Außerdem veranstalten wir zum zweiten Mal zusammen mit einer Krankenkasse einen Gesundheitstag, bei dem wir verschiedene Kurse anbieten. Im Programm sind beispielsweise eine Rückenschule, Brainfit – Übungen für das Gehirn, Ernährungsberatung oder eine digitale Darstellung der eigenen Wirbelsäule, aus der sich Haltungsempfehlungen oder präventive Maßnahmen ableiten lassen. Das wird sehr gut angenommen“, so Blecker.

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Doch ob Fahrradleasing oder Rückenschule, bei allen Maßnahmen, die das Unternehmen attraktiver machen, zählt die Wertschätzung der Mitarbeiter. Immerhin: Neun von zehn Angestellten ist es wichtig, dass sie Anerkennung erhalten.

Arbeitgeber, die beispielsweise die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter befragen, finden nicht nur heraus, wo Handlungsbedarf besteht. Blecker: „Es ist uns sehr wichtig, zu erfahren, was Mitarbeiter denken und wo sie die Stärken und Schwächen unseres Unternehmens sehen. Wir möchten ihnen auf diesem Weg zeigen, dass sie aktiv die Zukunft mitbestimmen und sich ihr Engagement immer auszahlt. Schließlich sind sie ein wichtiger Teil des Unternehmens, der den Erfolg erst ausmacht.“

* Simon Federle ist freier Journalist.

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