MarkLogic: Neue Datenbankversion und Kapitalbeteiligung von NTT Data - die Hintergründe

Ein Beispiel für zielgerichtete Produktentwicklung

| Autor: Ludger Schmitz

Das farbenfreudige Logo von MarkLogic 9 soll wohl Offenheit in alle Richtungen ausdrücken.
Das farbenfreudige Logo von MarkLogic 9 soll wohl Offenheit in alle Richtungen ausdrücken. (Bild: MarkLogic)

Die Neuerungen der NoSQL-Datenbank MarkLogic 9 und eine finanzielle Beteiligung von NTT Data zeigen eine geschäftliche Orientierung an. Beides soll neue Kunden unter Großunternehmen in Europa und Amerika erschließen.

Üblicherweise ist die Weiterentwicklung von Produkten zu einem gehörigen Teil reaktiv: Es kommen neue Features, die bestehende Kunden möchten und die sowohl sinnvoll als auch machbar sind. Darüber hinaus ist viel dem Zufall geschuldet, zum Beispiel genialen Ideen eines Entwicklerteams oder überragenden Spezialkenntnissen eines neu eingestellten Programmierers. Hingegen gerät die gezielte Entwicklung zur Erschließung neuer Märkte allzu oft in der Hintergrund. Der NoSQL-Datenbankanbieter MarkLogic hat das Gegenbeispiel abgeliefert, wie eine Produktentwicklung ganz auf Marktentwicklung zielt.

Wer sich durch die Details zu den Veränderungen in der neunten Version der NoSQL-Datenbank MarkLogic arbeitet, wird alsbald zwei Schwerpunkte entdecken: Das sind zum einen - und erwartungsgemäß - funktionale Verbesserungen in Richtung einfacherer Datenintegration und flexiblerer Entwicklung mit der Datenbank sowie zum anderen und besonders kräftig die Datensicherheit. Für die Details sei hier verwiesen auf die Release Notes und auf ein Whitepaper zur Version 9 von MarkLogic.

Vordergründige funktionale Verbesserungen

Auf der funktionalen Ebene stechen die Neuerungen „Entity Services“ und „Optic“ hervor. Entity Services lassen sich dazu nutzen, ein Modell und sein Vokabular zu entwickeln um Entitäten aus verschiedenen Datenquellen, beispielsweise Kunden oder Produkte, zu harmonisieren. Das soll die an sich schon verschiedenen Informationen aus relationalen Datenbanken auch ohne ETL-Software in Übereinstimmung und dann noch mit den weniger formalisierten NoSQL-Daten bringen. Ob das allerdings ausreichend gelingt, kann hier nicht beurteilt werden und muss die Praxis zeigen.

Optic ist eine neue Programmierschnittstelle, mit der sich innerhalb von NoSQL Joins legen lassen, wie man sie aus der SQL-Welt kennt. Es lassen sich so Tabellen erzeugen, die aus einzelnen Zeilen von verschiedenen Datensätzen stammen. Der Anwender bekommt ein umfassenderes Bild, ohne gleich von einem Informationswust erschlagen zu werden. Laut Hersteller ist MarkLogic die einzige Datenbank, die derlei kann. Und dahinter steckt mehr.

Datensicherheit mit Hintersinn

Der Schwerpunkt der Neuerungen bei MarkLogic 9 ist jedoch eindeutig die Datensicherheit. Natürlich spricht der Hersteller zuerst von „erweiterter Verschlüsselung“, „standardbasierter Kryptographie“, „erweitertem Key Management“ und „fein granularer Aufgabentrennung“. Das sind alles Dinge die gut und wichtig sind, aber viel aussagekräftiger ist etwas anderes.

Es scheinen zumindest Verfahren von Optic möglich zu machen, quasi das Gegenteil zu machen, nämlich nicht gezielt Einsichten zu vermitteln, sondern sie präzise zu verhindern. MarkLogic 9 mehr als eine rollenbasierte Beschränkung des Zugriffs auf Daten. Sehr viel feiner können Elemente eines Datensatzes bestimmten Benutzerkreisen angezeigt und/oder andere verborgen werden.

Auf ganz bestimmte Kundenkreise ausgelegt

Diese Fähigkeit ist vor allem für bestimmte Kundengruppen interessant: Das sind einerseits jene Unternehmen, in denen viele Teams mit unterschiedlichen Sicherheitsklassifizierungen Zugang zu Informationen benötigen. Andererseits gibt es Firmen, in denen Analysten, Partnerfirmen oder Aufsichtsbehörden Einblick in Daten haben müssen. Den können sie bekommen, ohne auch gleich beispielsweise persönliche Informationen über die Kunden offenlegen zu müssen.

Der erste Kundenkreis, an den man denkt, sind natürlich Banken und Versicherungen. Tatsächlich ist beispielsweise die Deutsche Bank ein MarkLogic-Anwender. Aber da gibt es mehr, nämlich die Pharmaindustrie, das Gesundheitswesen, Öffentliche Verwaltungen und natürlich die Fertigungsindustrie mit ihren Zulieferketten.

Ein starker Partner investiert

Genau diese Aufzählung von möglichen Anwenderkreisen findet sich in einer Presseerklärung, die MarkLogic und NTT Data wenige Tage nach der Freigabe von MarkLogic 9 herausgegeben haben. Gegenstand dieser Mitteilung ist, dass der japanische Systemintegrator, eine Tochter des Telco-Giganten, eine „strategische Investition“ in MarkLogic getätigt hat. Höhe ungenannt.

Die beiden Unternehmen arbeiten schon seit fünf Jahren auf dem japanischen Markt zusammen. Man darf wohl davon ausgehen, dass die wesentlichen Neuerungen von MarkLogic 9, die so eindeutig Anforderungen großer Unternehmen widerspiegelt, aus dieser Kooperation resultieren. Erklärtes Ziel des Bündnisses ist es, „signifikante Marktanteile im globalen Datenbankmarkt zu gewinnen“.

„Signifikant“ heißt in einem bereits stark eingefahrenen Markt bei Großunternehmen, dass man sich der bisher eher bescheidenen Größe durchaus bewusst ist, sich aber nicht in Bescheidenheit übt. Interessant ist der Hinweis auf das Globale. Es geht also nicht mehr nur um Japan. Anscheinend trauen sich beide Unternehmen zu, jetzt nicht nur auf diesem Markt aufzutrumpfen, sondern auch in Europa, Nord- und Südamerika. Genau diese Regionen nennt die Pressemitteilung zur Investition. Und MarkLogic 9 soll der Schlüssel zu ihnen sein.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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