Bearingpoint-Studie zu dümpelnden Digitalinnovationen in IT und Technik

Digitale Partnerschaften wecken Begehrlichkeiten, doch die Umsetzung fehlt

| Redakteur: Ulrike Ostler

Chance vertan? IT- Technologiepartner sind durchaus als Partner gefragt, bliben aber unter sich.
Chance vertan? IT- Technologiepartner sind durchaus als Partner gefragt, bliben aber unter sich. (Bild: Bearingpoint)

Partnerschaften stehen bei den Digitalisierungswilligen hoch im Kurs. Eine Bearingpoint-Studie vom Frühjahr dieses Jahres betätigt den Trend: „IT- und Technologie-Unternehmen haben große Ambitionen im Hinblick auf ihr Partner-Ökosystem“. Die Studie kritisiert „Bei der Umsetzung hinken sie noch hinterher.“

IT- und Technologieunternehmen wollen ihren Umsatz auf Basis von Partner-Ökosystemen vorantreiben. So erwarten 81 Prozent der Unternehmen durch die Etablierung starker Partnernetzwerke eine Umsatzsteigerung von mindestens 11 Prozent in nur zwei Jahren, immerhin noch 44 Prozent gehen von einem Wachstum von mindestens 16 Prozent aus und 22 Prozent der Befragten erwarten gar eine Umsatzsteigerung von 21 Prozent und mehr.

Zugleich stellt die Studie „Partnership ecosystems: A narrowing window of opportunity for IT & Technology companies?“ der Management- und Technologieberatung Bearingpoint fest, dass die Unternehmen Möglichkeiten zum Aufbau neuer Partnerschaften oftmals ungenutzt lassen.

Markus Laqua, Partner und Segmentleiter Telecommunications bei Bearingpoint, sagt: „In den letzten Jahren sind Unternehmen, die digitale plattformbasierte Geschäftsmodelle einsetzen, überdurchschnittlich stark gewachsen. Aus unserer Sicht wird sich dieser Trend in den nächsten Jahren noch weiter verstärken. Grund dafür ist, dass plattformbasierte Geschäftsmodelle Mehrwert aus dem Partner-Ökosystem und den Netzwerkeffekten schöpfen können.“

Das gelte insbesondere für IT- und Technologie-Unternehmen, die aufgrund ihrer Positionierung davon stark profitieren könnten. Aber sie müssten reagieren und die passenden Partner finden, um überzeugende Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. „Momentan scheint es so, also ob einige den Zug verpassen werden“, setzt er einen Punkt.

Chancen im Überfluss, aber die Zeit läuft ab

IT- und Technologie-Unternehmen sind die Partner der Wahl für Unternehmen anderer Branchen, wie Automobilhersteller, Banken und Versicherungen, Telekommunikations- und Medienkonzerne oder Unternehmen der Transportbranche. Durch voranschreitende Vernetzung und Digitalisierung unterstützen diese Partnerschaften das Entstehen neuer branchenübergreifender Geschäftsmodelle. So die Theorie.

Ergänzendes zum Thema
 
Über die Studie

Allerdings arbeiten derzeit nur 18 Prozent der IT- und Technologie-Unternehmen tatsächlich mit Unternehmen aus anderen Branchen zusammen. Stattdessen bevorzugen sie zurzeit oftmals noch Partnerschaften mit anderen etablierten IT-Unternehmen (60 Prozent), Technologieanbietern (53 Prozent) und IoT-Unternehmen (26 Prozent).

Laqua kommentiert: „IT- und Technologie-Unternehmen haben unglaublich hohe Erwartungen, wenn es darum geht, Umsatz, Innovation und Produktivität durch Partner-Ökosysteme zu steigern. Doch zugleich arbeiten sie heute fast schon kurzsichtig mit den Unternehmen zusammen, die ihnen am ähnlichsten sind.“

Sie investierten bisher zumeist in unterstützende Innovationen und nicht in disruptive Innovationen, indem sie eher bestehende Produkte um Funktionen erweitern. „Die Entwicklung komplett neuer Produkte und Dienstleistungen wird einfach nicht in den Vordergrund gestellt“, so Laqua.

Die Studie zeigt jedoch auf, dass die großen Chancen in der digitalen Transformation traditioneller Organisationen wie Automobil-, Banken- und Telekommunikationsunternehmen liegen; denn hier gibt es noch viel Potenzial für die Entwicklung branchenspezifischer Produkte und Dienstleistungen. Die genannten Sektoren brauchen neue Lösungsansätze, um sich mit Hilfe der neuen digitalen Technologien neu zu erfinden und in angrenzende Märkte vorzudringen.

„Das zwingt sie allerdings auch dazu, sich Kenntnisse und Fähigkeiten digitaler Unternehmen anzueignen. Somit werden sie selbst zu Digitalexperten und in zwei Jahren werden sie bereits deutlich unabhängiger sein als noch heute. Sollten IT- und Technologie-Unternehmen also nicht schnell handeln, dann verpassen sie diese Wachstumschancen“, konstatiert Laqua.

IT- und Technologie-Unternehmen verstehen den Wert, tun aber wenig

79 Prozent der IT- und Technologie-Unternehmen halten es für wichtig, Geschäftsmodelle durch Partnerschaften zu verändern, um das Wachstum zu unterstützen. Auf Geschäftsmodellinnovationen und die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen konzentrieren sich in diesem Zusammenhang 58 Prozent der Unternehmen.

Während sie jedoch den Wert der Entwicklung von Partnerschaften sehen, befinden sich 53 Prozent der Befragten immer noch in der Planungsphase für ihre eigene Digitalstrategie und den Aufbau von Partnernetzwerken. Nur 34 Prozent der IT- und Technologie-Unternehmen beschäftigen sich bereits umfassend mit Geschäftsmodellinnovationen und neuen digitalen Angeboten.

Technik behindert Technik - Ironie der Tech-Welt

Die Herausforderungen, denen sich IT- und Technologie-Unternehmen beim Management und der Verbesserung ihrer Partner-Ökosysteme stellen müssen, sind vor allem technologischer Natur: 51 Prozent haben mit einer komplexen, veralteten IT-Umgebung zu kämpfen. Weitere 47 Prozent glauben nicht, dass sie über die richtigen Technologien und Plattformen verfügen, um die Monetarisierung über das gesamte Partner-Ökosystem hinweg zu managen.

Auch bei der Umsetzung einer Digitalstrategie scheint der IT-Sektor vergleichsweise zögerlich zu sein. Laut Studie haben 46 Prozent der IT- und Technologie-Unternehmen eine Digitalstrategie definiert und setzen sie um. Im Vergleich dazu sind es beispielsweise im Telekommunikationssektor bereits 55 Prozent.

„Der Aufbau, die Orchestrierung und das Management eines Partner-Ökosystems und seine anschließende Nutzung zur gemeinsamen Entwicklung und Monetarisierung innovativer Angebote ist keine leichte Aufgabe – selbst für IT- und Technologieexperten. Der zukünftige Geschäftserfolg hängt also auch von den Technologie-Entscheidungen ab, die IT- und Technologie-Unternehmen in den kommenden Monaten und Jahren treffen werden“, so Laqua.

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45569426 / Services)