Leanix fragt nach M&A Wenn die IT fusionieren muss, sind Enterprise Architekten gefragt

Autor: Ulrike Ostler

Fusionen und Übernahmen werden in den kommenden Monaten eine entscheidende Rolle spielen. So zeigt eine Deloitte-Umfrage unter US-amerikanischen Dealmaker, dass 61 Prozent mit einer Rückkehr zum Vorkrisen-Niveau rechnen. Das hat auch Auswirkungen auf das Aufgabenfeld von Enterprise Architekten (EA). Laut einer Befragung von EA-Experten durch Leanix sind 80 Prozent in nachfolgende Projekte involviert.

Um die IT-Landschaft nach einer Übernahme oder einer Unternehmensfusion zu bereinigen oder zu harmonisieren, braucht es Transparenz. Diese herszustellen sehen die befragten Entreprise Architekten als primäre Post-Fusionsaufgabe.
Um die IT-Landschaft nach einer Übernahme oder einer Unternehmensfusion zu bereinigen oder zu harmonisieren, braucht es Transparenz. Diese herszustellen sehen die befragten Entreprise Architekten als primäre Post-Fusionsaufgabe.
(Bild: Leanix)

Vor dem Anstieg stand eine deutliche Reduktion der Merger und Aqusistions (M&A): „Während Pricewaterhouse Coopers (PWC) für die USA das Geschäftsvolumen zu Beginn des Jahres 2020 als das niedrigste seit 2016 bezeichnet, konstatiert die Boston Consulting Group für den April 2020 einen weltweiten Rückgang um 80 Prozent im Vergleich zum Dezember 2019“, heißt es in der Veröffentlichung „Leanix Survey 2021; Die Rolle von Enterprise Architekten im M&A-Prozess“.

Allerdings nahmen die Aktivitäten in der zweiten Jahreshälfte 2020 bereits wieder zu, insbesondere im Bereich digitaler und technischer Vermögenswerte. PWC beziffert die Zunahme in den Regionen Asien-Pazifik, EMEA und Amerika in der zweiten Jahreshälfte 2020 im Vergleich zur ersten Jahreshälfte mit 17 Prozent bis 20 Prozent.

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Die Unternehmensberatung setzt dabei in Verbindung, dass 76 Prozent der in ihrer Studie befragten Führungskräfte, mehr Ressourcen für die digitale Transformation bereitstellen wollen, insbesondere in den Bereichen Datenanalyse, Automatisierung, Cloud, Kundenerfahrung sowie Produkt- und Servicetransformation, und zu 53 Prozent mehr Mittel für Fusionen und Übernahmen.

Zu den aktuellen Deals zählt Leanix, dass Salesforce für knapp 28 Milliarden Dollar den Messaging Dienst Slack kauft und SAP die Geschäftsprozess-Softwarefirma Signavio übernimmt. Das seien zwei aktuelle Deals, die den einheitlich prognostizierten Aufwärtstrend für 2021 unterstrichen. Die Untersuchung, zu der von Dezember 2020 bis Januar dieses Jahres 323 Enterprise Architekten befragt wurden, kümmert sich darum welche Anwendungsfälle aus der EA-Praxis aus Sicht der Experten besonders relevant für den Erfolg von M&A-Aktivitäten sind und wo es mögliche Hürden für die Architekten gibt.

M&A-Deals und Carve-Outs können sich durch andere Aufgabestellungen in der Due Diligence oder der Post Merger Integration unterscheiden. Mit Blick auf die IT seien ihnen aber die zentralen Herausforderungen gemeinsam, so die Untersuchung: Nicht nur die Infrastruktur verschiedener Einheiten müsse harmonisiert oder getrennt werden, auch für alle Applikationen, Produkte und Geschäftsprozesse müssten Entscheidungen unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Abhängigkeiten getroffen werden. Diese Entscheidungen dürften weder die Geschäftskontinuität gefährden noch den Wert der Transaktion mindern, so Leanix.

Phasen im M&A-Prozess: Wo sind Enterprise Architekten involviert? Hier einbezogen sind lediglich Antworten von EA-Kraften, die einbezogen werden (N = 102)
Phasen im M&A-Prozess: Wo sind Enterprise Architekten involviert? Hier einbezogen sind lediglich Antworten von EA-Kraften, die einbezogen werden (N = 102)
(Bild: Leanix Januar 2021)

Dass das in einer Zeit der vorwiegend virtuellen Kommunikation nicht einfach ist, versteht sich. Aber laut einer Deloitte-Studie hält so mancher Firmenverantwortlichen die technische für die größte Hürde im Integrationsprozess. Enterprise Architekten können in mehreren M&A-Schritten eingebunden sein – in unterschiedlichem Umfang:

  • Identifizierung möglicher Kandidaten für eine Akquisition
  • Identifizierung möglicher Geschäftseinheiten für ein Carve-Out
  • Due Diligence
  • Post Merger Integration
  • Umsetzung eines Carve-Outs

Laut Leanix-Umfrage bleiben 20 Prozent außen vor, aber ein gleicher Prozentsatz ist in drei und mehr Phasen eingebunden. Allerdings dominiere ganz klar die Post-Merger-Integration. „Diese Phase wird von knapp 90 Prozent aller Architekten begleitet, die in M&A-Aktivitäten involviert sind. Weniger als die Hälfte gibt an, bei der Due Diligence-Prüfung oder der Umsetzung von Carve-Outs zu unterstützen.“

Zum einen sind sie als Spezialisten für die Gestaltung und Organisation komplexer IT-Landschaften kompetente Ansprechpartner beim Zusammenschluss oder dem Aufgliedern von Geschäftseinheiten und den möglichen Auswirkungen auf IT-Strukturen. Zum anderen halten viele Experten diese Phase für den entscheidenden Faktor, ob ein M&A-Deal gelingt und sein Potenzial entfalten kann.

Dass zahlreiche Architekten auch bei der Due Diligence-Prüfung eingesetzt werden – und damit in einer deutlich früheren Phase von M&A-Prozessen –sei ein Hinweis darauf, dass der Wert von Enterprise Architecture Management in Unternehmen wahrgenommen werde.

Deloitte fragt: Was ist die größte Hürde, um die Integrationsphase in einer rein virtuellen Umgebung effektiv zu gestalten?
Deloitte fragt: Was ist die größte Hürde, um die Integrationsphase in einer rein virtuellen Umgebung effektiv zu gestalten?
(Bild: © 2020 Deloitte Development LLC.)

Gefragt nach Anwendungsfällen ist die Nummer 1 unter den Pflichten Transparenz herzustellen über den As-Is-Zustand der zu harmonisierenden IT-Landschaften. So sei es nicht selbstverständlich, dass jede Organisation direkt auf die notwendigen Daten zugreifen könne und es fehle eine Grundlage für weitere Entscheidungen. „Dies beinhaltet nicht nur Informationen über die Infrastruktur und die vorhandenen Applikationen, sondern auch über die verknüpften Business Capabilities und die gegenseitigen Abhängigkeiten“, stellt die Leanix-Untersuchung klar.

Zudem stehen in vielen M&A-Deals Synergie-Effekte im Zentrum des Interesses. Nur wenn die neu geschaffene Geschäftseinheit einen größeren Wert erzielt als die Summe der beiden einzelnen Organisationen, gilt ein solcher Deal als erfolgreich. In Bezug auf die IT kommt der Applikationsrationalisierung daher eine bedeutende Rolle zu.

Die EA-Spezialisten stimmen mit jeweils mehr als 80 Prozent zu, dass auch die Entwicklung der zukünftigen IT-Landschaft und die Entwicklung von Applikations-Roadmaps relevante Anwendungsfälle im Zusammenhang mit dem M&A-Prozess im Unternehmen darstellen. Ein Rahmenwerk für die Architektur der Zukunft zu entwerfen und für jede Applikation im Detail den Weg dorthin festzulegen, sei ein wichtiger Bestandteil der Post-Merger-Integration.

Die Voraussetzung für den Erfolg

Eine gemeinsame Business Capability Map für das eigene und das akquirierte Unternehmen zu definieren, halten 80 Prozent der Enterprise Architekten für relevant. Allerdings: Gerade mal zwei Drittel der Architekten, die nur in einer Phase im M&A-Prozess involviert sind, stimmen der Relevanz einer Business Capability Map zu. Mit zunehmendem Involvement steigt die Zustimmungsrate jedoch deutlich – und liegt bei den Architekten, die in drei und mehr Phasen eingebunden sind, bei 95 Prozent.

Damit sämtliche Maßnahmen und Projekte in der Post Merger Integration Erfolg haben können ist grundsätzlich vorauszusetzen, dass beide Seiten – das eigene Unternehmen ebenso wie das übernommene – das EA-Team als Unterstützung verstehen. Außerdem lässt sich mit belastbaren und transparenten Daten sowie einem detaillierten Abbild der IT-Landschaften Zeitverlust verhindern, der durch langwierige Diskussionen über „die bessere IT“ typischerweise in dieser Phase eines M&A-Vorhabens entsteht.

Apropos Zeit: Viele der Befragten bemängelten, so Leanix, dass eine unrealistische Planung den Integrationsprozess erschwert. Es sei ein großes Missverständnis davon auszugehen, dass eine Post-Merger-Integration einfach parallel zum Alltagsgeschäft abgewickelt werden könne.

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(ID:47120903)

Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin Datacenter-Insider, Vogel IT-Medien GmbH/ DataCenter-Insider