Mit „Power11“ präsentiert IBM in München eine Infrastrukturplattform, die Zero-Downtime, KI-Integration und Datensouveränität vereint und einen ersten Ausblick auf das nächste Chip-Design erlaubt.
IBM hat in München das Compute-System „Power11“ vorgestellt - vom Chip über die KI und Hardware-Design stammt alles von Big Blue.
(Bild: IBM)
Mit Power11 verfolgt IBM ein ambitioniertes Ziel: Unternehmen sollen geschäftskritische Workloads in hybriden Cloud-Umgebungen betreiben können, ohne Ausfallzeiten. Die neue Servergeneration ist drauf ausgelegt, geplante und ungeplante Ausfallzeiten vollständig zu vermeiden. Dafür kombiniert IBM drei zentrale Technologien: autonomes Patching, Live Partition Mobility (LPM) und „IBM Concert“ – ein KI-gestütztes IT Operations Center auf Basis von „Watsonx“.
IBM wählte wegen der starken Kundenbasis in Deutschland München für den internationalen Power11-Launch. Unter anderem war Bosch als deutscher IBM-Kunde vor Ort.
Kritische Patches und Firmware-Updates lassen sich dadurch im laufenden Betrieb ausrollen. Das System erkennt Sicherheitslücken automatisch, bewertet deren Risiko und spielt Updates ein, ohne Applikationen offline zu nehmen. Bargav Balakrishnan, Vice President, Product Management bei IBM, erläutert: „Wir hören immer wieder von Kunden, dass sie gezwungen sind, Patches auf dem neuesten Stand zu halten und gleichzeitig die Kosten für Ausfallzeiten, die IT-Produktivität und das Risiko für die betriebliche Infrastruktur im Griff zu behalten,“, in einem Interview mit DataCenter-Insider. „Mit Power11 tragen wir dazu bei, diesen Kompromiss zu beseitigen, indem wir es unseren Kunden ermöglichen, kritische Updates ohne Unterbrechung des Betriebs auszuführen.“
Zwei Wege führen dabei zum gleichen Ergebnis: Zero Planned Downtime. Wer mit IBM Concert arbeitet, erhält einen End-to-End-Workflow: von der Schwachstellenanalyse bis zur automatisierten Umsetzung inklusive Live-Migration der betroffenen Workloads. Alternativ lassen sich Updates auch direkt über das integrierte Power-Systeme orchestrieren, und das mit vergleichbarem Automatisierungsgrad.
Cyber Vault und quantensichere Verschlüsselung
Für den Schutz vor Ransomware und anderen Angriffen bringt Power11 „IBM Power Cyber Vault“ mit. Die integrierte Sicherheitsfunktion erkennt Bedrohungen laut IBM in unter einer Minute und aktiviert sofort Wiederherstellungsprozesse. Immutable Snapshots und automatisierte Recovery-Mechanismen sind Teil eines NIST-konformen Sicherheitsmodells.
Ergänzt wird die Sicherheitsarchitektur durch quantensichere Verschlüsselung: Power11 nutzt kryptografische Verfahren, die gegen so genannte „Harvest Now, Decrypt Later“-Angriffe schützen sollen. Hierbei handelt es sich um Szenarien, bei denen verschlüsselte Daten heute abgegriffen und künftig durch Quantencomputer dechiffriert werden könnten.
Die Einstufung von Schwachstellen erfolgt automatisiert anhand mehrerer Parameter. Power11 analysiert kryptografische Verfahren unter anderem nach ihrer algorithmischen Stärke, der Nutzungsdauer verwendeter Schlüssel und weiteren sicherheitsrelevanten Metadaten.
Das System ordnet erkannte Risiken in Kategorien wie „hoch“, „mittel“ oder „niedrig“ ein und priorisiert entsprechende Maßnahmen. „Unser Fokus bei Power11 liegt darauf, Kunden dabei zu helfen, ihre Sicherheitslage gegen aufkommende Bedrohungen, einschließlich zukünftiger Quantenrisiken, zu stärken“, sagte Balakrishnan. Mit den eingebauten Quantensicherheitsfunktionen hilft Power11 Unternehmen, sensible Daten heute vor „Harvest now, Decrypt later“-Angriffen zu schützen."
IBM positioniert Power11 klar als Plattform für die AI-Ära und nicht als nicht als Rechenknoten für Large Language Models, sondern als Trägerschicht für KI-nahe Unternehmensprozesse. Hillery Hunter, CTO und General Manager, Innovation, IBM Infrastructure, erläuterte, dass die Rechenkerne selbst durch den „MMA“ (Matrix Math Accelerator) bereits für Inferencing optimiert wurden. Deutlich mehr Leistung soll der „IBM Spyre Accelerator“ liefern, der als externer PCIe-Beschleuniger ab Q4 2025 verfügbar sein wird.
Mit dieser Kombination adressiert IBM die technische Hürde, KI-Workloads nahe an produktive Daten heranzuführen, etwa in ERP-Systemen, Logistikprozessen oder Health-Analytics-Anwendungen. Neben Hardware-Unterstützung sind auch Softwarekomponenten entscheidend: „Openahift AI“, „Watsonx.data“ und „Watson Code Assistant“ werden nativ unterstützt und bilden das Software-Fundament für modellgetriebenes Arbeiten auf Power11.
Konsistenter Stack von On-Prem bis Cloud
Power11 ist ab Start in allen Systemklassen verfügbar , von Entry bis High-End, und steht zugleich als „Power Virtual Server“ in vier IBM-Cloud-Zentren (zwei in den USA, zwei in Europa) bereit. Die Plattform ist damit vollständig hybridfähig.
Insbesondere SAP-Kunden profitieren: Power11 ist für „RISE with SAP“ zertifiziert und bietet mit IBM Cloud die einzige Power-basierte Hyperscaler-Umgebung für diese Workloads.
Auf der Veranstaltung in München zu Power11 haben die IBMSprecher betont, dass die Plattform Vorteile aus der vertikalen Integration schöpfe. Von Custom-Silicon über Firmware, Betriebssystem und Virtualisierung bis hin zur Cloud-Infrastruktur komme alles aus einer Hand und sei durchgängig auf Business Continuity (auf Deutsch: Geschäftsfortführung oder Geschäftskontinuität), Security und AI-Beschleunigung ausgelegt.
Stand: 08.12.2025
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Diese Integration erlaubt nicht nur effizientere Wartungsprozesse, sondern eröffnet auch neue Architekturpfade: IBM plant, nach Power11 auf ein modulares Chiplet-Design umzustellen. William Starke, Chief Architect für Power-Prozessoren, hat auf der Veranstaltung hervorgehoben, dass entsprechende Entwicklungsarbeiten bereits seit sieben Jahren laufen.
Das Nachfolgemodell, offiziell noch ohne Namen, wird erstmals auf dieser Architektur basieren. IBM habe eigene Wege zur Umsetzung gefunden, die sich teilweise von Konkurrenzlösungen unterschieden, so Starke. Aber in Tests hätten sich bereits die erwarteten Vorteile bestätigt. „Heute bin ich zuversichtlicher, was unsere Wettbewerbsfähigkeit im Chip-Zeitalter angeht, als ich es im monolithischen Chip-Zeitalter war“, bekräftigt Starke.