Softwarewechsel? Ja, aber .... oder vielleicht doch nicht .... VMware-Konditionen bringen User in Bedrängnis

Von Jürgen Frisch 5 min Lesedauer

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Der Wechsel des Hypervisors, die Migration in die Cloud, das Ausnutzen der Bundle-Komponenten oder der Umstieg auf Bare-Metal-Server – diese Alternativen haben VMware-Kunden, die mit den neuen Preisen und Konditionen unzufrieden sind. Allerdings sind die Unternehmen vorsichtig und starten mit unkritischen Workloads.

Ohnmacht scheint bei VMware-Kunden vozuherrschen angesichts der Handlungsalternativen - VMware-Kunde bleiben und das Bestmögliche herausholen, Software-Migration oder ab in die Cloud - jede mit einem Pferdefuß. (Bild:  frei lizenziert: Sergio Cerrato - Italia  /  Pixabay)
Ohnmacht scheint bei VMware-Kunden vozuherrschen angesichts der Handlungsalternativen - VMware-Kunde bleiben und das Bestmögliche herausholen, Software-Migration oder ab in die Cloud - jede mit einem Pferdefuß.
(Bild: frei lizenziert: Sergio Cerrato - Italia / Pixabay)

Die Auswirkungen der Lizenzstrategie von VMware seit der Übernahme durch Broadcom sind gravierend, wie Forrester-Analyst Naveen Chhabra berichtet: „Die Veränderungen betreffen das Produkt selbst, den Preis, die Promotion und die Partner. Kunden bekommen nun ausschließlich ein Subscription-Pricing. Sie können die Produkte auch nicht mehr einzeln kaufen, sondern nur noch in den Paketen 'VMware vSphere Foundation' und 'VMware Cloud Foundation'.“

Die Preise erhöhen sich dabei laut Chhabra zwischen 400 und 700 Prozent. Gartner geht im aktuellen ‚Hypecycle for Datacenter Infrastructure‘ lediglich von Preissteigerungen zwischen 200 und 300 Prozent aus. So oder so: Die Preiserhöhung hat Folgen. Im vergangenen Jahr hatte Forrester vorhergesagt, dass 2024 satte 20 Prozent der Anwender die VMware-Plattform verlassen.

Großes Interesse an Alternativen

Marco Vogel, Global Alliance Lead für VMware beim IT-Dienstleister Softwareone, bestätigt das Interesse der Kunden an Alternativen: „Bei wirklich fast jedem VMware-Kunden, den wir zum ersten Mal mit den neuen Konditionen und Preisen konfrontieren, hören wir die Frage, welche Lösungen es denn sonst noch in diesem Bereich gibt.“

Auch wenn das Interesse an einem Wechsel groß ist, zieht es einen sehr hohen Aufwand nach sich, wenn Unternehmen von VMware migrieren wollen: „Solche Projekte sind keine Sache von Wochen oder Monaten, sondern dauern mindestens zwei oder drei Jahre, oft sogar länger als veranschlagt.“ Allerdings rücke sich das Bild nach einer Vollkostenbetrachtung der Migration und des zukünftigen Betriebs der Umgebung dann doch oft wieder zurecht und viele Kunden bleiben bei VMware.

Marco Vogel,
Global Alliance Lead für VMware beim IT-Dienstleister Softwareone: „Auch wenn das Interesse an einem Wechsel groß ist, zieht es einen sehr hohen Aufwand nach sich, wenn Unternehmen von VMware weg wollen“, berichtet Marco Vogel, Global Alliance Lead für VMware beim IT-Dienstleister SoftwareOne. „Solche Projekte sind keine Sache von Wochen oder Monaten, sondern dauern mindestens zwei oder drei Jahre, oft deutlich länger.“

Bildquelle: Softwareone

Unternehmen, die sich für einen derartigen Wechsel interessieren, sollten sich laut Vogel mehrere Leitfragen stellen:

  • Wie lange dauert die Migration?
  • Muss für die neue Software auch andere Hardware angeschafft werden?
  • Sind die Workloads für den neuen Hypervisor zertifiziert?
  • Wie sieht der Support dafür aus?
  • Wie lange dauert es, einen VMware-Administrator auf die neue Software zu schulen?
  • Was ändert sich beim Betrieb?

Angesichts des hohen Aufwands gilt laut Vogel die Daumenregel, dass die Gesamtkosten einer Alternative um mindestens 25 Prozent niedriger sein müssen, wenn sich der Umstieg rechnen soll – speziell weil sehr oft zusätzliche ungeplante Nebenkosten dazukommen.

Wechsel bisher nur bei unkritischen Workloads

Die meisten Unternehmen agieren laut Vogel sehr vorsichtig, wenn es um den Technologiewechsel geht: „Bei unkritischen Workloads wie einem Druckerserver ersetzen sie VMware beispielsweise durch „Microsoft Hyper V“, um Erfahrungen mit dieser Technik zu sammeln und sie möglicherweise später größer auszurollen. Bei unternehmenskritischen oder produktnahen oder relevanten Workloads, etwa einem SAP-, einem CRM-System oder eine Fertigungssteuerung kommt so etwas nur selten in Frage. Oder es geht mit langfristigen Planungen einher; denn die Unternehmen wollen hier kein Risiko eingehen.“

Während einige On-Premises-Anwender den Wechsel auf Nutanix, Microsoft oder andere Open-Source-Lösungen prüfen, überlegen andere Unternehmen laut Vogel, ob sie nicht schneller als bisher geplant mit ihren Systemen in die Cloud migrieren - und dabei weiterhin auf den VMware Solution Stack setzen: „In den Rechenzentren der Hyperscaler stehen Server, auf denen der komplette VMware-Stack installiert ist. In der Vergangenheit waren die Kosten dafür doch recht signifikant. Jetzt, da VMware seine Bundles als einzige Lösungspakete in den Markt gibt, was oft mit einer Preiserhöhung einhergeht, erscheinen die Angebote von AWS, Google oder Microsoft vielen Anwendern weitaus attraktiver.“

Möglichst viele Bundle-Komponenten nutzen

Eine Alternative, die VMware-Lizenzgebühren auf mehrere Use Cases zu verteilen, besteht darin, die eingekauften Komponenten der Bundles möglichst umfassend einzusetzen: „Kunden, die bisher vorwiegend die Virtualisierung mittels vSphere genutzt haben, ohne softwaredefinierte Speicherung „vSAN“, ohne Management-Komponenten und ohne Netzwerküberwachung, die müssen nun ja statt der einzelnen Rose einen ganzen Blumenstrauß kaufen“, führt Vogel aus und fügt ein Beispiel hinzu: „Denkt jetzt beispielsweise ein bisheriger Netapp-Kunde über ein anderes Storage-Produkt nach, dann hat er in seinem VMware-Bundle vSAN bereits in der Vase stehen – und auch schon bezahlt. Kunden holen das meiste aus ihrer Investition heraus, indem sie möglichst viele Komponenten einsetzen.“

VMware verfolgt mit der Bundle-Politik das Ziel, bei den Unternehmen in möglichst viele Bereiche jenseits der Server-Virtualisierung reinzukommen, beispielsweise Storage und System-Management. Große Unternehmen prüfen laut Vogel bereits, wo solche Komponenten passen.

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„Neuerdings sitzen in den Workshops und Verhandlungen zu VMware mehr Leute am Tisch als bisher“ berichtet Vogel aus seinem Allrag. „Der Netzwerkverantwortliche beispielsweise und der Operational Specialist bilden sich eine Meinung, wo es sinnvoll ist, weitere Komponenten aus dem VMware-Bundle einzusetzen.“

Die ersten Umstiege in dieser Art laufen bereits: „Wir haben einen Kunden, dessen Netzwerk-Management im Oktober zur Verlängerung fällig ist“, so der Softwareone-Mann. „Er wird wohl diese Lizenz nicht erneuern, sondern seine Lösung durch VMware-Software ersetzen.“

Bare-Metal-Server als Alternative zur Virtualisierung

Einen weiteren Ausweg aus den hohen VMware-Kosten beschreibt der oben bereits erwähnte diesjährige „Gartner-Hypecycle for Data Center Infrastructure Technologies“: den Wechsel von der Virtualisierung hin zu Bare-Metal-Servern. Gartner nennt das De-Virtualisierung.

Die hohen VMware-Kosten lassen sich nach Meinung der Analysten nicht für große Workloads rechtfertigen, da diese anders als kleine Workloads nicht von den Vorteilen der Verdichtung und Konsolidierung profitieren. Bei aller Kostensenkung durch die De-Virtualisierung warnt Gartner allerdings vor der Komplexität beim Beschaffen und beim Betrieb von Bare-Metal-Servern, wenn diese ebenso resilient laufen sollen wie virtualisierte Systeme.

Aktuell eignet sich De-Virtualisierung laut Gartner gerade einmal für 1 Prozent aller Unternehmen. Das Plateau der Produktivität, in dem diese Methode ihre Reife erreicht hat, erwarten die Analysten in fünf bis zehn Jahren.

Naveen Chhabra
ist leitender Analyst für Infrastruktur, Private Cloud und Infrastrukturautomatisierung bei Forrester. Er sagt: „Die die Preise erhöhen sich um 400 und 700 Prozent.“

Bildquelle: Forrester

Für alle Organisationen, die gerade ihre VMware-Strategie anpassen, hat auch Forrester Analyst Chhabra einen Rat: „Der Schlüssel zu einem langfristigen Erfolg liegt darin, frühzeitig einen Plan zu entwickeln, der die möglichen Hürden und Abhängigkeiten aufzeigt. Keinesfalls sollten IT-Verantwortliche damit warten bis ihre aktuellen Verträge zur Erneuerung fällig sind.“

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