Wo ist der geeignete Standort für ein Rechenzentrum?

Auch in der Cloud gilt: Es muss nicht immer Frankfurt sein

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger* / Elke Witmer-Goßner

Der westeuropäische Markt für IaaS und Public Cloud soll noch über Jahre stark wachsen. Für Rechenzentrumsbetreiber ergeben sich daraus große Chancen – auch jenseits der Grenzen.
Der westeuropäische Markt für IaaS und Public Cloud soll noch über Jahre stark wachsen. Für Rechenzentrumsbetreiber ergeben sich daraus große Chancen – auch jenseits der Grenzen. (Bild: Zerophoto, Fotolia)

Wer Rechenzentren betreibt, sollte nicht immer auf die ohnehin überfüllten HotSpots schielen. Mit etwas Abenteuergeist lässt sich unter Umständen mit Rechenressourcen an fremden Gestaden ein lukratives Geschäftsmodell aufbauen. Auf der Kongressmesse „Datacloud Europe 2015“ in Monaco ließ sich darüber einiges lernen.

Wer heute als Cloud-, XaaS- oder auch Co-Location-Betreiber ins Geschäft mit Rechenzentren und Online-Diensten einsteigt oder als Unternehmen selbst neue Cloud-Rechenzentren baut, muss unter anderem die Standortfrage klären. Dabei spielen mehrere Faktoren eine wichtige Rolle: Landpreis, Energiepreis, Nähe zu den Anwendern, Vorhandensein schneller Netzverbindungen, politische und rechtliche Sicherheit und Wachstumspotenzial.

Doch wie die einzelnen Faktoren abwägen? Dass die Nähe zum Anwender nur noch eines von vielen Argumenten für die Standortwahl ist, beweisen Amazon, Apple, Google und Facebook. Alle diese Betreiber bauten neue Lokationen ihrer hyperskalierenden Infrastrukturen in weit im Norden Europas gelegenen Ländern, obwohl diese relativ kleine Bevölkerungen haben.

Der Grund: verlässliche Rahmenbedingungen, gut ausgebildete Arbeitskräfte, kühle Luft, gute Vernetzung mit dem Rest Europas und reichlich regenerative Energiequellen, in Dänemark beispielsweise Windenergie. Apple etwa errichtete gerade im dänischen Viborg ein großes Rechenzentrum für Animation und neue Medien, das 200 Megawatt Abwärme produziert.

In Viborg wird diese in ein Nahwärmenetz eingespeist und verbessert so die Umweltbilanz der Anlage. Norwegen konnte hier in den vergangenen Jahren noch nicht wirklich als Standort mitspielen – hier fehlten die schnellen Anbindungen in die Bevölkerungszentren Europas. Mit dem Jahr 2015 soll sich dies nun ändern.

Blicke über den Tellerrand

Steve Wallage, Chefanalyst des Consulting-Zweiges des Marktforschungsunternehmens Broad Group, das seit zehn Jahren die Kongressmesse Datacloud Europe ausrichtet: „Man sollte nicht immer nur an westeuropäische Metropolen denken.“

Nigeria beispielsweise, das heute 180 Millionen Einwohner zähle, werde schon 2019 wahrscheinlich 400 Millionen Einwohner haben und verfüge über 12 Millionen Facebook-Accounts und damit über die größte Facebook-Dichte weltweit. In vielen Ländern würden gerade neue Rechtsbestimmungen über digitale Inhalte entwickelt, sobald diese vorhanden seien, biete sich entsprechenden Dienstanbietern ein auch rechtlich zuverlässigeres Umfeld.

Hinsichtlich des Marktwachstums ist allerdings auch in Europa weder bei Cloud noch bei Co-Location ein Ende abzusehen: Nach Daten der Broad Group soll der europäische Markt für Public Cloud und IaaS von rund einer Milliarde Euro 2014 auf knapp 4,5 Milliarden Euro 2019 wachsen. Das bedeutet eine Wachstumsrate von 35 bis 40 Prozent.

Beim Co-Location-Markt sollen die Stromkapazitäten von rund 200 Megawatt 2014 auf rund 330 Megawatt 2019 steigen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 10 bis 12 Prozent. Das Marktvolumen liegt derzeit bei 4,5 bis 5 Milliarden Euro. In den Regionen außerhalb der westeuropäischen Kernmärkte sind es sogar 17 Prozent jährlich.

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