Deutscher Rechenzentrumspreis 2011: Einfache Konzepte gefragt

Juror Andreas Rüter: „Energie-Effizienz bedeutet Kosten-Effizienz“

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Welche Kriterien leiten Sie daraus für den RZ-Preis ab? Wonach werden Sie die eingereichten Bewerbungen beurteilen?

Andreas Rüter: Vorschläge sollten im besten Fall die von mir genannten Verbesserungen unterstützen. Sie sollten aber auch leicht und von vielen zu implementieren sein. Ein Vorschlag, der nur von den zehn größten RZ-Betreibern umgesetzt werden kann, wiegt weniger als einer, der sich von 50.000 mittelständischen Unternehmen adaptieren lässt.

Sie haben den EU Code of Conduct for Data Centre Efficiency erwähnt. An dessen Erstellung haben Sie selbst mitgearbeitet. Gibt es aus Ihrer Sicht essenzielle Anforderungen an den Energie-effizienten Betrieb von Rechenzentren, die von Betreibern noch zu wenig beachtet werden?

Andreas Rüter: Das Schlagwort lautet: „IT meets Facilities“. Kein IT-Department wird Maßnahmen zur Energie-Effizienz schwungvoll vorantreiben, wenn die Energiekosten im Property-Department untergehen.

Eine klare, sachgerechte Zuordnung der Energiekosten für IT-Systeme und Kühlung zur IT-Organisation – inklusive der Wartungskosten für die technische Infrastruktur - führt dagegen zu Optimierungsprojekten, die durch die IT angestoßen werden.

Die IT muss dabei ganz klar die Führungsrolle übernehmen. Vom Property-Department können die Innovationen nicht erbracht werden.

Kommen wir auf Ihr Motto „Speed and Simplicity“ zurück: Haben Sie Maßnahmen parat, die schnell und einfach umzusetzen sind und die einen positiven Effekt auf die Energiebilanz haben?

Andreas Rüter: Ja, generell sehe ich fünf Maßnahmen, die vor allem im Zusammenspiel effektiv sind.

  • Erstens: Leerkapazitäten bei Server- und Storage-Systemen eliminieren und die Hardware konsolidieren.
  • Zweitens: Server virtualisieren, um dynamisch auf sich ändernde Hardware-Lasten reagieren zu können. Systeme ausschalten, die gerade nicht gebraucht werden.
  • Drittens: Direkte freie Kühlung nutzen. 90 Prozent des Jahres könnte direkt mit Außenluft gekühlt werden.
  • Viertens: Temperaturen im Rechenzentrum dem veränderten Bedarf der Hardware anpassen. Gemäß Datenblatt vertragen heute fast alle Maschinen Ansaugtemperaturen von bis zu 40 Grad Celsius. Warum kühlen wir dann immer noch bei 21 Grad?
  • Fünftens: Heißgang und Kaltgang in den Server-Räumen voneinander trennen und den Kaltgang einhausen, um zu verhindern, dass sich Warm- und Kaltluft vermischen.

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