Die Zukunft von Red Hat im Rückblick auf eine beispiellose Erfolgs-Story

Die Open-Source-Milliardäre

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Das Geschäftsmodell und die Community

Das Logoo der Open-Source-Company
Das Logoo der Open-Source-Company
(Bild: Red Hat)
Das extrem erfolgreiche Geschäftsmodell der Open-Source-Company, eine für Unternehmenskunden ausgerichtete Linux-Distribution im Abonnementmodell zu verkaufen, die vollständig aus Open-Source-Software besteht und deren Quellcode trotzdem frei verfügbar ist, ist gerade Mal ein Jahrzehnt alt, nachdem das 1993 gegründete Unternehmen ACC bereits Geld mit der Linux-Distribution von Red Hat Linux (RHL) verdient hatte. Mit seiner folgerichtigen Entscheidung, sich seit dem Jahr 2003 ausschließlich auf Unternehmenskunden und den Server-Bereich zu konzentrieren, war Red Hat seiner Zeit weit voraus.

Dass man Endanwender trotzdem nicht ignorierte, sondern mit Stiftung des Community-Projekts „Fedora-Linux“ eine bis heute trendweisende freie Linux-Distribution aus der Taufe hob, spricht nicht nur für das soziale Selbstverständnis und eine Verantwortung gegenüber der Anwender-Community. Zugleich und vor allem hat der Konzern als erster ein mit Open-Source realisierbares Geschäftsmodell umgesetzt.

Fedora Linux rangiert in den einschlägigen Hitlisten von Linux-Distributionen seit 10 Jahren beständig auf den Plätzen 1 bis 5 und ist keineswegs eine Sparvariante von RHEL von Red Hats Gnaden, sondern gilt ganz im Gegenteil als Experimentierfeld der im Fedora-Projekt involvierten, bezahlten Red-Hat-Entwickler für neuste Technologien. Fedora gilt unter Linux-Nerds allgemein als Trendsetter und dasjenige Linux-System, das die jeweils neusten Entwicklungen bereitstellt. So bietet Fedora Admins und Entscheidern unter anderem die Gelegenheit, für Red Hat Enterprise Linux geplante Entwicklungen vorzeitig oder in RHEL bereits als Technology-Preview enthaltene Funktionen ohne Erwerb eines Abonnements zu testen.

Alles Open Source

Teil der erfolgreichen Geschäftspolitik ist auch, dass Red Hat eigene Software stets unter Open-Source-Lizenzen stellt und/oder von den eigenen Programmierern initiierte Entwicklungen an Stiftungen wie die Apache Foundation übergibt. Red Hat und seine Entwickler haben damit mehr als jedes andere Unternehmen maßgeblich zur Weiterentwicklung fundamentaler Open-Source-Komponenten beigetragen, etwa dem Linux-Kernel samt glibc, dem Grafik-Stack X.org, dem Gnome-Desktop, nebst zugrunde liegender Gtk-Bibliothek, sowie der im Linux-Kernel enthaltenen Virtualisierungs-Engine KVM mit dem Libvirt-API, welches heute bei zahlreichen freien Virtualisierungs-Management-Lösungen zum Einsatz kommt.

Das gilt nicht weniger für viele populäre von Red Hat entwickelte Middleware-Komponenten, sowie Storage- und Cloud-Technologien. Sogar der Code vom Web-basierten System-Management-Werkzeug „Red Hat Network“ (RHN) steht seit einiger Zeit unter einer Open-Source-Lizenz und wird zum Beispiel auch vom direkten Konkurrenten Suse eingesetzt. Ebenso bemerkenswert ist, dass Red Hat auch die Software, die durch Unternehmenszukäufe und Übernahmen in den Besitz der Firma gelangt sind, mit etwas Verzögerung unter eine Open-Source-Lizenz stellt.

Manchmal dauert´s

Dass das manchmal etwas länger dauert, liegt schlicht daran, dass Red Hat solche Software oft in mühevoller Arbeit von proprietären Code-Bestandteilen befreien muss. Populärstes Beispiele dieser Art sind neben dem aus dem Kauf des israelischen Unternehmens Qumranet im Jahr 2008 hervorgegangene KVM-Hypervisor auch die ebenfalls aus dem Qumranet-Deal hervorgegangene Virtualisierungs-Lösung RHEV.

Deren Web-basierte Management-Komponente in Form des oVirt-Projektes von Red Hat wurde mit einer Verzögerung von fast vier Jahren inzwischen ebenfalls an die Communty übergeben, nachdem man auch hier mühevoll proprietären Code durch Java ersetzt hatte. Heute arbeiten Canonical, IBM, Intel, Suse und andere Unternehmen an der herstellerunabhängigen Virtualisierungs-Management-Lösung "oVirt" mit.

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