Und? Was halten Sie von Atomkraft für Rechenzentren? Rolls Royce plant nukleare Reaktoren für Rechenzentren

Autor Ulrike Ostler

Bereits ab 2030 könnten Kernreaktoren den Betreibern von Hyperscale-Rechenzentren die Grundlast liefern. Offenbar führt Rolls-Royce Gespräche mit Tech-Unternehmen, um große Datacenter bereits mit Mini-Kernkraftwerken zu betreiben.

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Viel Grün, wenig CO2, jede Menge Arbeitsplätze - das ist das Bild, was Rolls Royce und die Partner der Gruppe Small Modular Reaktors (SMR) vermitteln wollen. Als Kunden der Kernkraftwerke haben sie Hyperscale-Rechenzentren ausgemacht.
Viel Grün, wenig CO2, jede Menge Arbeitsplätze - das ist das Bild, was Rolls Royce und die Partner der Gruppe Small Modular Reaktors (SMR) vermitteln wollen. Als Kunden der Kernkraftwerke haben sie Hyperscale-Rechenzentren ausgemacht.
(Bild: Small Modular Reactors)

Das von Rolls-Royce geführte SMR-Konsortium (SMR = Small Modular Reactors) hat Pläne zum Bau von bis zu 16 Mini-Kernkraftwerken in Großbritannien angekündigt. Dafür sprächen die Schaffung von rund 6.000 Arbeitsplätzen innerhalb der kommenden fünf Jahre – in den Midlands und im Norden Englands -, die Bereitstellung von kohlenstoffarmer Energie und die Hoffnung, die nuklearen Kleinkraftwerke könnten zu einem Exportschlager werden.

Auf der Rolls-Royce-SMR-Website heißt es: „Gemessen am Wert werden bis zu 80 Prozent der Kraftwerkskomponenten in Fabriken der Midlands und Nordengland hergestellt, bevor sie zur schnellen Montage in wetterfesten Überdachungen zu den bestehenden Kernkraftwerken im ganzen Land transportiert werden, [...sie]

werden bis Mitte der 2030er Jahre weitere 34 000 Langzeitarbeitsplätze schaffen, zumeist in hochwertigen Fertigungsbereichen, und sie werden außerdem kohlenstoffarme Energie zur Herstellung von synthetischen Flugkraftstoffen und Wasserstoff liefern, was das Ziel der britischen Regierung, den Flugverkehr kohlenstofffrei zu machen und die allgemeine Dekarbonisierung des Verkehrssektors, unterstützt.“

Zudem sind 215 Millionen Pfund (rund 254 Millionen Euro) an staatlicher Förderung zu erwarten. Jedenfalls hat das Konsortium für 2020 eine Finanzierung in Höhe von 215 Millionen Pfund angekündigt, die ab 2021 im Rahmen des Low Cost Nuclear (LCN)-Programms im Rahmen von UK Research and Innovation (UKRI) bereitgestellt wird. Ziel des LCN-Programms ist es, das Vereinigte Königreich als weltweit führenden Anbieter von nuklearer Kraft-Wärme-Kopplung zu positionieren. Nutznießer sollen zum Beispiel Hyperscale-Rechenzentren sein.

Was aussieht wie eine überdimensionale Made an einem malerischen Strand, ist das Model eines Mini-Kernkraftwerks.
Was aussieht wie eine überdimensionale Made an einem malerischen Strand, ist das Model eines Mini-Kernkraftwerks.
(Bild: Small Modular Reactors)

Die britische SMR-Gruppe besteht neben Rolls Royce aus dem National Nuclear Laboratory und dem Bauunternehmen Laing O'Rourke, Assystem, Atkins, BAM Nuttall, Jacobs, Nuclear Advanced Manufacturing Research Centre,TWI und Exelon. Nach einem Bericht des Senders BBC hat die Gruppe im vergangenen Jahr rund 18 Millionen Pfund erhalten, um mit der Entwicklung des SMR-Konzepts zu beginnen. Die Regierung halte neue Kernkraftwerke für unverzichtbar, wenn das Land sein Ziel erreichen wolle, bis 2050 klimaneutral zu sein, das heißt: wenn jeder freigesetzte Kohlenstoff durch eine entsprechende Menge an aus der Atmosphäre absorbiertem Kohlenstoff ausgeglichen wird.

Ohnehin stehen neue Kernkraftwerke in Großbritannien hoch im Kurs. Gebaut wird etwa eins in Hinkley Point, Somerset, und eins in Sizewell, Suffolk. Dabei handelt es sich nicht um Anlagen im Kleinformat. Nach Angaben von BBC plant die britische Regierung gegen Ende November ein detailliertes Zehn-Punkte-Weißbuch, in dem der Kurs der britischen Energiepolitik für die kommenden Jahrzehnte festgelegt werden soll, inklusive des Ausbaus von Kernenergie im Land.

Denn im Energienetz auf der Insel klaffe ein Loch von der Größe der Kernenergie, etwa 20 Prozent – unter anderem, weil sechs der sieben britischen Kernreaktorstandorte bis 2030 vom Netz gehen sollen und der verbleibende, Sizewell B, 2035 stillgelegt werden soll. Außerdem werden der Verzicht auf fossile Brennstoffe für Verkehr und Heizung zu einem dreifachen Anstieg des Stromverbrauchs führen, so die britische Regierung.

Was ist ein modulares Kernkraftwerk?

Rolls-Royce und Partner wollen Kernenergie wie ein Lego-Set gestalten und argumentieren gegen „Kernkraft-Megaprojekte auf schlammigen Feldern“. Dagegen sprächen, abgesehen davon, dass es sich um Kernenergie handelt, die enormen Kosten, die eben genau deswegen anfallen: weil die Projekte riesig und komplex sind und sehr hohe Sicherheitsstandards erfüllen müssen. Außerdem würden nur wenig Kernkraftwerke neu gebaut, so dass die Möglichkeiten, aus Fehlern zu lernen, recht eingeschränkt seien.

BBC schreibt: „Deshalb sagen Rolls-Royce und seine Partner: Lasst uns die Reaktoren kleiner machen und viele davon bauen, damit wir wirklich gut darin werden.“ Der Bauaufwand soll drastisch sinken.

„Das Kernstück des britischen SMR-Konzepts ist die Neuverpackung zuverlässiger und bewährter Technologie“, heißt es auf der Rolls-Royce-SMR-Website.
„Das Kernstück des britischen SMR-Konzepts ist die Neuverpackung zuverlässiger und bewährter Technologie“, heißt es auf der Rolls-Royce-SMR-Website.
(Bild: Small Modular Reactors)

Jede SMR-Anlage würde 440 Megawatt Strom erzeugen; das reichte, um Sheffield mit Strom zu versorgen, auf der Rolls-Royce-Website steht: „genug kohlenstoffarmen Strom für eine Stadt mit 450.000 Haushalten für 60 Jahre“.

Die Kosten pro Anlage wird auf rund 2 Milliarden Pfund (rund 2,366 Milliarden Euro) geschätzt. Nach Angaben des Konsortiums könnte das erste dieser modularen Kraftwerke in zehn Jahren in Betrieb gehen, danach ließen sich zwei pro Jahr bauen und installieren. Zum Vergleich: Das viel größere Kernkraftwerk, das in Hinkley Point in Somerset gebaut wird, wird voraussichtlich etwa 22 Milliarden Pfund kosten, aber mehr als 3 Gigawatt Strom erzeugen - mehr als sechsmal so viel.

Ob die Briten Kernkraftwerke direkt an ihrem Strand wollen, die Kosten sich gegenüber der Erzeugung von Strom aus regenerativen Quellen rechtfertigen lassen, die Hyperscale-Rechenzentren sich auslagern lassen wollen, ist derzeit noch in der Diskussion.

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