Zuerst eine Zwischenstufe – und die auch nur unter Bedingungen

Über Colocation auf dem Weg in die Cloud

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

(Bild: Interxion)

Die Public Cloud kommt nicht so voran wie gedacht, dabei ginge schon einiges, wenn… Nach Ansicht von Interxion wird die Zukunft erst einmal hybrid sein und über Colocation-Rechenzentren führen. Die Voraussetzungen sind sich teilweise ähnlich.

Ende letzten Jahres hat Interxion auf dem RZ-Campus Düsseldorf sein zweites Data Center eröffnet, sein elftes in Deutschland: „DUS2“. Genau genommen ist es halbfertig, die andere Hälfte entsteht im zweiten Bauabschnitt. Am Ende werden es 1200 Quadratmeter Netto-RZ-Fläche sein und Investitionen von 13 Millionen Euro gekostet haben.

Rechenzentren nahe an Internet-Exchange-Knoten

DUS2 bietet eine mehrfach redundante Infrastruktur mit modernsten Alarm- und Monitoring-Systemen sowie mehrstufige Sicherheitssysteme. Vor allem aber hat das Rechenzentrum Anbindung an rund 80 Carrier und ISPs und unmittelbare Nähe zum Internetaustauschknoten ECIX. DE-CIX, der Betreiber des weltweit größten Internetknotens in Frankfurt richtet ebenfalls auf dem Düsseldorfer Campus im Connecta Park einen Internet Exchange ein.

Schnelle Verbindungen sind ein entscheidender Punkt für Interxion, einen Anbieter von Cloud- und Carrier-neutralen RZ-Dienstleistungen für Colocation. Das 1998 gegründete Unternehmen betreibt 41 Rechenzentren in 13 Städten in elf europäischen Ländern. Sie sind alle in der Nähe von 20 der 22 europäischen Internet-Exchange-Knoten. Ihre Gesamtfläche beträgt mehr als 90.000 Quadratmeter.

Marktstudie von Research in Action

Das Unternehmen hat festgestellt, was alle wissen: Cloud Computing beschäftigt fast alle größeren deutschen Unternehmen, Public Cloud aber machen die wenigsten. Worauf könnte es also hinauslaufen?Antworten gibt vor allem eine von Interxion beauftragte Marktstudie von Research in Action (RIA) „Infrastrukturtrends 2016 in Deutschland“.

Nach Ergebnis der RIA-Studie haben derzeit 44 Prozent der Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern ein eigenes Rechenzentrum. Innerhalb von vier Jahren sollen es nur noch 21 Prozent sein. Gleichzeitig sinkt von 2016 bis 2020 die Verbreitung von Outsourcing oder Managed Services von 34 auf 25 Prozent.

Klassische IT-Strategien verlieren

Gleichwohl wächst die Nutzung der Public Cloud zwischen 2016 und 2020 nur von vier auf elf Prozent. Die beiden mit Abstand wichtigsten Gründe gegen eine Public oder Hybrid Cloud sind unzureichender Datenschutz (21 Prozent) und mangelnde Sicherheit/Compliance (19 Prozent). Weitere Hinderungsgründe sind fehlendes Budget (elf Prozent) und mangelnde Kontrolle der Applikationen und der Infrastruktur (neuen Prozent) Ferner nennen jeweils acht Prozent die schlechte Kostentransparenz und die Migrationsproblematik.

Im Wesentlichen bestätigen diese Zahlen Ergebnisse des Bitkom Cloud Montor 2015. Demzufolge erwarten 83 Prozent der Anwender von ihremCloud Anbieter, dass er eine Rechenzentren ausschließlich in Deutschland betreibt. 56 Prozent der Unternehmen haben Sorge, dass Cloud Computing die Einhaltung der Compliance-Anforderungen gefährdet.

Hybrid Cloud und Colocation legen zu

Die Gewinner sind nach RIA-Befund vor allem Hybrid Cloud und Colocation. Heute nutzen acht Prozent der Befragten eine Hybrid Cloud, aber 23 Prozent haben das für das Jahr 2020 als Ziel. Gleichzeitig soll sich die Nutzung von Colocation verdoppelt, genauer: von neun auf 19 Prozent zunehmen.

Doch Colocation ist für Anwender, so der Befund der RIA-Umfrage, nur unter Bedingungen interessant. Notwendig sind für 23 Prozent der Befragten die direkte Anbindung an einen Internet-Austauschknoten und die Verbindung mit verschiedenen Cloud Providern. Das erklärt, warum Interxion zehn Rechenzentren in Frankfurt und das neue in Düsseldorf hat.

Die Bedingungen für Colocation

Colocation ist für weitere 20 Prozent der Befragten interessant, um nach Bedarf redundante Infrastruktur vorhalten zu können. Noch einmal 16 Prozent verbinden mit Colocation die Bedingung, das solche Rechenzentren sich in Deutschland befinden und deutschem Datenschutz unterliegen. Erst danach kommen Punkte wie hohe Ausfallsicherheit (elf Prozent) oder die Zahl der Anbindungen an Carrier (neun Prozent).

Auch wenn alle Bedingungen erfüllt sind, würden IT-Verantwortliche nicht querbeet Workloads in eine Cloud verlagern. Als erstes käme für 21 Prozent Storage in Frage. Darauf folgen Testing mit 18 sowie Backup und Recovery mit 17 Prozent. Business-kritische Daten mit Kundenbezug, also beispielsweise Rechnungen und Bestellungen würden nur 5,2 Prozent der Befragten in die Cloud verlagern.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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