Interview mit Microsoft-Stratege Werner Leibrandt

Microsoft und Citrix gegen den Virtualisierungs-Marktführer VMware

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ITB: Allerdings stellt VMware in einer aktuellen Beta-Version des vCenter ein Plugin zur Verfügung, mit dem sich auch Microsofts Hyper-V-Hostsysteme verwalten lassen und das auch den Microsoft System Center Virtual Machine Manager, kurz SCVMM, unterstützt…

Leibrandt: Das stimmt. Ich denke, dass hier der Markt neue Fakten geschaffen hat, indem VMware durchaus registriert hat, dass wir Marktanteile hinzu gewinnen und offenen Systemen die Zukunft gehört.

ITB: Systemhäuser und Integratoren können an einem speziellen Partnerprogramm im Virtualisierungsbereich teilnehmen und Partner in der so genannten V-Alliance werden. Wie viele sind denn schon dabei und wo soll die Reise hingehen?

Leibrandt: 270 Partner sollten es 2010 nach unseren Zielvorgaben in Deutschland werden; diese Zahl hatten wir übertroffen. Gegenwärtig haben wir etwa 350 Partnerschaften geschlossen. Geplant sind rund 500 V-Alliance-Mitglieder bis Ende dieses Jahres. Natürlich spielt hier nicht nur die Anzahl, sondern auch Größe und Ausrichtung eine besondere Rolle. Gegenwärtig sind wir besonders an größeren Virtualisierungspartnern interessiert, die sozusagen die Spitze der Kundenpyramide adressieren.

ITB: Es soll also nicht mehr nur Wachstum im Mittelstand, sondern zunehmend auch um Migrationsprojekte bei größeren Kunden, hin zu Citrix und Microsoft gehen. Habe ich Sie da richtig verstanden?

Leibrandt: Ja, das kann man so sagen.

ITB: Im Virtual-Desktop-Markt lautet die Faustregel offenbar: Bis zu zehn Usern kommt Microsofts VDI zum Zug, ab zehn Anwendern Citrix XenDesktop. Ist das der Grund, warum sich Microsoft und Citrix so gut ergänzen?

Leibrandt: Die Faustregel kann ich so nicht bestätigen, denn wir haben auch Kunden mit 100 oder mehreren 1.000 virtualisierten Desktops. Citrix und Microsoft ergänzen sich aber trotzdem sehr gut. Beispielsweise ist Citrix auch auf Kunden mit sehr heterogenen Hardware-Umgebungen ausgelegt. Während Microsoft bislang keine iPads und Smartphones im Bereich der Desktop-Virtualisierung unterstützt, funktionieren die Citrix-Lösungen hier einwandfrei.

ITB: Trotzdem: Kunden fordern Hilfe und Lösungen aus einer Hand. Was macht V-Alliance-Partner zu solchen, in Abgrenzung zu Microsoft- oder Citrix-Partnern. Ich spreche von Support, Schulungen et cetera…

Leibrandt: V-Alliance-Partner sind der Single-Point-of-Contact im Markt, was unsere gemeinsamen Virtualisierungs-Lösungen angeht. Das ist keine Worthülse, sondern dahinter steht auch eine entsprechende Infrastruktur. Ganz wichtig hierbei ist eine gemeinsame Partner-Hotline für technische und vertriebliche Anfragen. Die Headquarter von Microsoft und Citrix in den USA investieren zudem viel Geld in gemeinsame Proof-of-Concepts, Testumgebungen und Schulungen.

ITB: Aber könnten die Virtualisierungs-Lösungen nicht besser aus einer Hand angeboten werden, wenn eine gemeinsame Firma dahinter stünde, wie es beispielsweise bei VCE der Fall ist, dem gemeinsamen Unternehmen von VMware, Cisco und EMC, das die vBlocks vermarktet?

Leibrandt: Das sehe ich nicht so. Wir setzen lieber auf die seit Jahren bewährte Technologiepartnerschaft, statt auf ein gemeinsames Unternehmen. Wichtig ist, dass für die V-Alliance die Strukturen bereit stehen, die unsere Partner benötigen. Das ist im Tagesgeschäft in erster Linie die Hotline. Es geht aber auch um Hilfestellung in Sachen Testumgebungen. In der Regel werden solche Tests direkt auf der Kunden-Hardware gefahren – hierbei unterstützen wir unsere Partner gegebenenfalls mit Experten vor Ort. Darüber hinaus gibt es hier in Unterschleißheim ein Technologiezentrum, das unsere Partner buchen können. Ein eigenes Unternehmen geht immer auch mit der Finanzierung eines entsprechenden Overheads einher. Das sparen wir uns und bieten lieber günstigere Lösungen an. Und weil Sie VCE angesprochen haben: Gerade ist der internationalen Presse zu entnehmen, dass ebendiese Company gegenwärtig große Verluste einfährt.

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