Keine Chance für schädliche Gase! SF6-Verbot auf Bundesebene: Ein Schritt in die richtige Richtung

Redakteur: Ulrike Ostler

Ab 1. Januar 2022 werden SF6-basierte Mittelspannungsanlagen für Dienststellen des Bundes verboten. „Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, sagt Dirk Kaisers, Segment Leader Distributed Energy Management bei Eaton für Europa, Naher Osten und Afrika.

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Die Installation einer Eaton-Mittelspannungsanlage in einem Kundenrechenzentrum.
Die Installation einer Eaton-Mittelspannungsanlage in einem Kundenrechenzentrum.
(Bild: Eaton)

Mittelspannung und Datacenter? Aber ja. Das ist sogar in den meisten Rechenzentren ein Thema. Die Mittelspannung wird in Trafostationen auf 400 Volt gewandelt und mittels Kabel- oder Stromschienen über die Niederspannungshauptverteilung (NSHV) und Normalnetz-Unterverteilung ins Rechenzentrum geleitet. Die Normalnetz-Unterverteilung versorgt auch die unterbrechungsfreien Stromversorgungsanlagen (USV) mit Strom.

Es gibt zwar luftisolierte Mittelspannungsanlagen, doch die sind meist älteren Semesters. Die meisten Anlagen sind gasisoliert aufgebaut, so schreibt es zumindest Bernd Dürr in seinem Handbuch „IT-Räume und Rechenzentren planen und betreiben“. Und zumeist ist als Isoliergas Schwefelhexafluorid SF6 im Einsatz, eine anorganische, chemische Verbindung aus Schwefel und Fluor. Die guten Eigenschaften: Das Gas ist geruchslos, ungiftig, unbrennbar und reaktionsträge. Der entscheidende Nachteil: Es ist toxisch - schädlich für die Umwelt.

Durch die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Beschaffung klimafreundlicher Leistungen (AVV Klima) wird ab dem 1. Januar 2022 die Beschaffung bestimmter klimaschädlicher Leistungen für Dienststellen des Bundes verboten. Dazu zählen auch SF6-basierte Mittelspannungsschaltanlagen. „Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, kommentiert Kaisers.

Weg damit!

„Schwefelhexafluorid oder kurz SF6 ist das stärkste bekannte Treibhausgas. Seine Auswirkungen auf die Atmosphäre werden mit einem CO2-Äquivalent von 23.500 beziffert, das will heißen, ein Kilogramm dieses Gases hat in etwa dieselbe Auswirkung wie 23.500 Kilogramm Kohlenstoffdioxid.“

Trotz dieser extrem schädlichen Eigenschaften kommt das Gas heute immer noch als Isolator in Mittelspannungsschaltanlagen zum Einsatz – „und das“, fügt Kaisers hinzu, „obwohl bereits seit langem ausgereifte Alternativen existieren, die über Jahre und Jahrzehnte in der Praxis erprobt wurden.“

Die aktuelle Verwaltungsvorschrift des Bundes sei daher ein wichtiges Signal, doch das Gros der Mittelspannungsschaltanlagen werde schließlich von der Privatwirtschaft beschafft.

Kaiser fordert: „Was wir hier brauchen, ist ein vollständiges Verbot von SF6 in Mittelspannungsumgebungen durch die EU. Hier sollte eigentlich längst eine Entscheidung vorliegen, diese wurde aber immer wieder verschoben. Nach dem aktuellen Stand ist damit erst im Laufe des nächsten Jahres zu rechnen.“

Ein Verbot

Durch die F-Gas-Verordnung der EU wurde SF6 bereits 2014 für alle Anwendungsfälle außer Mittel- und Hochspannungsanlagen verboten. Jetzt komme es darauf an, auch die Duldung für die Mittelspannung zügig zu beenden, so der Eaton-Mann. Ansonsten drohe die absurde Situation, dass durch den Ausbau erneuerbarer Energien mehr Treibhausgas freigesetzt werde.

Eine solche Schaltanlage benötige schließlich jedes Windrad. Zudem lasse sich nicht verhindern, dass im Betrieb sowie bei der Entsorgung von SF6-Anlagen immer zu einem „gewissen Gasaustritt“ komme.

Anlagen auf Basis von Feststoff-, Vakuum- und/oder Luftisolation kommen dagegen ganz ohne schädliche Emissionen aus, sind ebenfalls kompakt sowie sicher im Betrieb und ausreichend am Markt verfügbar, sagt Kaisers. „Damit gibt es keine rationalen Argumente mehr, um den Einsatz von SF6 in Mittelspannungsschaltanlagen zu verteidigen.“

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