Mit der Übernahme von Juniper Networks wagt Hewlett Packard Enterprise (HPE) 2024 einen gescheiten Schachzug. Und: Damit setzt sich abrupt die Konsolidierung der Branche fort – wohlgemerkt aber in einem Marktsegment, in dem die Wettbewerbslandschaft nach und nach schrumpft. Auf der (Möchte-)Habenseite: Mist AI macht AIOps hoffähig.
Noch ist nicht ganz klar, wie das gemeinsame Angebot von HPE-Aruba und Juniper Networks aussehen wird, aber gewiss ist: Es wird groß und auch die Marktchancen sind riesig.
(Bild: frei lizenziert: KELLEPICS mit Ki bearbeitet / Pixabay)
Das ist nicht schon wieder „yet another aquisition“. Hier handelt es sich um einen strategischen Schritt mit einer hohen Tragweite für die gesamte Branche. Junipers Ankündigung der weltweit ersten „KI-nativen Netzwerkplattform“ (AI-Native Networking Platform“) vom 29. Januar 2024 macht dies deutlich. Man sollte aber nicht den Tag vor dem Abend loben.
Die AI-native Networking-Plattform von Juniper
Rami Rahim, Chief Executive Officer des akquirierten Unternehmens: Mit der „ersten KI-nativen Netzwerkplattform“ der Welt will Juniper der IT- und Telekommunikationsbranche „eine kühne neue Richtung“ weisen. Die neue Richtung nennt sich AIOps.
Die Plattform strebt „das bestmögliche Gesamterlebnis für Betreiber und Endnutzer“ an, indem sie alles mit allem verbindet und mit KI/ML steuert. „Einzigartig in der Branche“ vereint sie alle Netzwerklösungen vom Campus über Zweigstellen bis hin zum Rechenzentrum mit „einem gemeinsamen KI-Motor“.
Diesen KI-Motor taufte man auf den Namen „Mist AI“. (So schlecht soll er nun aber nicht sein! Im Englischen klingt der Name ja auch vielversprechend.)
Jetzt aber Scherz beiseite: Dank „bahnbrechendem“ AIOps sei hier von einer bis zu 90 Prozent geringeren Anzahl von Netzwerkstörungs-Tickets, einer um die Hälfte kürzeren Dauer der Vorfallbehebung, bis zu 85 Prozent geringeren Betriebsausgaben und genauso stark reduzierter Häufigkeit von Vor-Ort-Pannen sowie von einer bis zu 9-fach schnelleren Bereitstellung mit nur „minimalen menschlichen Interventionen“ die Rede. Auch „einfachere Hochleistungs-Rechenzentrumsnetzwerken, die speziell für KI-Training und Inferenz entwickelt wurden, könne die neue Plattform mit abdecken.
„KI ist der größte technologische Wendepunkt seit dem Internet selbst, und ihre fortlaufende Auswirkung auf das Networking sollte man nicht unterschätzen“, kommentierte Rahim.
Eine neue Art von Konnektivität
Die Plattform von Juniper sammelt Daten aus Juniper Mist Access Points, Switches, Session Smart Router, Firewalls und anderen Quellen, um einen ganzheitlichen End-to-End-Überblick zu schaffen.
Juniper will mit AIOps nicht zuletzt auch „das Rechenzentrum modernisieren“.
(Bild: Juniper Networks)
Diese Geräte arbeiten dann zusammen mit Mist AI, um das Netzwerk zu optimieren. Mist AI versteht sich auf die automatische Ereigniskorrelation, kann Problemursachen identifizieren und ermöglicht den Betrieb im „Self-Driving“-Modus, Netzwerksicherung, proaktive Anomalienerkennung und dergleichen anderes.
Juniper nutzt Mist AI auch für den Kunden-Support. Einige Anwendungsfälle nutzen GenAI über eine Konversations-Schnittstelle.
Innerhalb der neuen AI-Native Networking Plattform führt Juniper mehrere neue Produkte ein. Die Lösung beinhaltet unter anderem zwei neue Erweiterungen von „Marvis“, dem einzigen KI-basierten Virtual Network Assistant (VNA) der Branche.
Die Neuerungen
Juniper Networks hat im Jahr 2024 einige bedeutende Updates und Verbesserungen seiner Mist-basierten AI-Funktionen vorgenommen. Die neuesten Updates umfassen Verbesserungen im Bereich der Wireless-Leistung, insbesondere durch den Einsatz von Juniper Mist Wi-Fi Assurance, das maschinengestützte Algorithmen verwendet, um die Platzierung von Access Points zu optimieren. Darüber hinaus hat Juniper den Netzwerkbetreibern durch die Aktualisierung seiner „Marvis Virtual Network Assistant“ und der Mist AIOps-Plattform zusätzliche Einblicke und Hilfestellungen geboten.
Ein signifikantes Feature von Juniper Mist ist die Unterstützung des Wechsels lokaler Breakout-Pfade, wenn Service-Level-Agreements (SLAs) nicht erfüllt werden. Dies verbessert das Netzwerk-Monitoring-Erlebnis mit SSR-Geräten durch die Umleitung des lokalen Breakout-Verkehrs mit Blick auf SLA-Anforderungen für Latenz, Jitter und Verlustparameter.
Juniper hat auch die Liste der unterstützten Anwendungen in der Mist Cloud erheblich erweitert, um Tausende von Anwendungen zu umfassen, die von WAN-Edge-Geräten unterstützt werden. Diese Anwendungen können in Anwendungsrichtlinien verwendet werden, um Verkehrslenkungsentscheidungen zu treffen oder Zugriffe zu blockieren.
Bis zur Edge
Ein weiteres wichtiges Update ist die automatische Standortzuweisung für Cellular-Edge-Geräte, die derzeit nur für Cradlepoint-Geräte verfügbar ist. Diese Funktion ermöglicht es, Regeln für Cradlepoint-Geräte zu konfigurieren, damit sie automatisch relevanten Standorten zugewiesen werden.
Stand: 08.12.2025
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Zudem unterstützt Mist nun VDSL-Technologie für „SRX“-Serie-Geräte, die eine DSL MPIM-Karte installiert haben. Dies erweitert die Möglichkeiten für sehr schnelle digitale Abonnentenanschlussleitungen. Darüber hinaus hat Juniper Mist Edge-Events auf der Alarmseite integriert, was kritische, warnende oder informative Nachrichten basierend auf den Ereignissen anzeigt.
„Juniper Apstra“ (AI/ML-Traffic-Verarbeitung über Ethernet) wurde in diesem Zusammenhang erweitert und bietet nun Unterstützung für die neue Marvis VNA für Rechenzentren sowie validierte AI-Designs. Die Integration von Mist in Apstra schafft eine netzwerkfokussierte AIOps-Plattform für die Automatisierung von Multi-Vendor-Rechenzentrumsnetzwerken.
Die Netzwerk-Mega-Company
Die Übernahmepläne von HPE muss man im Kontext sehen. Das Geschäftsjahr 2023 endete auf einer guten Note mit einer „Rekordleistung bei wichtigen finanziellen Kennzahlen“, aber einem mageren Gesamtwachstum von gerade einmal 2 Prozent.
In den Wachstumsfeldern Edge, Hybrid Cloud und KI feuert HPE auf allen Zylindern. Doch zwei der fünf Geschäftssparten des Konzerns (Server und Storage) sind im Jahre 2023 beinahe zusammengebrochen. Die anderen zwei (Netzwerk und HPC&AI) konnten den Rückgang mit ihrem spektakulären zweistelligen Wachstum gerade noch so auffangen.
Der fünfte Geschäftsbereich, nämlich Finanzdienstleistungen, dümpelt mit einem Jahreswachstum von 2 Prozent langsam vor sich hin, abhängig im Wesentlichen von der makro-ökonomischen Großwetterlage, aber auch von dem Erfolg oder Missgeschick der anderen Geschäftsbereiche.
Hier locken Margen
Das margenstarke Netzwerkgeschäft von HPE läuft hauptsächlich unter dem Markennamen „HPE Aruba“. Aruba Networks, eine Tochtergesellschaft von HPE, bricht regelmäßig Wachstumsrekorde.
Die Spezialistin für drahtlose Netzwerklösungen und Unternehmensnetzwerke, darunter WLAN, Edge-Switches und Sicherheitslösungen, hat im ersten Quartal 2023 die Umsatzmarke von 1 Milliarde Dollar überschritten und konnte im zweiten Quartal auf ein jährliches Wachstumstempo von astronomischen 50 Prozent beschleunigen. Das zugehörige Geschäftsfeld – Intelligent Edge, das neben Aruba auch HPE Greenlake umfasst – konnte dank seines Kronjuwels ein Gesamtwachstum von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr vorweisen und das Finanzjahr 2023 mit einem fulminanten Schlussakkord abschließen.
HPE hat rund um KI bisher hauptsächlich mit Nvidia zusammengearbeitet.
(Bild: HPE)
Dafür hat die Compute-Sparte von HPE mit einem Umsatzrückgang von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr einen herben Rückschlag erlitten. Die Storage-Sparte schrumpfte im selben Zeitraum in Übereinstimmung um ominöse 13 Prozent. HPEs Sparte HPC & AI konnte im Gegensatz dazu ein Umsatzwachstum in Höhe von 37 Prozent einfahren.
Der Zustand ist offenbar unhaltbar. Etwas muss dringend getan werden.
Die Übernahme von Juniper Networks kann diese Dynamik dramatisch verbessern, sofern sie zum Technologieportfolio der Geschäftssparte Intelligent Edge neue Werte beiträgt und womöglich auch den Kundenstamm erweitert.
Wettbewerbslandschaft und Synergien
Mit seinem Rekord-Gesamtumsatz von 5 Milliarden Dollar im Jahre 2023 hat Aruba ein vergleichbares Gewicht wie Arista Networks (knapp 5,6 Milliarden und ein Umsatzwachstum von 33 Prozent). Juniper Networks erwirtschaftet knapp 5,5 Milliarden Dollar.
Allerdings wächst das Unternehmen bisher vergleichsweise im Schneckentempo, nämlich nur 5 Prozent pro Jahr. Im vierten Quartal 2024 musste Juniper sogar einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr in Höhe von 6 Prozent hinnehmen. Zum Vergleich: Der weltweite Umsatz von Cisco hat rund 57 Milliarden Dollar erreicht.
Die Überschneidungen zwischen der HPE-Tochter Aruba Networks und Juniper betreffen hauptsächlich drahtlose und kabelgebundene Netzwerklösungen für Unternehmenskunden. Während beide Unternehmen hochwertige Switches und Lösungen für die Netzwerksicherheit anbieten, spielt Aruba ihre Stärken hauptsächlich in Wireless-LAN- und Edge-Technologien aus.
Im „Gartner Magic Quadrant for SD WAN“ ist HPE Aruba (mit Silver Peak) ein Technologieführer und Juniper immerhin ein „Visionär“.
(Bild: Gartner)
Gartner klassifizierte Aruba im vergangenen Jahr als einen der Marktführer (Leader) im „Magic Quadrant for SD WAN“ – bereits zum sechsten Mal in Folge, wenn man Silver Peak in den Jahren 2018 und 2019 mit dazu rechnet. (Nach Abschluss der Übernahme von Silver Peak durch HPE wurde das Unternehmen in Aruba eingegliedert und firmiert jetzt unter diesem Namen.) Juniper zählt immerhin as ein „Visionär“.
Juniper trumpft mit Expertise in High-End-Routern und -Switches, die im Gegensatz zur Technik von HPE Aruba typischerweise in größeren Netzwerken und bei Service Providern zum Tragen kommen. Die Übernahme von Juniper ermöglicht es HPE, sein Produktportfolio aus Netzwerk-, Cloud- und Rechenzentrums-Lösungen zu erweitern und fortlaufend „KI-nativ“ zu innovieren. Juniper gewinnt seinerseits Zugang zu HPEs vorbildlich strukturierten Versorgungsketten.
Die Zusammenlegung der Vertriebsorganisationen dürfte das Umsatzpotenzial des Konzerns erweitern und die schwankenden HPE-Sparten Compute und Storage breiter aufstellen. Die Eingliederung von Juniper in HPEs Intelligent Edge würde den Umsatz dieser Geschäftsparte auf 11 Milliarden Dollar (nach dem neuesten Stand vom November 2023) und von HPE im Gesamtergebnis von 29 auf rund 35 Milliarden anheben.
Der Erfolg der Akquise steht und fällt mit der HPE-Fähigkeit, bei der Zusammenführung der Technologieportfolios und der Vertriebskanäle von HPE und Juniper Synergie-Effekte zu realisieren. Juniper Networks hat ein umfangreiches Produktportfolio im Bereich Netzwerk und Sicherheit. Mit seiner „KI-nativen“ Netzwerkplattform hat das Unternehmen überraschend 'nachgekartet'.
Fragezeichen
Die Marktkapitalisierung von HPE (NYSE:HPE) beläuft sich gerade einmal auf rund 20 Milliarden Dollar. Sowohl Cisco als auch Arista haben bei den Investoren mehr Vertrauen gewinnen können.
Cisco bringt es auf eine Marktkapitalisierung von beinahe erdrückenden 210 Milliarden US-Dollar und ein 1,52-fach größeres Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) als HPE. Arista Networks brüstet sich mit einem Börsenwert in Höhe von satten 81,68 Milliarden Dollar bei einem rund 3,6 mal größeren KGV als HPE.
HPE ist bisher moderat verschuldet. Das Unternehmen hat 7,49 Milliarden Dollar an langfristigen Schulden zu 21,24 an Eigenkapital (Stand: 01/11/2023) Für die Übernahme von Juniper (mit 1,59 Milliarden Dollar an langfristigen Schulden zu 4,33 Milliarden Dollar an Eigenkapital) will sich HPE um weitere 10 bis 12 Milliarden Dollar verschulden. Aber mit den beiden U.S.-Großbanken JPMorgan Chase und Citigroup Global Markets, den Hauptfinanzierern der Übernahme, konnte HPE starke Rückendeckung gewinnen.
Unterm Strich
HPE lässt sich Juniper insgesamt 14 Milliarden Dollar kosten. Unterm Strich dürfte die Übernahme die finanzielle Stabilität des HPE-Konzerns nach Abschluss der Eingliederung steigern. Die Transaktion bringt HPE wiederkehrende Einnahmen (Engl. Annual Recurring Revenue, kurz: ARR) aus Abonnement-basierten Diensten in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar.
Diese Kategorie der so genannten „Consumption Services“ umfasst bei HPE die Cloud „Greenlake“ und andere Anwendungen, die Kunden die Nutzung von IT-Ressourcen und Diensten auf einer Pay-per-Use-Basis ermöglichen. HPE Greenlake ist ein wichtiger Bestandteil der Edge-to-Cloud-Strategie von HPE und fällt somit nicht direkt in eine der oben genannten Produktsparten, sondern ist Teil des umfassenderen Service-Angebots von HPE, das mehrere Produktbereiche umspannt (da man es offenbar nicht separat auflisten möchte).
Doch die Zeichen stehen nicht automatisch auf Expansion. Die beiden Unternehmen haben 450 Millionen Dollar an „Kostensynergien“ ausmachen können; einige Entlassungen wären also sicherlich nicht auszuschließen. Ob die Bestandskunden der Legacy-Sparten bei der Stange bleiben, steht ebenfalls nicht fest.
Strukturieren, schrumpfen, abstoßen
Um die Schuldenlast abzuzahlen, muss HPE das Wachstum seiner Gewinnträger fortlaufend beibehalten, den Schrumpfkurs der Altlasten abwenden und die Margen stabilisieren. Der Konzern könnte dahingehend an mehreren Stellschrauben seiner Produktpolitik drehen und/oder Teilbereiche des Geschäfts abstoßen, sollte sich dort keine Kehrwende einstellen. Diese Entscheidungen könnten sich im Endeffekt in höheren Preisen und einem entschlackten Hardware-Portfolio niederschlagen.
Wie die Mitbewerber reagieren, bleibt abzuwarten. Cisco dominiert seit über drei Jahrzehnten das „Wired and Wireless LAN Magic Quadrant“ von Gartner. Eine erfolgreiche Übernahme von Juniper würde HPE auf Platz 3 hinter Huawei anheben.
Im Gegensatz zu HPE und Cisco hat Arista im Übrigen nicht nur keine langfristigen Schulden, sondern eine Netto-Cash-Position in einstelliger Milliardenhöhe. Da würde sich sicherlich die eine oder andere Akquisition bieten, nur offenbar hat man sie nicht für nötig befunden oder konnte keine geeigneten Kandidaten ausmachen.
Das Fazit des Autorenduos
Das Autorenduo besteht aus Anna Kobylinska und Filipe Pereia Martins. Die beiden arbeiten für McKinley Denali, Inc., USA.
Ihr Fazit lautet: Der Zusammenschluss von Junipers innovativer Technik mit der Geschäftssparte Intelligent Edge von HPE löst für beide Unternehmen mehrere Probleme auf einen Schlag und geht selbst vor dem Hintergrund makro-ökonomischer Unsicherheit mit gerade noch übersichtlichen Risiken einher.
Im Zentrum dieser Entscheidung steht die begehrte Juniper „Mist AI“-Plattform, ein wahres KI-Juwel. HPE kann sie zu dem aktuellen Zeitpunkt wirklich gut gebrauchen.
Arista hat die Entwicklung von AIOps-Funktionen für das Netzwerk-Management in den vergangenen Jahren aggressiv selbst vorangetrieben, wohlgemerkt mit beachtlichem Erfolg. Die „Cloudvision“-Plattform von Arista implementiert sehr fortgeschrittenes AIOps mit automatisierter Ursachenanalyse (Root Cause Analysis) und anderen KI/ML-gestützten Features für die Überwachung und proaktive Verwaltung komplexer Netzwerke.
Juniper Networks hat ein breiteres Spektrum an Netzwerkprodukten im Vergleich zu Arista, nämlich nicht nur Switches, sondern auch Router und diverse Sicherheitslösungen. Juniper bedient ein größeres Spektrum an Nutzern, darunter Service Provider und Großunternehmen. Die neue AIOps-Plattform von Juniper vervollständigt dieses Portfolio. HPE und Juniper passen gut zusammen.