Von Salesforce zu USU, oder doch nicht? Ersatz für das IT-Monitoring von Servicetrace

Von Ulrike Ostler 5 min Lesedauer

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Salesforce, eigentlich Mulesoft, ursprünglich Servicetrace, stellt das gleichnamige IT-Monitoring-Tool „Servicetrace“ ein. USU möchte in die Bresche springen.

„Servicetrace“ beziehungsweise „Servicetrace APM“ gibt es nicht mehr; USU möchte mit seinem End-to-End-Monitoring in die Bresche springen. (Bild:  Dall-E / KI-generiert)
„Servicetrace“ beziehungsweise „Servicetrace APM“ gibt es nicht mehr; USU möchte mit seinem End-to-End-Monitoring in die Bresche springen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

2004 gründete Markus Duus in seinem Kellerraum Servicetrace. Damals war das Unternehmen ein Pionier im Bereich Software Robotics (RPA). Wie der Gründer und späterer CEO im Dezember 2019 berichtete, nahm 2015 Robotic Process Automation Fahrt auf und entwickelte sich gerade in den Jahren 2017, 2028 zu einem echten Hype. So rückte auch Servicetrace bei den Analystenhäusern Forrester und Gartner in die Reihen marktführender RPA-Anbieter auf.

Wie Duus 2029 berichtete, hat das Unternehmen mit RPA-Angeboten für das End to End Application Monitoring gestartet, also mit Software-Robotern, die digitale Businessprozesse durcharbeiten und dabei Verfügbarkeits- und Performance-Daten messen. Im Jahr 2011 hat sich die Produktpalette auf automatisierte Softwaretests erweitert.

 Das Magic Quadrant for Integration Platform as a Service von Gartner(Bild:  Gartner)
Das Magic Quadrant for Integration Platform as a Service von Gartner
(Bild: Gartner)

Überhaupt konnte das Unternehmen einige Innovationen vorweisen, darunter die weltweit erste schematische Bilderkennung für GUI-basierte Automatisierungen, Patente für das GUI-basierte Messverfahren und Sicherheitstechnologie. Bereits 2010 verfügte das Unternehmen über eine komplette „No-Code-Lösung“ zur Erstellung von Automatisierungen.

Mulesoft Reserach: 2024 Connectivity Benchmark Report

Nach Angaben von Mulesoft wurden im Oktober und November 2023 in Summe 1050 IT-Entscheidungsbefugte befragt. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:

Die neue Normalität: KI-Wendepunkt intensiviert die Notwendigkeit einer kohärenten IT-Strategie. 87 Prozent der IT-Führungskräfte melden Veränderungen der digitalen Transformation. Durch KI wird das Technologie-Umfeld noch komplexer. In einem durchschnittlichen Unternehmen sind schätzungsweise 991 Anwendungen im Einsatz. IT-Budgets wachsen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.

Die Einführung von KI nimmt sprunghaft zu, doch Integration und Sicherheitsbedenken sind die größten Hindernisse. Die Verbreitung von KI ist nicht mehr aufzuhalten. Mehr als drei Viertel der Unternehmen sagen, dass sie mehrere KI-Modelle verwenden. 95 Prozent nennen Schwierigkeiten beim Integrieren der KI in andere Systeme als eines der größten Hindernisse, 79 Prozent nennen Sicherheitsbedenken.

IT-Führungskräfte erkennen, dass Datensilos und die Störanfälligkeit von Systemen ihre Unternehmen bremsen. 98 Prozent der IT-Führungskräfte sagen, dass sie bei der digitalen Transformation mit Herausforderungen konfrontiert sind. Ausschlaggebend hierfür sind das Fortbestehen von Datensilos bei 81 Prozent und die Störanfälligkeit eng miteinander verkuppelter und hochgradig voneinander abhängiger Systeme bei 72 Prozent der Befragten.

Automatisierung ist nach wie vor ein Streitpunkt zwischen IT und Business. Business-User profitieren maßgeblich von der Automatisierung ihrer Arbeit (Einsparung von 1,9 Stunden pro Mitarbeiter:in pro Woche), und in fast allen Abteilungen ist Automatisierung notwendig. Die meisten IT-Abteilungen müssen jedoch noch ermitteln, wie sie dies auf sichere und geregelte Art ermöglichen können. Bei zwei Dritteln(66 Prozent) der Automatisierungsprojekte hat die IT die alleinige Verantwortung.

APIs sind der Motor nahezu aller Unternehmen (99 Prozent), doch nur wenige nutzen sie als strategischen Hebel. APIs fördern weiterhin Produktivität und Umsatz. Schätzungsweise ein Drittel des Umsatzes wird API-basierten Lösungen zugeschrieben. Aufgrund der unkontrollierten API-Verbreitung wird es jedoch immer komplizierter, Daten in großem Umfang zu verwalten und zu sichern. Diese unkontrollierte Verbreitung führt dazu, dass ein Viertel aller APIs überhaupt nicht verwaltet werden.

Servicetrace bei Salesforce

Im Jahr 2021 übernahm dann Salesforce Servicetrace und ermöglichte damit eine durchgängige End-to-End-Unternehmens-Automatisierung. Die Robotic Process Automation (RPA)-Funktionen von Servicetrace wurden zu „Mulesoft RPA“. damit, so der Anbieter konnten Anwender wiederholte digitale Aufgaben durch Software-Bots ersetzen, über beliebige Systeme und Anwendungen hinweg, einschließlich isolierter Legacy Systeme.

Mulesoft gehörte mit seiner API- und Integrationsplattform seit 2020 zu Salesforce. So konnten die RPA-Bots Benutzerschnittstellen intelligent bedienen und zum Beispiel PDF-Dokumente verarbeiten, Daten in Tabellen eingeben. Die Software war zudem vergleichsweise einfach und schnell startklar - ohne Programmieraufwand. Außerdem wurde End-to-End-Sicherheit und Wiederverwendbarkeit groß geschrieben. Kundenunternehmen konnten ihre Assets – Daten, Anwendungen, Prozesse und Bots – als wiederverwendbare Bausteine für den Aufbau eines Composable Business nutzen.

Das Magic Quadrant for API Management von Gartner(Bild:  Gartner)
Das Magic Quadrant for API Management von Gartner
(Bild: Gartner)

Allerdings war 2023 klar, dass das Modul „Servicetrace APM“ (Synthetic Monitoring) von Salesforce nicht in Mulesoft RPA re-implementiert wird - End of Support 31.01.2024. Nur für RPA-Kunden ging es weiter.

Zu Mulesoft gehört

Zu den Überwachungs- und Analyse-Fähigkeiten der Mulesoft-Software gehören folgende Funktionen:

  • „Anypoint-Monitoring“: Dieses Tool bietet Einblick in APIs und Integrationen, indem es deren Leistung verfolgt, Fehler identifiziert und Nutzungsmuster überwacht. Es ist nützlich für die Serviceverfolgung, da Admins damit beobachten können, wie Nachrichten durch Ihre Mulesoft-Anwendungen fließen.
  • „Anypoint-Visualisierer“: Diese Funktion bietet eine grafische Darstellung der APIs von Mulesoft-Anwendungen und -Systemen von Drittanbietern im Anwendungsnetzwerk. Sie kann helfen, die Architektur und den Fluss der Dienste zu verstehen.
  • Logs und Diagnosen: Mulesoft bietet Logging-Funktionen, die zu Diagnosezwecken genutzt werden können. Dazu gehört die Verfolgung des Nachrichtenflusses und die Identifizierung von Problemen oder Engpässen.

Das Ende von Servicetrace

Nun bietet USU eine Migration zu den eigenen End-to-End Monitoring-Tools an. Kürzlich haben die (potenziellen) USU-Kunden ein Schreiben mit folgender Einleitung bekommen: „Die schlechte Nachricht zuerst: Das IT-Monitoring von Servicetrace wird nicht mehr weiterentwickelt und der Support läuft bald aus!“, um das die Umstellung auf die hauseigene Software zu bewerben.

Das Magic Quadrant for SaaS Management Platforms: Am 1. August 2024 hat USU Software mitgeteilt, dass das Unternehmen heuer in den magischen Quadranten aufgenommen worden ist - als einer von nur 15 Anbietern weltweit und als einziger deutscher Herstelle. (Bild:  Gartner)
Das Magic Quadrant for SaaS Management Platforms: Am 1. August 2024 hat USU Software mitgeteilt, dass das Unternehmen heuer in den magischen Quadranten aufgenommen worden ist - als einer von nur 15 Anbietern weltweit und als einziger deutscher Herstelle.
(Bild: Gartner)

Es wird jedoch weder bei Salesforce/Mulesoft klar, um welche Bestandteile es sich bei den 'eingestellten' genau handelt. Ein Vergleich der "Magischen Quadranten" von Gartner zeigt jedenfalls eins: Die Software-Suiten sind von Haus aus nicht deckungsgleich.

Bei der Software, die ersetzt werden soll, scheint es sich jedoch um „Servicetrace APM“ zu handeln, da in einem Flyer, auf den verweisen wird, der 1. Januar 2024 als Datum genannt wird, an dem der Support eingestellt wird. Warum das Migrationsangebot von USU erst im August 2024 bei den Kunden ankommt .... ?

Die Funktionsbereiche des End-to-End Monitoring von USU. (Bild:  USU)
Die Funktionsbereiche des End-to-End Monitoring von USU.
(Bild: USU)

Jedenfalls geht es beim End-to-End-Monitoring von USU um den Überblick über die IT-Systeme aus der End-User-Sicht. Damit soll eine umfassende Überwachung und Identifizierung von Schwachstellen in den IT-Systemen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ermöglicht werden.

Anhand von Echtzeitdaten überwachen Test-Roboter automatisch die Business-Services aus der Perspektive von Anwendern und Anwenderinnen. Laut USU ist die Verwaltung dieser Test-Roboter mit der jüngsten Version quasi „ein Kinderspiel“ und der administrative Aufwand drastisch reduziert.

In dem Flyer, den USU in dem Anschreiben zum End-of-Life von Servicetrace vorschlägt, wird angekündigt, dass die Wechselwilligen erfahren können, „wie der Wechsel von Servicetrace zu USU reibungslos gelingt". das ist nicht der Fall.

Weitere Ersatzprodukte

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Anbietern, die ebenfalls ein Application-Monitoring anbieten. Hier eine kleine Auswahl:

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  • New Relic bietet umfassende APM-Lösungen, die eine tiefe Einblicke in die Performance und Verfügbarkeit von Anwendungen bieten. Die Software des Herstellers unterstützt eine Vielzahl von Plattformen und Programmiersprachen.
  • Dynatrace bietet eine automatisierte und 'intelligente' Anwendung für APM, die auf AI-basierten Ansätzen basiert. Es deckt die gesamte Anwendungssuite ab, einschließlich Frontend, Backend, Infrastruktur und Cloud.
  • AppDynamics, eine Cisco-Tochter, bietet ebenfalls eine umfassende APM-Plattform, die Performance-Monitoring, Endbenutzererfahrung und Business Performance Monitoring umfasst.
  • Datadog ist eine Cloud-native Plattform, die APM, Infrastrukturüberwachung und Log-Management bietet. Die Datadog-Software unterstützt die Überwachung von Servern, Datenbanken, Tools und Diensten.
  • Prometheus und Grafana: Diese Kombination wird oft in Kubernetes-Umgebungen eingesetzt. „Prometheus“ ist ein Open-Source-Monitoring-System, und „Grafana“ wird zur Visualisierung der gesammelten Metriken verwendet.
  • Elastic APM ist Teil des „Elastic Stack“; Elastic bietet APM-Tools für das Monitoring und Tracing von Anwendungen. Es ist besonders nützlich für Unternehmen, die bereits „Elasticsearch“ verwenden.
  • Mit „Splunk APM“ offeriert Splunk umfassende Monitoring-Software für die gesamte IT-Infrastruktur

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