Von „SAP ECC“ auf „S/4 HANA“ und von on-prem zur hybrid Cloud Nun wird die Cloud auch für SAP-Anwender zum Megatrend

Von Jürgen Frisch 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Der Umstieg von „SAP ECC“ auf „S/4 HANA“ und gleichzeitig die Migration in die Private Cloud von SAP oder in die „Azure Cloud“ von Microsoft – beides betrachtet Michael Zitz, Co-CEO des SAP-Partners All for One als dominierende Trends im SAP-Markt.

All for One migriert für Kunden „SAP ECC“  zu „S/4 HANA“ und gleichzeitig in die Private Cloud von SAP oder in die „Azure“ Cloud von Microsoft. (Bild:  ParinApril - stock.adobe.com)
All for One migriert für Kunden „SAP ECC“ zu „S/4 HANA“ und gleichzeitig in die Private Cloud von SAP oder in die „Azure“ Cloud von Microsoft.
(Bild: ParinApril - stock.adobe.com)

Was waren aus Ihrer Sicht im Jahr 2023 die prägenden Entwicklungen im SAP-Geschäft?

Michael Zitz: Zwei Schwerpunkte haben wir gesehen: zum einen die Migration von SAP ECC auf SAP S/4 HANA, und zum anderen der Wechsel in die Cloud. Entweder mit angepassten Systemen in die Private Cloud von SAP, oder in die Azure Cloud von Microsoft. Wir haben mit vielen Kunden aus der Installed Base die Migration auf S/4 HANA und den Wechsel von On-Premises-Systemen in Cloud diskutiert.

Wie viele Migrationsprojekte mit „Conversion/4“ haben Sie 2023 bewerkstelligt und wie viele planen Sie 2024?

Michael Zitz: Wir haben seit Beginn inzwischen 75 Conversion/4 Projekte durchgeführt, und unsere Pipeline ist gut gefüllt. Im vergangenen Jahr haben wir den Umsatz in diesem Bereich um 54 Prozent gesteigert und auch für 2024 streben wieder starkes Wachstum an.

Gehen Sie davon aus, dass Sie alle Ihre Kunden vor dem Ende der Wartung von SAP ECC auf S/4HANA migrieren können?

Michael Zitz: Nein, das schaffen wir ganz sicher nicht. Wir sind stolz auf über 3.000 Stammkunden, und davon haben mehr als 1.000 einen aktiven Wartungsvertrag. In unseren Kernmärkten gibt es rund 9.000 SAP ERP-Kunden. All diese Kunden können wir gar nicht vor dem Wartungsende auf S/4 HANA migrieren; denn dafür sind weltweit nicht genug SAP-Berater verfügbar.

Wir versuchen, so viele Kunden wie möglich in die neue SAP-Welt zu bringen. Dabei helfen unsere Nearshore-Center in Polen, in der Türkei und in Ägypten. Wir sprechen darüber hinaus unsere Kunden aktiv an, welche Möglichkeiten sie nach dem Ende der Wartung im Jahr 2027 haben, ihr bestehendes SAP-System weiter zu betreiben.

Ihre Migrationsvariante Conversion/4 geht davon aus, dass SAP-Systeme künftig in der Cloud laufen. Wie sieht bei Ihren Kunden die Cloud-Akzeptanz aus?

Michael Zitz: Die Cloud-Affinität hat bei unseren Kunden sehr stark zugenommen. Viele Kunden sehen die Vorteile der Cloud, beispielsweise die Möglichkeit, Systeme sehr schnell zu skalieren und zudem vom Software-Hersteller regelmäßig neue Funktionen eingespielt zu bekommen. Im Rahmen von Conversion/4 bringen wir die SAP-Systeme entweder in die Private Cloud von SAP oder aber in die Microsoft-Azure-Cloud.

In der Podcast-Folge #25 der „DataCenter Diaries“ hat sich Michael Zitz, Co-CEO beim SAP-Partner All for One, mit Autor Jürgen Frisch über die Migration von SAP-Anwendungen in die Cloud unterhalten. Das Zukunftsmodell ist und bleibt ein hybrider Betrieb.

Die Podcast-Folge #25 von DataCenter Diaries findet sich auf Spotify, Apple Podcasts, Deezer, Amazon Musik und Google Podcasts.

Gibt es auch Systemteile, die Unternehmen auch nach der Cloud-Migration im eigenen Haus behalten wollen, wie beispielsweise eine Fertigungssteuerung, die sie dann in einem hybriden Ansatz mit der Cloud verknüpfen?

Michael Zitz: Nur selten wandern alle Systeme in die Cloud. Stattdessen setzt sich das hybride Modell durch. Die Kunden benötigen daher eine Integrationsplattform, um die inhouse laufenden Eigenentwicklungen oder Thirdparty-Lösungen mit der Cloud zu verknüpfen. Genau das bieten wir mit „Rise One“ an. Wir bilden damit End-to-End-Prozesse ab, die für unsere Kunden Mehrwert stiften.

Welche Systemteile behalten Ihre Kunden im eigenen Haus?

Michael Zitz: Das ist unterschiedlich, denn wir haben Kunden aus unterschiedlichen Branchen. Im Maschinenbau ist das beispielsweise eine Fertigungssteuerung, bei einem Automobilzulieferer kann es ein spezielles Branchenmodul sein. Unsere Berater zeigen dem Kunden in einer Roadmap auf, welche Module er sinnvollerweise standardisiert in die Cloud bringt, und welche Systemteile er im eigenen Rechenzentrum oder auf denen vom jeweiligen Provider betreibt.

Innovationen wie „Green Ledger“ will SAP künftig ausschließlich in der Cloud anbieten. Behindert das deren Akzeptanz oder schiebt das die Cloud-Migrationen an?

Michael Zitz: SAP hat klar erklärt, dass sie Anwendungen wie Green Ledger oder auch Lösungen auf Basis Künstlicher Intelligenz künftig ausschließlich in der Cloud anbietet. Die meisten unserer Kunden akzeptieren das, weil sie mit Künstlicher Intelligenz beispielsweise Prozesse automatisieren wollen, und weil sie erkennen, dass so etwas in der Cloud kostengünstiger zu haben ist.

Kann man sich derartige Module nicht in einem hybriden Ansatz dazu buchen.

Michael Zitz: Ja, es wird künftig Möglichkeiten geben, derartige Innovationen mit On-Premises-Systemen zu integrieren. Allerdings wird das aus meiner Sicht aufwändiger und kostspieliger als der reine Cloud-Betrieb. Während man in der Cloud neue Funktionen automatisch bekommt, muss man sich in einem On-Prem-System selbst um die Release-Zyklen kümmern. Es dürfte zudem einen hohen Aufwand nach sich ziehen, die Innovationen so eng mit dem bestehenden Inhouse-System zu verzahnen, dass daraus ein Wettbewerbsvorteil entsteht.

Bei einer Bluefield-Migration lässt sich ein SAP-ERP-System ohne großen Aufwand nach S/4 HANA migrieren. Oftmals werden dabei allerdings die Prozessoptimierungen in eine unbestimmte Zukunft verschoben. Wie sieht das bei Ihren Kunden aus?

Michael Zitz: Auf unsere Kunden trifft dieser Vorwurf eher nicht zu. Die mehr als 75 Unternehmen, die mit uns den Conversion/4-Weg eingeschlagen haben, wollen nicht nur schnell und sicher nach S/4 und in die Cloud wechseln, sondern darüber hinaus ihr System und ihre Prozesse kontinuierlich weiterentwickeln. Mit dem Business Optimization Approach erarbeiten wir mit dem Kunden zusammen zunächst eine Prozesslandkarte, dann ein Zielbild, wie das System zukünftig aussehen soll, und schließlich eine Roadmap, wie der Kunde dorthin kommt.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu RZ- und Server-Technik

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Dabei hilft uns die Conversion Factory in Polen. Dort haben wir von Schneider, Neureither und Partner 450 Entwickler und Berater übernommen, die mit dem Migrationswerkzeug „Crystal Bridge“ SAP-ECC-Systeme auf S/4 HANA umstellen. Im nächsten Schritt „Continuous Innovation“ optimieren wir kontinuierlich mit den Kunden die Prozesse.

Nachhaltigkeit gerät gerade bei vielen Unternehmen in den Fokus. Was bieten Sie ihren Kunden hier an, und wie wird das angenommen?

Michael Zitz: Wir haben das Thema Nachhaltigkeit sehr früh aufgegriffen und zeigen unseren Kunden nun mit der Management-Beratung Allfoye industriespezifische Strategien in diese Richtung auf. Nach der Strategieberatung geben wir operative Hinweise, wie man mit Datenanalytik zum Beispiel von unserer Tochter Avantum und einem spezialisierten Reporting seine aktuelle Nachhaltigkeit nachweist. Die Geschäftsmodell-Beratung schließlich zeigt auf, wie Unternehmen ihre Geschäftsprozesse künftig nachhaltiger gestalten.

Künstliche Intelligenz war 2023 ein Megatrend. SAP nennt so etwas Joule, bei Microsoft heißt das Copilot. Sie sind in beiden Welten aktiv. Wo sehen Sie spannende Use-Cases?

Michael Zitz: Funktional sehe ich aktuell zwei Ebenen: Zum einen das Erstellen von Texten und Bildern, um beispielsweise das Marketing zu unterstützen. Darüber hinaus suchen wir nach Wegen, wie uns Künstliche Intelligenz in der Entwicklung unterstützen kann.

Generative Künstliche Intelligenz wird künftig vermehrt in ERP-Systemen und in Fachbereichsanwendungen verfügbar sein. Kunden, die Cloud-Lösungen im Einsatz haben, bekommen die entsprechenden Funktionen automatisiert von SAP und Microsoft in ihre Systeme eingespielt. Unser Consulting arbeitet daran, diese Features mit den Anforderungen der Kunden in Einklang zu bringen, so dass diese effizienter werden und sich Wettbewerbsvorteile erarbeiten.

Im Gespräch

Michael Zitz ist Co-CEO beim SAP-Partner All for One.

Foto Quelle: All for One

michael-zitz.jpg

(ID:49876648)