Logica baut mit der Microsoft-Cloud-Plattform viele neuartige Anwendungen

Azure hat viele Gesichter

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Welche Komponenten haben Sie hier verwendet?

Christoph Langewisch: MS Surface für die Benutzeroberfläche der Kontrollzentrale, „Web-Roles“ für das Portal und „Worker-Roles“ für die Applikationslogik im Hintergrund, und natürlich „App-Fabric“, um das Ganze zusammenzusetzen. Die Information zum Beispiel über einzelne Geräte ist in Tabellen organisiert und gespeichert.

Das klingt sehr innovativ, fast wie Science Fiction.

Christoph Langewisch: Auf den ersten Blick ja. Es gibt noch mehr Lösungen, bei denen man wirklich großes Zukunftspotential sehen kann. Ein Beispiel ist auch die Plattform „I can help“. Hier geht es darum, dass die registrierten Mitglieder der Plattform bei einem Notruf automatisch mit den möglichen Ersthelfern mit medizinischen Kenntnissen in Kontakt gebracht werden, die sich höchstens 400 Meter weit weg von ihnen befinden und daher auch wirklich was tun können.

Die potentiellen Ersthelfer sind auch noch klassifiziert nach ausgebildeten Ärzten, Medizinstudenten und sonstigen Leuten. Hierbei mussten wir Datenbanken mit den Daten über die jeweiligen Personen auf der Kunden- und der Helferseite einbinden und eine Mapping-Anwendung auf dem Handy, die die Position des Anrufers mit denen der potentiellen Helfer abgleicht.

Hier gab es zwar viele Daten, aber keine Anwendungslogik. Wir mussten also die komplette Web- und die Handy-Applikation realisieren. Ein Windows-Azure-Server speichert dann die Positionsdaten. Dazu kommt noch das Management des Ganzen. Zugute kam uns, dass Windows Azure hier schon viel anbietet, man kann zum Beispiel auf „Bing-Maps“, das Gegenstück zu den „Google-Maps“, zurückgreifen.

Gibt es auch eher bodenständigere Lösungen, die man sich im Unternehmensumfeld vorstellen kann?

Christoph Langewisch: Natürlich. Silverlight und Rich Internet Applications eröffnen hier ganz neue Horizonte. Nehmen wir eine Filialsoftware, die auch Drucker oder Kassensysteme ansteuern kann. Mit Silverlight lässt sich das Ganze so aufbauen, dass man die Anwendung als einige Megabyte großes Paket aus dem Web als Browser-Plugin lädt.

Die Daten, auf die diese durch die lokale Haltung recht schnelle Anwendung nutzt, liegen in der Cloud. Trotzdem kann die Anwendung, als wäre sie vollständig lokal, zum Beispiel den Drucker in der Filiale in Betrieb setzen. Wir sehen bei diesen hybriden Anwendungen eine große Zukunft.

Das gilt schließlich auch für Dinge wie Marketing-Plattformen, wo beispielsweise Videos oder anderes umfangreiches Material zu einem bestimmten Zeitpunkt sehr vielen Leuten zur Verfügung gestellt wird. Nachdem das Interesse wieder sinkt und der Benutzerstrom abnimmt, werden möglichst viele Azure-Instanzen gestoppt und es können sofort Kosten eingespart werden.

Hier ist Windows Azure bestens geeignet, weil auch ein Content Delivery Network zum Programm gehört, genau wie Blobs als typische Speicherform für unstrukturierte Inhalte. Ich glaube daher, der gesamte Azure-Markt kommt erst jetzt richtig ins Rollen und könnte noch viele Überraschungen bereithalten.

Die Autorin:

Ariane Rüdiger ist freie Autorin in München.

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