Rechenzentrumsprojekt in Wenzenbach 300-MW-Rechenzentrum auf der grünen Wiese wirft Fragen auf

Von Paula Breukel 6 min Lesedauer

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Bei Regensburg plant Ignis ein Rechenzentrum mit bis zu 300 Megawatt (MW) Anschlussleistung. Viele technische Eckdaten sind noch offen. Deshalb hat DataCenter-Insider sich vor Ort ein Bild von der Situation gemacht.

„Kein GIGA Rechenzentrum in Wenzenbachs Wasserschutzgebiet.“ Eine Bürgerinitiative macht gegen das Vorhaben des spanischen Rechenzentrumsentwicklers Ignis mobil. Das sind die konkreten Bedenken der Bevölkerung vor Ort.(Bild:  Paula Breukel)
„Kein GIGA Rechenzentrum in Wenzenbachs Wasserschutzgebiet.“ Eine Bürgerinitiative macht gegen das Vorhaben des spanischen Rechenzentrumsentwicklers Ignis mobil. Das sind die konkreten Bedenken der Bevölkerung vor Ort.
(Bild: Paula Breukel)

Auf den bislang land- und forstwirtschaftlich geprägten Flächen plant der Entwickler Ignis Energy Germany ein Rechenzentrum mit einer Anschlussleistung von rund 300 Megawatt. Das geht aus dem Amtsblatt der Gemeinde Wenzenbach hervor (07/2026). Eine solche Größenordnung setzt eine entsprechend dimensionierte Energieversorgung, leistungsfähige Netzanbindung, Kühltechnik und weitere technische Infrastruktur voraus.

Vor Ort zeigt sich allerdings auch eine andere Seite des Projekts. Wo künftig Rechenzentrumsgebäude, Trafostationen und Verkehrswege entstehen könnten, befinden sich heute Felder, Waldflächen und im Herzen ein Hof. DataCenter-Insider war zu Besuch auf dem Abbachhof, einem der ältesten Bauernhöfe im gesamten Regensburger Umland mit einer Kirche, die im 12. Jahrhundert gebaut wurde.

Gegen die Pläne formiert sich Widerstand. Eine Bürgerinitiative kritisiert insbesondere den Flächenverbrauch und die aus ihrer Sicht ungeeignete Lage. Sie spricht von einem Eingriff in einen artenreichen Naturraum und fordert, die Umwandlung land- und forstwirtschaftlicher Flächen in Gewerbe- beziehungsweise Industrieflächen zu verhindern.

Was ist konkret geplant?

Hier zu sehen der geplante Standort für das Tennet-Umspannwerk in der Nähe des Abbachhofs.Im Gemeindeblatt ist hierzu zu lesen: „ Das Projekt [wird] auf Grundlage der bundesrechtlichen Vorgaben im Rahmen einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung verwirklich[t]. Die Einflussmöglichkeiten der Standortkommune sind dabei rechtlich begrenzt.“(Bild:  Gemeinde Wenzenbach)
Hier zu sehen der geplante Standort für das Tennet-Umspannwerk in der Nähe des Abbachhofs.Im Gemeindeblatt ist hierzu zu lesen: „ Das Projekt [wird] auf Grundlage der bundesrechtlichen Vorgaben im Rahmen einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung verwirklich[t]. Die Einflussmöglichkeiten der Standortkommune sind dabei rechtlich begrenzt.“
(Bild: Gemeinde Wenzenbach)

Geplant ist ein Rechenzentrum mit einer möglichen Anschlussleistung von bis zu 300 Megawatt, verteilt auf mehrere Gebäudeteile. Nach ersten Überlegungen seien dabei enorme Gebäudelängen und Wandhöhen von bis zu 18 Metern denkbar.

Neben dem eigentlichen Rechenzentrum ist ein Batteriespeicher mit einer Leistung von rund 100 Megawatt vorgesehen, der laut Gemeinde der Netzstabilisierung dienen soll.

Hinzu kommt das separat geplante Tennet-Umspannwerk auf rund 21 Hektar, über das die Fläche an das Stromnetz angebunden werden soll. Für den Baubeginn des Umspannwerks gibt Tennet das zweite Quartal 2028 auf der Webseite an. Demnach ist eine 380-Kilovolt-Leitung aus Richtung Schwandorf geplant. Die Bürgerinitiative bezweifelt, dass das Re­chen­zen­t­rums­vor­ha­ben getrennt vom geplanten Tennet-Umspannwerk ist.

Die Bürgerinitiative zeigt das Ausmaß des Vorhabens für den Abbachhof auf. Auf dem Areal soll ein Rechenzentrumscampus inklusive Batteriespeicher entstehen.(Bild:  Bürgerinitiative gegen Big Data und Big Energy am Abbachhof)
Die Bürgerinitiative zeigt das Ausmaß des Vorhabens für den Abbachhof auf. Auf dem Areal soll ein Rechenzentrumscampus inklusive Batteriespeicher entstehen.
(Bild: Bürgerinitiative gegen Big Data und Big Energy am Abbachhof)

Der Investitionsrahmen liegt nach ersten Angaben des Projektentwicklers Ignis bei mehr als zwei Milliarden Euro, der Strombedarf des Rechenzentrums würde nach Angaben der Gemeinde über dem derzeitigen Stromverbrauch der Stadt Regensburg liegen.

Die Bürger wehren sich gegen das Rechenzentrum

Eine Bürgerinitiative aus der Region macht jetzt mobil gegen das Vorhaben: Die Gesprächspartnerin Julia Schruff, Pächterin vom Abbachhof stellt klar, dass sie Rechenzentren und Künstliche Intelligenz nicht grundsätzlich ablehne, entscheidend sei allein die Standortwahl. Am Abbachhof kritisiert sie vor allem den Flächenverbrauch und den aus ihrer Sicht ungeeigneten Standort.

Besonders kritisch sieht die Initiative den Wasserbedarf des geplanten Rechenzentrums. Die Fläche liegt im Trinkwasserschutzgebiet von Wenzenbach und Bernhardswald, angrenzend befinde sich zudem das Trinkwasserschutzgebiet der Stadt Regensburg.

Zudem verweist die Initiative auf einen benachbarten Fischereibetrieb, der nur rund 150 Meter vom geplanten Areal entfernt liege. Der Batteriespeicher soll direkt an den Fischteich angrenzend errichtet werden. Außerdem betont Schruff, dass die zeitliche Abfolge der beiden Vorhaben: Das Grundstück für das Umspannwerk sei bereits an Tennet verkauft worden, das Rechenzentrum sei erst rund ein Jahr später im Verfahren der Gemeinde aufgetaucht. Daraus leitet die Initiative die Vermutung ab, das Umspannwerk könnte von Beginn an auf einen zusätzlichen Großverbraucher ausgelegt worden sein. Die Initiative fordert von Gemeinde und Tennet Transparenz darüber, ob und wie beide Projekte zusammenhängen.

Offen bleiben die Fragen nach der Kühlung und Wasser...

Wenn es um den Wasserverbrauch geht, dann steht die Frage nach der Kühlung im Zentrum: Welche Kühlarchitektur in Wenzenbach vorgesehen ist, lässt sich aus den bisher veröffentlichten Informationen nicht ableiten.

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Die Gemeinde nennt einen geschlossenen Kühlkreislauf, der mit Grauwasser befüllt werden soll. Eine Entnahme von Grundwasser oder eine Versorgung über den örtlichen Wasserzweckverband sei nicht vorgesehen.

Die Bürgerinitaive bezweifelt, dass ein Rechenzentrum in dieser Größenordnung mit einem geschlossenen Kühlkreislauf betrieben wird und geht von der einer adiabatischen Kühlung aus.

Die Bürgerinitative geht von einem hohen Wasserverbrauch durch das Rechenzentrum aus und befürchtet die Auswirkungen für das Grundwasser vor Ort.(Bild:  Bürgerinitiative gegen Big Data und Big Energy am Abbachhof)
Die Bürgerinitative geht von einem hohen Wasserverbrauch durch das Rechenzentrum aus und befürchtet die Auswirkungen für das Grundwasser vor Ort.
(Bild: Bürgerinitiative gegen Big Data und Big Energy am Abbachhof)

Die Frage nach der Kühlung steht auch im Zentrum, da es sich bei dem Areal um einen Standort in der Wasserschutzzone III handelt. Damit stehen sich derzeit zwei unterschiedliche Annahmen gegenüber: Die Gemeinde verweist auf einen geschlossenen Kreislauf, die Bürgerinitiative geht von einem wasserintensiveren Kühlsystem aus. Belastbare Angaben zur tatsächlich geplanten Kühltechnik und zum daraus resultierenden Wasserbedarf liegen bislang nicht vor. Auch die von der Initiative genannte Größenordnung von rund 500.000 Kubikmetern Wasser pro Jahr lässt sich daher derzeit nicht unabhängig aus den veröffentlichten Projektangaben ableiten.

...und wie sieht es mit der Notstromversorgung aus?

Die Sorge der Bürgerinitiative beschränkt sich allerdings nicht auf den Wasserbedarf der Kühlung. Auch die Notstromversorgung spielt für ihre Bewertung des Standorts eine Rolle. Laut Schruff könnten für die Dieselaggregate große Mengen an Brennstoff erforderlich sein.

Warum Dieselgeneratoren in Rechenzentren regelmäßig getestet werden und weshalb dabei Kraftstoff verbraucht wird, geht aus dem DataCenter-Insider-Definitionstext hervor:

Für die Bürgerinitiative ergibt sich daraus ein weiteres potenzielles Risiko für das Wasserschutzgebiet: Nach Auffassung der Bürgerinitiative stelle das Rechenzentrum selbst wenn die Kühlung tatsächlich mit einem geschlossenen Wasserkreislauf arbeite und kein Grundwasser entnommen werde ein Risiko dar. Denn es müsse für die Notstromversorgung dauerhaft eine große Menge Diesel am Standort vorhanden sein. Daher sieht die Initiative auch die Auswirkungen des Betriebs und der Logistik auf das geschützte Gebiet kritisch.

Ob und in welchem Umfang daraus tatsächlich ein zusätzliches Risiko für das Wasserschutzgebiet entsteht, hängt allerdings von der konkreten Auslegung der Notstromversorgung, den Lager- und Sicherheitssystemen sowie den genehmigungsrechtlichen Vorgaben für den Standort ab. Auch hierzu liegen bislang keine ausreichenden technischen Angaben vor.

Je nach Auslegung müssten unter anderem Transformatoren, Mittel- und Hochspannungstechnik, Ersatzstromanlagen, Kühlsysteme und weitere technische Einrichtungen untergebracht werden. Hinzu kommt ein geplanter Batteriespeicher mit einer Leistung von rund 100 MW, der nach den vorliegenden Angaben der Netzstabilisierung dienen soll. Damit wächst die technische Infrastruktur über die eigentliche Rechenzentrumsbebauung deutlich hinaus. Gerade bei einem Projekt auf überwiegend land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen, also auf der „grünen Wiese“.

Abwärme braucht Abnehmer und Infrastruktur

Offen ist auch, was mit der Abwärme des Rechenzentrums geschehen soll. Bei einer Anschlussleistung im dreistelligen Megawattbereich entsteht ein erhebliches Wärmepotenzial. Eine Nutzung setzt eine technische Auskopplung voraus und braucht vor allem auch Abnehmer, eine Temperaturführung und eine Leitungsinfrastruktur.

Ein Fernwärmenetz gibt es aktuell nicht. Doch die Gemeinde verweist auf mögliche Wärmenetz-Perspektiven in Irlbach, Fußenberg, Thanhausen und Gonnersdorf sowie langfristig in Richtung Regensburger Norden, Zeitlarn oder Haslbach.

Das Projekt steht noch am Anfang

Der nächste konkrete Schritt liegt bei Tennet: Der Netzbetreiber will voraussichtlich bis Ende 2026 entscheiden, ob am Abbachhof ein entsprechender Netzanschluss überhaupt möglich ist. Erst danach würde Ignis prüfen, ob das Unternehmen das Projekt in Wenzenbach weiterverfolgt. Hält Ignis am Standort fest, müsste das Unternehmen laut Gemeinde 1.500 Euro pro Megawatt an Netzkapazität bei Tennet reservieren und beim Gemeinderat einen sogenannten Aufstellungsbeschluss beantragen – erst damit würde offiziell in ein Bauleitplanungsverfahren eingetreten.

Trotz der Dimension des Vorhabens steht das Projekt noch am Anfang. Der Gemeinderat von Wenzenbach fasste am 23. Juni einen Kenntnisnahmebeschluss. Dieser schafft nach Angaben der Gemeinde weder Baurecht noch stellt er eine Genehmigung des Rechenzentrums dar. Er signalisiert die Bereitschaft, das Vorhaben weiter zu prüfen.

Ein Bauleitplanungsverfahren ist bislang nicht eingeleitet. Nach Einschätzung der Gemeinde würde sich ein solches Verfahren über mehrere Jahre erstrecken.

Damit sind zentrale technische Eckdaten weiterhin offen. Dazu zählen die tatsächliche Ausgestaltung der Netzanbindung, die konkrete Kühlarchitektur, der Wasserbedarf, die Ersatzstromversorgung, die Dimensionierung des Batteriespeichers und ein belastbares Konzept für die Abwärmenutzung.

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