US-Gericht erhebt Anklage Supermicro-Manager sollen Hardware nach China geschmuggelt haben

Von Ulrike Ostler 3 min Lesedauer

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Zwei Manager des Serverherstellers Supermicro werden beschuldigt, illegal Server mit Nvidia-Chips nach China geliefert zu haben. Die US-Staatsanwaltschaft für den südlichen Bezirk von New York hat Mitarbeiter „eines nicht namentlich genannten US-Serverherstellers“ angeklagt, solche Hardware im Wert von mehr als 2,5 Milliarden Dollar „umgeleitet“ zu haben, heißt es.

Das Gespenst des chinesischen Drachen, der mit US-Hightech gefüttert wird, geht um; aus Gründen der nationalen Sicheheit und zum Schutz der amerikanischen Wirtschaft ist die Ausfuhr insbesondere von KI-Technik ins Reich der Mitte durch die US-Regierung verboten. Supermicro-Manager sollen illegal Server nach China verschoben haben. (Bild: ©  BoOm - stock.adobe.com / KI-generiert)
Das Gespenst des chinesischen Drachen, der mit US-Hightech gefüttert wird, geht um; aus Gründen der nationalen Sicheheit und zum Schutz der amerikanischen Wirtschaft ist die Ausfuhr insbesondere von KI-Technik ins Reich der Mitte durch die US-Regierung verboten. Supermicro-Manager sollen illegal Server nach China verschoben haben.
(Bild: © BoOm - stock.adobe.com / KI-generiert)

Wie US-Medien berichten, versucht die US-Regierung bereits seit geraumer Zeit herauszufinden, wie leistungsstarke Chips unter Embargo ohne Genehmigung nach China gelangt sind. Das könnte immerhin das Geschäft von amerikanische KI-Unternehmen wie Anthropic und OpenAI beeinflusst habe, etwas durch den Erfolg von Deepseek und anderen chinesische Konkurrenten.

Bereits am Donnerstag in der vergangenen Woche ist die Anklageschrift veröffentlicht worden, in der die US-Regierung Yih-Shyan „Wally“ Liaw, Ruei-Tsan „Steven“ Chang und Ting-Wei „Willy“ Sun vorwirft, gemeinsam gegen das Export Control Reform Act verstoßen zu haben. Liaw, Mitgründer von Supermicro ist inzwischen von seinem Posten im Verwaltungsrat des Unternehmens zurückgetreten. Nach Angaben von Factset hält Liaw Supermicro-Aktien im Wert von 464 Millionen Dollar.

Die Aktien von Supermicrosind am verganegnenFreitag um 33 Prozent gefallen, nachdem ein Bundesgericht die Anklageschrift veröffentlicht hatte.(Bild:  Google)
Die Aktien von Supermicrosind am verganegnenFreitag um 33 Prozent gefallen, nachdem ein Bundesgericht die Anklageschrift veröffentlicht hatte.
(Bild: Google)

Chang war der Vertriebsleiter und Sun, der Auftragnehmer, denen vorgeworfen wird, ein System betrieben zu haben, in den USA hergestellte Server über Taiwan nach Südostasien geschleust zu haben. Laut Supermicro ist der Mitarbeiter beurlaubt und die Geschäftsbeziehung mit dem Auftragnehmer beendet. Liaw und Sun seien am Donnerstag festgenommen worden, während Chang auf der Flucht sei, hat die Staatsanwaltschaft mitgeteilt.

Die Produkte des Serverherstellers, die Nvidia-Chips enthalten, „unterliegen strengen US-Exportkontrollen, die den Verkauf nach China ohne Lizenz verbieten“, so der Kläger in der Anklageschrift. „Diese Kontrollen dienen unter anderem dem Schutz der nationalen Sicherheit und der außenpolitischen Interessen der USA.“

Das kriminelle Vorgehen,soweit bekannt sein soll

Das südostasiatisches Unternehmen, das als Zwischenhändler fungiert habe, hat laut Anklageschrift gefälschte Unterlagen zusammen gestellt, um den Anschein zu erwecken, als würde es die Server selbst nutzen. Do seien die Server von einem separaten Logistikunternehmen neu verpackt worden, um sie vor dem Transport nach China zu verbergen.

Die Angeklagten hätten ferner versucht, das Compliance-Team des Serverherstellers mit „Attrappen“-Servern in den Lagerräumen des südostasiatischen Unternehmens zu täuschen, offenbar auch bei einem Besuch eines US-Exportkontrollbeamten, obwohl die echten Server bereits nach China weitergeleitet worden waren. Zugleich hätten sie das Compliance-Team unter Druck gesetzt, die Lieferungen zu genehmigen.

Auch der Zeitraum der illegalen Ausfuhr scheint bekannt zu sein. Diese Bemühungen hätten dem Serverhersteller seit 2024 einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Dollar eingebracht, heißt es, wobei Server im Wert von 510 Millionen Dollar, die zwischen Ende April 2025 und Mitte Mai 2025 verkauft wurden, an das südostasiatische Unternehmen und von dort weiter nach China gingen, so die Anklageschrift.

Außerdem habe Chang daran gearbeitet, Auditoren davon abzuhalten, Teile der Rechenzentren zu inspizieren, in denen das südostasiatische Unternehmen angeblich die Server aufbewahrte. Er habe zudem dafür gesorgt, dass ein von ihm als „freundlich“ bezeichneter Auditor die Prüfung durchführte, heißt es in der Anklageschrift.

Im Jahr 2024 hatte Supermicro bekannt gegeben, dass seine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zurückgetreten sei, und holte später BDO als Ersatz hinzu.

Stellungnahme von Supermicro

In der Stellungnahme von Supermicro zu den Maßnahmen der US-Staatsanwaltschaft am 19. März 2026 heißt es: „Das in der Anklageschrift diesen Personen vorgeworfene Verhalten verstößt gegen die Richtlinien und Compliance-Kontrollen des Unternehmens, einschließlich der Versuche, geltende Exportkontrollgesetze und -vorschriften zu umgehen. [...] Supermicro unterhält ein robustes Compliance-Programm und verpflichtet sich zur vollständigen Einhaltung aller geltenden US-amerikanischen Export- und Reexportkontrollgesetze und -vorschriften.“

Das Unternehmen informiert ferner: „Nach dem Rücktritt von Herrn Liaw besteht der Vorstand des Unternehmens aus acht Mitgliedern. An der Ausschussstruktur des Vorstands gibt es keine Änderungen.“

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Die Nvidia-Chips

Um den Export von Hochleistungschips, etwa auch von Intel, nach China gibt es ein ewiges Gerangel unter diversen US-Präsidenten. Erst Anfang der vergangenen Woche hatte Jensen Huang, CEO von Nvidia bekannt gegeben, der Chiphersteller nehme die Produktion wieder auf, um die „H200“-Bestellungen aus China zu erfüllen. Im vergangenen Sommer hatte Nvidia Lizenzen für den Export des H20-Chips nach China erhalten, wobei Huang sich bereit erklärte, 15 Prozent seines Umsatzes in China an die USA abzugeben.

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