Drei kleine Atomkraftwerke Oracle baut Rechenzentren, KI und Allianzen aus

Von Dr. Jakob Jung 9 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Oracle Cloud World stand im Zeichen der Kooperation. Mit Amazon Web Services ist jetzt auch der dritte Hyperscaler an Bord und Oracle selbst will bis zu 1.000 Rechenzentren bauen.

Auf der „Oracle Cloud World“, die vom 9. bis zum 12. September in Las Vegas stattgefunden hat,  herrschte großer Andrang.(Bild:  Oracle)
Auf der „Oracle Cloud World“, die vom 9. bis zum 12. September in Las Vegas stattgefunden hat, herrschte großer Andrang.
(Bild: Oracle)

Neue Rechenzentren stehen im Mittelpunkt der Strategie von Oracle. Bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen kurz vor der Eröffnung der „Oracle Cloud World“ kündigte der inzwischen 80-jährige Firmengründer Larry Ellison an, dass das Unternehmen in drei kleine Kernreaktoren investieren werde, um ein Rechenzentrum mit einer KI-Kapazität von über 1 Gigawatt zu betreiben.

Obwohl er in seiner Keynote auf der Cloud World keine weiteren Details nannte, sagte Ellison, dass Oracle derzeit 162 Rechenzentren weltweit betreibe: Für den weiteren Ausbau gab er die Zielmarke von 1.000 Rechenzentren aus. Alle diese Rechenzentren sind Teil der „Oracle Cloud Infrastructure“ (OCI), auf die Kunden bald direkt über die Clouds der großen Hyperscaler zugreifen können.

Auf der Oracle Cloud World hat der Datenbankriese nun sein Cloud-Netzwerk fest geknüpft. Die Vereinbarung mit AWS komplettiert das Trio der großen Cloud-Provider-Partnerschaften für Oracle, wobei die Datenbankdienste von Oracle auf der Oracle Cloud Infrastructure (OCI) direkt auf AWS, Google Cloud und Microsoft Azure laufen.

Partnerschaften mit AWS und Microsoft

Eine gemeinsame Cloud-Region mit Azure in Deutschland gibt es bereits, weitere sollen 2025 folgen.Von dem noch im vergangenen Jahr verkündeten Anspruch, der vierte Hyperscaler zu sein, hat sich Oracle dagegen still und leise verabschiedet.

„Oracle Database@AWS“ bietet Kunden Zugang zu Oracle Autonomous Database auf dedizierter Infrastruktur und „Oracle Exadata Database“ Service auf AWS. Es wurde entwickelt, um den Nutzern eine einheitliche Erfahrung" zwischen OCI und AWS zu bieten, indem Aspekte wie Datenbankverwaltung, Rechnungsstellung und gemeinsamer Kunden-Support erheblich vereinfacht werden.

Nutzer werden auch in der Lage sein, Daten zwischen ihren Oracle-Datenbanken und Anwendungen auszutauschen, die auf Amazon Elastic Compute Cloud (EC2), AWS Analytics Services und AWS Services für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen (AI/ML), einschließlich Bedrock, ausgeführt werden.

Partnerschaften stehen hoch im Kurs

In ihrer Keynote auf seiner Hausmesse im Las Vegas Venetian Convention Center am 10. September 2024 betonte Safra Catz, CEO Oracle, dass zwei Dinge im Vordergrund stünden: die Technologie und die Kunden. Es gehe darum, Technologie zum Leben zu erwecken. Die Oracle Cloud sei auf Schnelligkeit und Sicherheit ausgerichtet, in jeder Form, auch auf Schiffen.

Die einstigen Rivalen Microsoft, AWS und Google sind heute allesamt Partner von Oracle. „Für uns ist das eine Rückkehr zu unseren Wurzeln - diese Veranstaltung hieß früher Oracle Open World“, sagt Catz.

Anschließend lud Catz die Partner zu einer Weltreise ein, die bei den MGM Hotels in Las Vegas begann. Bill Hornbuckle, CEO von MGM, gab einen Überblick über die Entwicklung des Casino-Standortes in den letzten 50 Jahren zu einer Unterhaltungsplattform und einer Geschäftsdestination von Weltrang. Vor 50 Jahren begann Hornbuckle als Barkeeper und Busfahrer in Las Vegas, Catz als Kellnerin.

Die Kundschaft

Catz freut sich auf das Formel-1-Rennen in Las Vegas, bei dem Oracle als Sponsor des Red-Bull-Teams auftritt. „Covid hat uns zum digitalen Check-in gezwungen“, sagt Hornbuckle. Seitdem hat sich die Technologie weiterentwickelt und MGM setzt auf die Oracle Cloud. KI ist für MGM ein Game-Changer: „50 Prozent unserer Spiele-Umsätze kommen von einem Prozent unserer Kunden, und mit KI können wir besser auf ihre Wünsche eingehen.“

Der nächste Kunde war die CIA, aus der Oracle als Spin-off hervorgegangen ist. Die CIA war auch der erste Oracle Kunde im Jahr 1977 und ist seit 47 Jahren treu geblieben. La’Naia Jones, CIO CIA, erklärt die Art der globalen Bedrohungen und wie Oracles Technologie hilft, diese zu bekämpfen. „Sicherheit ist für Oracle genauso wichtig wie für Oracle. Wir sind Partner in dieser globalen Mission.“

Jones begann als Datenbankadministrator: „Die Technologie hat für uns alles verändert.“ Auch für die Cybersicherheit ist GenAI ein wichtiger Faktor. „Die Bedrohungslage verschärft sich ständig und GenAI hilft uns bei unserer Mission.“ Catz betonte: „Die CIA ist unser härtester Kunde und alle unsere Produkte werden nur freigegeben, wenn sie die Sicherheitsanforderungen der CIA erfüllen.“

Oracle-CEO Safra Catz: „Die CIA ist unser härtester Kunde und alle unsere Produkte werden nur freigegeben, wenn sie die Sicherheitsanforderungen der CIA erfüllen.“(Bild:  Oracle)
Oracle-CEO Safra Catz: „Die CIA ist unser härtester Kunde und alle unsere Produkte werden nur freigegeben, wenn sie die Sicherheitsanforderungen der CIA erfüllen.“
(Bild: Oracle)

Die CIA nutzt die Infrastruktur von Oracle nach wie vor auf vielfältige Weise, was den Anspruch von Oracle untermauert, die höchsten Sicherheits-, Skalierbarkeits- und Leistungsanforderungen des wohl größten Geheimdienstes der Welt zu erfüllen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu RZ- und Server-Technik

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Die französische Bank BNP Paribas berichtete anschließend mit den beiden Referenten Jean-Yves Fillion, Vice-Chairman Board of Directors, BNP Paribas, und Bernard Gavgani, Chief Information Officer, BNP Paribas, dass sie in 80 Ländern auf Oracle setzen. „Oracle ist für uns ein strategischer Partner“.

Catz: „Ich bin stolz, dass wir an ihrem Erfolg teilhaben.“ BNP hat einen strategischen Plan mit vier Säulen entwickelt: Wachstum mit einer führenden Position in EMEA, Technologie mit einem starken Engagement. Bernard: „Die Technologie ist das Herzstück unseres Erfolgs und unserer Compliance. Wir verlagern unsere Workloads in die Oracle Cloud und setzen auf KI. Dafür haben wir gemeinsam ein tragfähiges Konzept entwickelt. Es gibt bereits mehr als 500 Anwendungsfälle. KI bringt uns Mehrwert gepaart mit hoher Sicherheit.“

Larry Ellison, CTO Oracle, rief in seiner Keynote die Ära der 'Open Multicloud' in Verbindung mit KI und Cloud Security aus. (Bild:  GAMMA NINE PHOTOGRAPHY)
Larry Ellison, CTO Oracle, rief in seiner Keynote die Ära der 'Open Multicloud' in Verbindung mit KI und Cloud Security aus.
(Bild: GAMMA NINE PHOTOGRAPHY)

Anschließend rief Larry Ellison, CTO Oracle, in seiner Keynote die Ära der Open Multicloud in Verbindung mit KI und Cloud Security aus. In der Vergangenheit sei die IT-Branche mit 'Walled Gardens' auf einen Irrweg geraten. Jetzt gehe es darum, wieder Offenheit zu schaffen. In der Realität nutzen die Kunden viele verschiedene Infrastruktur-Clouds, die aber nicht gut aufeinander abgestimmt sind.

Wenn Kunden zum Beispiel die Oracle Exadata Datenbank innerhalb von AWS nutzen wollen, dann ist eine bestehende Interconnection keine optimale Lösung und es kann zu Latenzproblemen und ähnlichem kommen. Viel besser wäre ein Oracle Open Cloud Infrastructure (OCI) Rechenzentrum innerhalb von AWS für höchste Performance, einfache Bedienung, Fehlertoleranz und Skalierbarkeit. „Genau das machen wir jetzt mit AWS“, sagt Ellison. Im Dezember 2024 werden die Datenbanken „Oracle Exadata, 23a, Autonomous“ auf AWS live gehen.

„Das passiert wirklich.“

Dann folgte der Live-Auftritt von Matt Garman, CEO von AWS: „AWS ist die beliebteste Cloud und Kunden wollen Workloads wie die Oracle Datenbanken auf AWS nutzen. Wir schaffen dafür eine großartige Lösung, die sich wie eine native AWS-Lösung anfühlt und auf dem AWS Marketplace verfügbar ist“.

Ellison: „Das ist ein lang gehegter Wunsch vieler Kunden und jetzt passiert es wirklich“. Garman: „Das ist super spannend und ermöglicht eine schnelle Migration. Wir starten in einer Region und expandieren dann schnell“. In der anschließenden Pressekonferenz erklärten Sprecher beider Unternehmen, dass die Startregion in den USA im Dezember 2024 sein wird, gefolgt von EMEA im Jahr 2025.

Ellison fährt fort: „Die Situation ist anders als noch vor ein paar Jahren. Die neue Multicloud-Ära bedeutet, dass wir OCI-Rechenzentren in AWS, MS und Google sowie Fujitsu und NTT in Japan integriert haben. Die Anwendungen der Kunden können nun die Dienste verschiedener Public Clouds nutzen. Das ist keine Einbahnstraße und es geht nicht nur um die Oracle Datenbank, sondern zum Beispiel kann auch „Google Gemini“ in der OCI genutzt werden“.

Neue Cloud-Konstrukte

Es gibt viele neue Clouds, wie „Alloy Clouds“ (für die Börse Tokio), Sovereign Clouds für Staaten und Behörden, um alle Daten im jeweiligen Land hinter einer Firewall zu belassen und „Enterprise DRC@C Private Clouds“. Die „Oracle Private Cloud“ ist technisch identisch mit der Public Cloud.

Oracle verfügt über 162 Rechenzentren für die OCI Public und Private Cloud und plant weitere. Die Rechenzentren sind identisch und unterscheiden sich nur in der Größe. Das kleinste hat 144 KW, das größte 800 MW. Zu den Kunden von KI gehören Nvidia, OpenAI und x Grok.

Das zweite große Thema in Ellisons Keynote war die Sicherheit in der Cloud. Diese soll mit KI dramatisch verbessert werden. Passwörter sind unsicher und können leicht gestohlen werden. Es gibt vier Säulen in der Sicherheitsstrategie von Oracle: Data Security, App Security, User Identity und Network Security.

Ellison erklärte: „Der Konflikt läuft auf unsere Cyber Defense Robots gegen ihre Attack Bots hinaus.Mit Autonomous Systems ist es ähnlich wie mit selbstfahrenden Autos, sie sind viel sicherer als menschliche Fahrer. Fast alle Cyber-Angriffe beginnen mit menschlichen Fehlern. Der Roboter in der Oracle Autonomous Database macht keine menschlichen Fehler. Er macht automatisch Backups und Restores und patcht sich selbst. Wenn mehr Prozessoren benötigt werden, werden diese automatisch hinzugefügt. Aber man muss bereit sein, weniger zu bezahlen.“ Damit meint er, dass die neuen KI-Funktionen ohne Aufpreis in die Datenbanken integriert werden und der Kunde auch keine teuren Grafikkarten anschaffen muss, weil OCI diese ebenfalls bereitstellt.

KI für die Selbstheilung und die Produktivität

„Alle unsere Anwendungen werden in Zukunft die Autonome Datenbank enthalten, die meisten Branchenlösungen nutzen sie bereits, der Rest wird im nächsten Jahr folgen“, fährt Ellison fort. Die Oracle-Infrastruktur läuft auf der Autonomous Database, die sich um die Konfiguration, die Benutzerauthentifizierung und vieles mehr kümmert.

Mit der Oracle Low-Code-Programmiersprache „Apex“ können nun anspruchsvolle Anwendungen sicher, zustandslos und zuverlässig ohne Schwachstellen erstellt werden. Apex steigert laut Ellison die Produktivität der Entwickler um den Faktor 10.

„Biometrie ist einfacher, schneller und sicherer. Fingerabdrücke können nicht gefälscht werden. Passwörter sind out. Der nächste Schritt sind biometrische Kreditkarten. Mit der '23ai' Vector Datenbank ist das möglich und wir können 22.000 Transaktionen pro Sekunde überprüfen. Es gibt viele weitere Anwendungen wie Reisepässe, Rezepte und so weiter“, merkt Ellison an.

Sicherheit in der OCI

Eine neue Generation der Netzwerksicherheit wird mit „ZPR Zero Trust Packet Routing“ (gesprochen Zipper) eingeläutet. „Das Problem bei der Netzwerksicherheit ist die Komplexität durch widersprüchliche Ziele: Geschwindigkeit versus Sicherheit. Deshalb ist es schwierig und riskant, die Netzwerkkonfiguration zu ändern. Kleine Fehler können Daten preisgeben. Die Lösung ist die Trennung der Netzwerksicherheit von der Netzwerkkonfiguration mit der 'ZPR Network Security Language', dem 'ZPR Generator' und der' ZPR Run Time'“, sagte Ellison.

ZPR reagiert automatisch auf Konfigurationsänderungen und legt keine Daten offen. Das vereinfacht die Netzwerksicherheit mit zentralisierten Richtlinien und sofortigen Updates.

ZPR ist in OCI integriert. „Die Hardware von OCI unterscheidet sich von anderen Clouds und ist daher schneller und sicherer. OCI ist vom öffentlichen Internet isoliert. Der Netzwerk-Controller und ZPR sind in die Netzwerk-Hardware von OCI der Generation 2 integriert. So kann niemand Daten exfiltrieren“, versichert Ellison.

Sicherer Datenzugriff mit Biometrie und ZPR blockiert die meisten Cyber-Angriffe. „ZPR ist ab sofort verfügbar und sorgt für Gen2 Security. So können wir die Cyber-Kriege stoppen“, schließt Ellison.

Umsetzungspläne in Deutschland

Thorsten Herrmann, Country Leader Oracle Deutschland, setzt auf Kundennähe und Wahlfreiheit. Multicloud sieht er als nachhaltig gelebte Strategie. Damit sollen den Kunden Wahlmöglichkeiten in der Multicloud eröffnet werden.

Durch die neuen Kooperationen mit Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure wird es für deutsche Kunden noch einfacher, die Oracle Datenbanken 23ai, Exadata Service und Autonomous in der hochsicheren und souveränen Oracle Cloud Infrastructure (OCI) ohne Latenzen in der Cloud einzusetzen. Eine Azure/OCI-Region in Deutschland gibt es bereits, weitere von AWS und Google werden 2025 folgen.

Herrmann verzeichnet bereits großes Interesse von Kunden aus dem Behörden- und Verteidigungsbereich. Eine Isolated Cloud für militärische Zwecke ermöglicht eine kaskadierende Cloud vom Hauptquartier bis zum einzelnen Kriegsschiff.

Auch das Gesundheitswesen, in dem Oracle in den USA durch die Übernahme von Cerner bereits eine sehr starke Position hat, wird in Deutschland ein sehr relevanter Markt werden. Oracle steht hier in intensivem Austausch mit den Regulierungsbehörden.

Die gesamtwirtschaftliche Situation in Deutschland ist derzeit schwierig, doch Herrmann ist optimistisch: „Überall wird gespart, aber das ist nicht immer schlecht für uns. Mit unseren Cloud- und Industrielösungen können wir Kunden aus der Krise helfen und Innovationsprojekte vorantreiben. Wir werden mehr Wachstum generieren, als wir durch Einsparungen verlieren.“

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:50174359)