Neues Tier-4-Datacenter in München

Im IGN-Rechenzentrum sorgt Brunnenkühlung für PUE 1,2

| Redakteur: Ulrike Ostler

Das „grüne“ Rechenzentrum von IGN erzielt durch die Nutzung von Grundwasser für die Klimatisierung. Das Wasser wird einer Brunnenanlage entnommen, gefiltert und durch die Wärmetauscher des Klimasystems geführt. (Bild: IGN)
Das „grüne“ Rechenzentrum von IGN erzielt durch die Nutzung von Grundwasser für die Klimatisierung. Das Wasser wird einer Brunnenanlage entnommen, gefiltert und durch die Wärmetauscher des Klimasystems geführt. (Bild: IGN)

Als Peering-Partner sichert IGN die direkte Anbindung an Deutschlands größte Internet-Knoten. Jetzt hat das Unternehmen in München ein „grünes“ Tier-4-Rechenzentrum eröffnet; denn Brunnenkühlung sorgt für PUE 1,2.

Das neue Rechenzentrum des Internet Service Providers und Rechenzentrumsbetreibers IGN steht im Münchener Stadtteil Obergiesing. Das Energie-effiziente Datacenter mit einem PUE-Wert von 1,2 (PUE = Power Usage Effectiveness) bietet auf einer Stellfläche von 380 Quadratmetern Platz für bis zu 260 Racks.

Den geringen Energieverbrauch für den Betrieb der Infrastruktur erzielt IGN durch die Nutzung von Grundwasser für die Klimatisierung. Gerald Nowitzky, Gründer und Geschäftsführer von IGN, sagt, wie es dazu kam: „Schon von den ersten Überlegungen für ein eigenes Rechenzentrum an war uns klar, dass eine zukunftsweisende und vor allem zukunftssichere Lösung für die Klimatisierung sehr hohe Priorität für uns hat.“

Bedeutsam dafür ist die Wahl einer Brunnenkühlung. Mit diesem Kühlverfahren haben wir einen Weg gefunden, der die Klimatisierung unabhängig von der Lufttemperatur macht und den Stromverbrauch dauerhaft gering hält“, so Nowitzky.

Hochverfügbarkeit in Giesing

Daneben setzt IGN gleichermaßen auf Hochverfügbarkeit. Alle Komponenten der Strom- und IP-Anbindung sowie der Klimatisierung sind redundant ausgelegt. Die Strom-Verfügbarkeit des Datacenter beträgt 99,99 Prozent (Tier 4 nach Definition des Uptime Institute).

In dem neuen Rechenzentrum hostet und administriert IGN Internet-Portale für Geschäftskunden. Weitere Flächen werden Unternehmen mit Bedarf an hoher Ausfallsicherheit für ihre IT-Systeme als Colocation angeboten.

Ergänzendes zum Thema
 
Der Internet Service Provider IGN

Brunnen zum Grundwasser

Der Schlüssel für den geringen Energiebedarf des Rechenzentrums von IGN ist Grundwasser mit einer Temperatur von konstant 11,3 Grad Celsius. Es wird einer eigens für IGN angelegten Brunnenanlage entnommen, gefiltert und durch die Wärmetauscher des Klimasystems geführt.

Hier gibt es die Kälte an den sekundären Kühlkreislauf ab. Danach wird es, um maximal 5 Grad Celsius erwärmt, über Schluckbrunnen in das Grundwasser zurückgeführt, wo es sich rasch wieder auf die Ausgangstemperatur abkühlt.

Selbst in heißen Sommermonaten ist die Kälte-Erzeugung ohne Zuhilfenahme von energiefressenden Kompressoren möglich. Im Kühlsystem verbrauchen lediglich die Pumpen etwas Strom.

Energie-effizient und umweltschonend

Einsparungen ergeben sich darüber hinaus durch USV-Systeme mit hohem Teillast-Wirkungsgrad. Die Skalierbarkeit der Klimaschränke und Energie-effiziente EC-Lüfter sorgen für weitere Einsparungen /EC = elektronisch kommutiert).

Neben dem geringen Energieverbrauch hat IGN weitere umweltschonende Maßnahmen im Rechenzentrum umgesetzt. So wird als Kühlmittel im sekundären Kühlkreislauf anstelle chemischer Verbindungen nur reines Wasser genutzt. Für Kunden, die konsequent auf die Vermeidung von CO2-Emissionen setzen, weist IGN durch den Zukauf von Grünstrom-Zertifikaten die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen für den Betrieb der Kundenanwendung nach.

Hochverfügbar und ausfallsicher

Die gesamte Kühltechnik des IGN-Rechenzentrums ist redundant ausgeführt. Damit ein Ausfall des Kühlsystems ausgeschlossen werden kann, hat IGN zwei Saug- und zwei Schluckbrunnen mit je zwei Pumpen angelegt. Acht Umluft-Klimaschränke in N+2-Konfiguration stellen eine Kühlleistung von bis zu 600 Kilowatt sicher.

Die Rechenzentrumsfläche mit Kaltgang-/Warmgangaufstellung der Racks wird über einen Druckdoppelboden gekühlt; ein hoher Öffnungsquerschnitt der Luftauslassplatten sorgt auch bei punktuell hoher Wärmelast für optimale Kaltluftzufuhr. Die Luftströmung drängt die Warmluft ohne Absaugelemente an der Decke direkt zu den Klimaschränken zurück.

Der Standort der Klimaschränke ist räumlich vom Server-Raum getrennt. Der Unterboden im Klimabereich bildet eine Wanne, die bei einem Leck das gesamte Wasser des sekundären Kühlkreislaufs aufnehmen kann. Dies schließt die Möglichkeit eines Wassereinbruchs in den Rechenzentrumsbereich aus.

Redundante Stromversorgung

Auch die Stromversorgung ist vollständig redundant aufgebaut. Das Rechenzentrum ist an eine Ringleitung der Stadtwerke München angeschlossen.

Die Zuleitung zum Haus erfolgt über zwei getrennte Trassen von verschiedenen Gebäudeseiten aus. Im Innenbereich gewährleisten zwei Versorgungsstränge die erforderliche Redundanz. Sie werden durch sechs USV-Systeme in 2(N+1)-Konfiguration mit mindestens zehn Minuten Überbrückungszeit gestützt.

Redundanz und Flexibilität bei der Stromversorgung jedes einzelnen Servers sichern 3-Phasen-Stromschienensysteme mit A- und B-Feed-Versorgung. Bei einem Ausfall der Netzversorgung übernimmt der vorgewärmte Dieselgenerator die Stromversorgung der angeschlossenen Last innerhalb von zehn Sekunden.

Der Dieselvorrat stellt den Weiterbetrieb des Rechenzentrums für mindestens für 72 Stunden sicher; ggf. kann im laufenden Betrieb nachbetankt werden. Die Funktionsfähigkeit des Dieselgenerators wird einmal pro Monat getestet.

Was meinen Sie zu diesem Thema?
Ein Rechenzentrum der Klasse Tier 4 (falls es überhaupt ein gibt) kann aus meiner Sicht einen PUE...  lesen
posted am 06.04.2012 um 12:54 von Unregistriert

Hallo Herr Kernke, vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Wir haben mit Racks mit 60 x 100 gerechnet....  lesen
posted am 17.02.2012 um 14:59 von Unregistriert

260 Racks auf 380 qm erscheint mir recht viel und 600 KW Kälteleistung erscheint mir recht wenig...  lesen
posted am 17.02.2012 um 09:35 von Unregistriert


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