Bitteres Fazit der Datacenter World in Frankfurt – ein Desaster

Kräftige Watschen vom Datacentervision-Chef für Rechenzentrumsmesse

| Redakteur: Ulrike Ostler

In seinem Leserbrief teilt Peter Haustete kräftig aus: Die Datacenter World war ein Desaster.
In seinem Leserbrief teilt Peter Haustete kräftig aus: Die Datacenter World war ein Desaster. (Bild: mankale/ Fotolia.com)

Ende Oktober fand in Frankfurt die Doppelkonferenz: „Powering the Cloud“ und „Datacenter World“ statt. Sie sollte sowohl Fortführung der Storage Networking World (SNW) sein, der „Datacenter Technologies“ und der „Virtualization World“ als auch ein Anfang unter dem neuen Veranstalter Closer Still. Es kamen rund 1.200 Besucher, etwa so viel wie im Vorjahr. Also: Alles gut? Nein!

„Leider war der Rechenzentrums-Teil der Veranstaltung schlichtweg eine Katastrophe, ein riesiges Schlamassel. Schlimmer hätte es nicht kommen können.“ Diese Aussage klingt nach Entsetzen, nach Kopfschütteln und Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Sie stammt von Philippe Haustete, CEO von Datacentervision, der dort ausgestellt hat.

Das ist einmal eine flache Kurve. Sie zeigt den Misserfolg für den Aussteller: praktisch keine Leads, nicht einmal Kontakte.
Das ist einmal eine flache Kurve. Sie zeigt den Misserfolg für den Aussteller: praktisch keine Leads, nicht einmal Kontakte. (Bild: Philippe Haustete)

Er berichtet von leeren Gängen und raren Kontakten. „Wir haben wirklich den Ausweis von jedem Besucher gescanned, der sich in die drei Gänge zwischen den Ständen verirrt hatte. Und unser Stand hatte immerhin drei offene Seiten!“ Er verweist auf das Ergebnis, das in der eingefügten Grafik anzulesen ist. „So etwas habe er in 20 Jahren als Aussteller noch nie erlebt.“

Dabei sah in der Vorbereitung zunächst alles gut aus. Die drei gemeinsam stattfindenden Veranstaltungen wurden in Zusammenarbeit mit dem einflussreichen Industrie-Fachverband SNIA Europe organisiert und boten über 120 themenbezogene Präsentationen und eine Ausstellung mit über 70 führenden Herstellern Platz.

Gute Voraussetzungen

Deutschland ist zudem nach verschiedenen Erhebungen der größte europäische IT-Markt und das macht fast ein Viertel aller IT-Ausgaben Europas aus. Frankfurt gilt zudem als Mittelpunkt des deutschen Rechenzentrumsmarktes. „CBRE zufolge war Frankfurt „der stärkste der großen (europäischen Rechenzentrums-) Märkte im Jahr 2013“, heißt es auf der Website des Veranstalters. „In Deutschland gibt es 410.000 Quadratmeter externe Rechenzentren, 43 Prozent davon sind in Frankfurt. Diese Kapazität wird in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich um 30.000 Quadratmeter pro Jahr steigen (Tariff Consultancy Ltd – Feb 2014). Private Rechenzentren sind in diese Rechnung noch gar nicht aufgenommen!“

Deckblatt der Veranstaltungsbroschüre "DataCenter World"
Deckblatt der Veranstaltungsbroschüre "DataCenter World" (Bild: Closer Still)

Closer Still wiederum, ein weltweit tätiges Unternehmen, kann auf große Erfolge seiner Messen und Kongresse verweisen. Hier ein Auszug der Website zur Datacenter World:

  • „Über 12.000 Besucher kamen zu der Data Centre World London im Februar 2014 (geprüft durch BPA), der größten Messe ihrer Art in Europa.
  • Über 110 Prozent der 2014 von Ausstellern besetzten Fläche wurde vor Ort für 2015 gebucht
  • Über 370 marktführende Unternehmen haben bei Cloud Expo Europe und Data Centre World 2014 ausgestellt, 190 davon allein bei Data Centre World.
  • 2013 haben wir die Veranstaltung nach Asien gebracht, wo wir über 5.000 Besucher (geprüft durch BPA) anlocken konnten. Das waren mehr Teilnehmer als bei jeder anderen Messe in Singapur.“

Das Versprechen

Auch für Deutschland erweckte der Veranstalter hohe Erwartungen: Von „5.000 Voranmeldungen“ sei die Rede gewesen, so Haustete. „Aber die Wirklichkeit war weit, sehr sehr weit davon entfernt.“

Nachlesbar auf der Website wirbt der Veranstalter mit einem Marketingteam hinter dieser Veranstaltung, das vier Jahre in Folge die Auszeichnung „Best Marketing“ von der „Exhibition News“ erhalten habe. In Deutschland sollte etwa „ein festes betriebsinternes, deutschsprachiges Telemarketingteam“ dafür zuständig sein, jede Person aus einer speziellen Datenbank der wichtigen Rechenzentrumsentscheidungsträger, von Endnutzer- und externen Rechenzentren, anzurufen, um 100.000 gedruckten Werbe-Aktionen und Postwurfsendungen, 1 Million E-Mails, den Medienpartnerschaften und Social-Media-Aktivitäten Nachdruck zu verleihen.

Haustete glaubt den wichtigsten Grund für den Fehlstart in Deutschland ausfindig gemacht zu haben: „Es ist vielleicht keine gute Idee von einer britischen Firma in dieser Weise in Deutschland aufzuschlagen – mit einem 20köpfigen, 100 Prozent britischen Team, quasi auf dem Reißbrett eine deutsche Veranstaltung zu organisieren.“

Der Fehler

Nicht jeder der Aussteller ist bereit, sich derart offen seinem Unmut über den Event Luft zu machen. Doch gleichermaßen hinter vorgehaltener Hand kursieren mehrere Unzufriedenheitsfaktoren:

Im Gegensatz zu früheren Jahren gab es für die Aussteller kein Mittagessen; das wurde aber vorab wohl eher unter den Tisch gekehrt.

Eine liebgewonnene Möglichkeit zum Networking wurde kein Raum gegeben; die entspreche Flächen wurde eingespart, gesponserte Versammlungsgelegenheiten wurden so eng ausgelegt, dass selbst Kollegen aus derselben Firma keinen Zutritt erhielten. Ursprünglich waren die Preise wohl gesalzen. Kurz vor Veranstaltungsbeginn fielen sie um zwei Drittel.

Ob das der Auslöser war, dass sich IBM, Hitachi Data Systems und EMC auf dem Storage-Part der Veranstaltung gleich einmal durch Abwesenheit glänzten oder die Freifläche vor dem Frankfurter Congress-Zentrum dazu nutzen, ihr Angebot aus einem Lieferwagen heraus zu präsentieren?

Haustete indes geht frei mit seinen negativen Erfahrungen um: „Ich denke, es gehört zu unserer Verantwortung, das Ergebnis unserer Ausstellung mit dem gesamten Markt zu teilen, damit andere Firmen unseren Fehler nicht im kommenden Jahr wiederholen. Wir müssen uns gegenseitig helfen.“

Philippe Haustete, CEO von Datacentervision: "Unhappily, this event, for the datacenter part, has been a disaster, a mess. Could not have been worse."
Philippe Haustete, CEO von Datacentervision: "Unhappily, this event, for the datacenter part, has been a disaster, a mess. Could not have been worse." (Bild: Datacentervision)

Zweimal ein Fazit

Offenbar jedoch habe so manches Unternehmen den Reinfall schon befürchtet und sofort abgesagt, vermutet Haustete. „Ein paar der Großen wie Siemens, ABB, Schneider haben gefehlt. Die haben es wohl schon geahnt.”

Während Closer Still signalisierte, die Veranstaltung weiter auszubauen und die Preise zu erhöhen, lautet das Fazit vom Datacentervision-CEO ganz anderes: „Hoffentlich versuchen die Veranstalter es nicht noch einmal im kommenden Jahr. Denn sie verwirren und schädigen den Markt nur.“

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